Tipp

Factsheet: Intrathekale Baclofen-Therapie (ITB)

Die Baclofenpumpe transport den Wirkstoff direkt in Rückenmarksnähe

Die Baclofenpumpe transport den Wirkstoff direkt in Rückenmarksnähe
(Quelle: Medtronic)

Was ist eine ITB-Therapie?

Die Intrathekale Baclofen-Therapie (ITB-Therapie) ist eine Behandlungsoption für Menschen mit schwerer Spastik - also körperliche Beeinträchtigung u.a. durch verhärtete, angespannte und "steife" Muskel. Spastik kann ein Symptom der Multiplen Sklerose, von cerebraler Lähmung, von Gehirnverletzung, Wirbelsäulenverletzung oder Hirnschlag sein.


Wie wirkt die ITB Therapie?

Die ITB-Therapie lindert die Steifheit der Muskel, indem der Wirkstoff Baclofen direkt in den "Intrathekalen Raum", in dem Flüssigkeit das Rückensmark umgibt, abgegeben wird. Es handelt sich also um eine so genannte "rückenmarksnahe Anwendung" von Baclofen. Das Medikament wird in niedrigen Dosierungen verabreicht, indem eine individuell programmierbare Pumpe eingesetzt wird. Diese kleine Pumpe wird operativ in die Bauchregien unter die Haut implantiert und ist mit einem dünnen Schlauch ("Katheter") verbunden. Einmal implantiert, transportieren Pumpe und Katheter das Baclofen direkt zum Rückenmark, wo es am effektivsten wirkt.


Warum ist eine ITB Therapie wirksam?

Es ist die spezifische Art der Wirkstoffabgabe, die bei der ITB-Therapie den Unterschied gegenüber Baclofen zum Schlucken ("oral") ausmacht: Bei der ITB-Therapie wird eine niedrige Baclofen-Dosis direkt in die Rückenmarksflüssigkeit abgegeben, sodass die Spastik signifikant verringert werden kann. Gleichzeitig können mittels ITB-Therapie unerwünschte Nebenwirkungen verringert werden, die bei der oft erforderlichen Dosissteigerung bei oraler Baclofen-Einnahme häufig unvermeidlich sind.

In klinischen Studien zeigte sich, dass die ITB-Therapie die Spastik bei 97 Prozent der Betroffenen mit schwerer Spastik in Folge von Multipler Sklerose und Rückenmarksverletzung, und bei 86 Prozent der Betroffenen mit schwerer Spastik in Folge von cerebraler Lähmung oder Gehirnverletzung reduziert.

Einige Personen berichteten auch, dass Ihnen die ITB-Therapie zu mehr Unabhängigkeit verhilft, zum Beispiel indem sie es Ihnen ermöglicht selbständig zu essen, sich selbst anzukleiden, bequemer zu sitzen oder sich einfacher zu bewegen. Pflegekräfte berichten, dass die Pflege von Spastik-Patienten mit ITB-Therapie einfacher ist.


Wer kommt für die ITB-Therapie in Betracht?

Menschen mit schwerer Spastik, die unter intolerablen Nebenwirkungen bei oral zu nehmenden Medikamenten litten, bzw. bei denen andere Behandlungen nicht ausreichend wirksam waren, kommen als Kandidaten für eine ITB-Therapie in Betracht. Ein einfacher Test zeigt, ob eine ITB-Therapie bei einem individuellen Patienten wirksam sein kann: Bei diesem Lumbalpunktur-Test durch einen Arzt wird eine Testdosis Baclofen in die Flüssigkeit um das Rückenmark injiziert. Verringert sich dabei die Spastik signifikant, kommt der Patient für eine ITB-Therapie in Frage.

Die Baclofenpumpe gibt in regelmäßigen Intervallen den Wirkstoff ab

Die Baclofenpumpe wird in die Bauchdecke implantiert und gibt in regelmäßigen Intervallen den Wirkstoff ab
(Quelle: Medtronic)


Ist die ITB-Therapie eine sichere Behandlungsform?

Klinische Untersuchungen haben gezeigt, dass die ITB-Therapie auch bei einem Langzeiteinsatz von bis zu 13 Jahren gut toleriert wird. Inzwischen wurden Tausende Betroffene mittels ITB behandelt, um ihre Spastik zu verringern.


Gibt es potentielle unerwünschte Wirkungen im Zusammenhang mit einer ITB-Therapie?

In klinischen Untersuchungen zeigte sich, dass die ITB-Therapie schwere Spastik reduziert. Mögliche unerwünschte Nebenwirkungen können sein schlaffe Muskulatur, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen und Schwindel. Trotzdem haben fast alle Personen, bei denen unerwünschten Wirkungen aufgetreten sind, ihre ITB-Therapie fortgesetzt.


Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine bis heute unheilbare, chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems, die zunächst schleichend verläuft und im späteren Verlauf zu immer belastenderen körperlichen Behinderungen führt. Typisch ist das Auftreten von Beschwerden, die Tage bis Wochen anhalten und danach gänzlich oder teilweise verschwinden, um möglicher Weise in anderer Art zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzutreten. Anzeichen können Zittrigkeit, Gefühlsstörungen, Seh- oder Sprachstörungen sein, aber auch Gangunsicherheit und Gehstörungen bis hin zu Lähmungen einer oder mehrerer Extremitäten, Störungen der Koordination, Blasen- und Darmentleerungsstörungen, Beeinträchtigung der Muskulatur und der Körperwahrnehmung. Auch die Sexualfunktionen können bei Personen mit MS gestört sein. Es treten dann Potenzstörungen, Gefühlsstörungen im Geschlechtsbereich oder auch unwillkürliche Muskelanspannung auf. In der EU haben 400.000 Menschen MS, wobei mehr Frauen betroffen sind als Männer (Verhältnis 3:2). Die ersten Symptome treten sehr oft zwischen den 20. und 40. Lebensjahr auf. MS ist die verbreitetste neurologische Krankheit unter jungen Erwachsenen in Europa, die zu Behinderungen führt.

Die genaue Ursache von MS ist noch nicht bekannt, doch dürften immunologische, umweltbedingte, virale und genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten können Häufigkeit und Stärke von MS-Schüben verringern und die Häufigkeit von Läsionen ("Verletzungen") im Gehirn zu reduzieren, etwa DMARD (Disease modifying antirheumatic drugs), Steroide, orale Medikamente und die ITB-Therapie.


Zerebralparese (Gehirnlähmung)

Eine zerebrale Lähmung beeinträchtigt die Kontrolle des Körpers über Bewegungen und Muskelkoordination (motorischen Funktionen), und entsteht durch Schädigungen eines Areals oder mehrerer Areale des Gehirns, die üblicher Weise während der Entwicklung des Fötus, während der Geburt oder in der Kindheit auftreten.

Zwei Menschen auf 1000 Bewohner erkranken an einer Zentralparese, 29 Prozent davon mit schwerer Spastik. Etwa 90 Prozent aller Zentralparesen entstehen vor oder während der Geburt, etwa zehn Prozent bis zum fünften Geburtstag, in der Regel durch Traumata (Verletzungen).

Risikofaktoren für eine zerebrale Lähmung sind Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht, zu wenig Sauerstoff oder Nährstoffe aus der Plazenta, bestimmte Virus-Infektionen der Mutter in frühen Schwangerschaftsstadien, oder Sauerstoffmangel während der Geburt.

Die zerebrale Lähmung ist bei angemessener Pflege und Unterstützung behandelbar, Betroffene können beim Wachstum und bei ihrer Entwicklung positive Ergebnisse erzielen. Behandlungsoptionen für das Management der Symptome der zerebralen Lähmung sind physikalische Therapie, Ergo- und Beschäftigungstherapie, orale Medikation und ITB-Therapie.


Gehirnverletzung

Gehirnverletzungen sind ein Ergebnis einer unvorhergesehenen raschen Bewegung des Kopfes, wodurch das Gehirn hin- und her "geschleudert" wird, oder einer in der Folge auftretenden längeren Sauerstoffunterversorgung des Gehirns. Schätzungen zufolge erleben in Europa rund 1,6 Millionen Menschen pro Jahr Gehirnverletzungen.

Gehirnverletzungen können zu kognitiven und körperlichen Beeinträchtigungen führen, wobei insbesondere das Sprechvermögen, die Sehfähigkeit, die sensorischen Funktionen und die Bewegung betroffen sind. Häufige Folgen einer Gehirnverletzung sind Beeinträchtigung des emotionalen und psychosozialen Verhaltens, etwa Stimmungsschwankungen, Angst, Depression, niedrige Selbstachtung und mangelhafte Aggressionskontrolle.

Die Behandlung von Gehirnverletzungen ist sehr stark individuell abgestimmt, sie schließt oral einzunehmende Medikamente, ITB-Therapie, Rehabilitation, spezielle berufliche Förderung und Pflege ein.


Rückenmarks-Verletzungen

Rückenmarks-Verletzungen umfassen Schäden des Rückmarks, die zu Funktionsverlusten zum Beispiel in der Mobilität oder beim Fühlen führen. Rückenmarksverletzungen können vollständig (keine Funktion oder Gefühllosigkeit im Körper unterhalb der Verletzung) oder unvollständig (einige Funktionen oder Gefühle im Körper unterhalb der Verletzung) sein.

0,898 Menschen pro 1000 Einwohner erleiden in Europa Rückenmarksverletzungen, 24 Prozent davon mit schwerer Spastik. Die häufigsten Ursachen sind Motorradunfälle.

Manche Patienten mit Rückenmarksverletzung machen die Erfahrung, dass mit dem Zurückgehen der Schwellungen im Bereich der Wirbelsäule gewisse Funktionen eingeschränkt wiederkehren. Dennoch ist es sehr unwahrscheinlich, dass nach einer Rückenmarks-Verletzung wieder die volle Funktion erreicht wird.

Üblicher Weise werden eine physikalische Therapie, oral verabreichte Medikamente und die ITB-Therapie eingesetzt, um Betroffenen dabei zu helfen mit den Auswirkungen ihrer Krankheit umzugehen.


Schlaganfall

Zu einem Schlaganfall kommt es, wenn ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß oder eine Arterie verschließt oder wenn ein Blutgefäß reißt, und damit die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrochen wird. Zu einem Schlaganfall kann es in jedem Lebensalter kommen, doch das Risiko nimmt mit dem Alter zu und verdoppelt sich nach dem 55. Lebensjahr mit jedem Lebensjahrzehnt.

In Europa erleiden etwa 1,1 Millionen Menschen pro Jahr einen Schlaganfall.

Typische Symptome des Schlaganfalls sind Taubheit in den Extremitäten oder im Gesicht, plötzliche Sehstörungen, plötzliche Störungen beim Gehen oder Sprechen, Benommenheit, Probleme mit dem Gleichgewicht sowie der Koordination und schwere Kopfschmerzen. Potentielle Komplikationen sind zum Beispiel Depressionen, Gedächtnisverlust, Kommunikationsprobleme, Spastik und Schmerz.

Rehabilitation, oral einzunehmende Medikamente und die ITB-Therapie helfen Betroffenen dabei, nach einem Schlaganfall Funktion und Unabhängigkeit wieder zu gewinnen.

Quellen:
Albright AL, Barron WB, Fasick P, Polinko P, Janosky J. Continuous intrathecal baclofen infusion for spasticity of cerebral origin. JAMA. 1993;270(20):2475-2477
Controlled clinical studies on file, Medtronic, Inc
European Journal of Neurology. 2005 Jun;12 Suppl 1:85-90 and Kraus JF, et al. Am J Epidemiol 1984;119:186-201
Loubser PG, Narayan RK, Sandin KJ, et al. Continuous infusion of intrathecal baclofen: long-term effects on spasticity in spinal cord injury. Paraplegia. 1991;19:48-64
Parke B, Penn RD, Savoy SM, Corcos DM. Functional outcome following delivery of intrathecal baclofen in patients with multiple sclerosis or spinal cord injury. Arch Phys Med Rehab. 1989;70:30-32
Rawlins P. Intrathecal baclofen for spasticity of cerebral palsy: project coordination and nursing care. AJNN. 1995;27(3):157-163
Sadiq SA, Wang GC. Long-term intrathecal baclofen therapy in ambulatory patients with spasticity. J Neurol 2005; 1-7
www.cnsforum.com accessed 17 October 2007
www.ms-in-europe.org accessed 17 October 2007
www.rds-online.org.uk accessed 17 October 2007

 

Autor: Medtronic GmbH/Qualimedic.com AG 
Letzte Änderung am: 24.10.2008
 
Tipp