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Fadenwürmer (Nematoda)

Die Eier des Fadenwurms werden zum Beispiel über kopfgedüngten, ungewaschenen Salat übertragen

Die Eier des Fadenwurms werden zum Beispiel über kopfgedüngten, ungewaschenen Salat übertragen
(Quelle: Claudia Hautumm/PIXELIO)

Würmer sind Parasiten, die Pflanzen, Tiere oder Menschen als Wirte benutzen. Sie können von ausschließlich einem Wirt leben, oder über einen oder mehrere Zwischenwirte zum Endwirt gelangen. Würmer können Infektionserkrankungen auslösen und gehören zu den weltweit häufigsten Ursachen für Infektionskrankheiten. Zu den für die Humanmedizin relevanten Fadenwürmern (Nematoda) zählen der weltweit verbreitete Madenwurm (Enterobius vermicularis) und der Spulwurm (Ascaris lumbricoides). Der Spulwurm tritt vor allem in Lateinamerika, Ostasien und Afrika auf. Seit den 1950er Jahren ist die Zahl der Spulwurminfektionen in Mitteleuropa deutlich zurückgegangen.


Wie wird ein Wurmbefall verursacht?

Ein Befall durch Fadenwürmer (Nematodeninfektion) wird auf unterschiedliche Art und Weise verursacht: Der Übertragungsweg verläuft ohne Wirtswechsel (monoxen) oder über einen oder mehrere Zwischenwirte (heteroxen). Bei der Übertragung ohne Wirtswechsel entwickeln sich die Larven im Freien aus den Eiern und werden über den Mund (oral) aufgenommen. Einige wenige Arten dringen über die Haut des Wirts ein (perkutan).

Werden die Würmer über einen Zwischenwirt übertragen, entwickeln sich die Eier im Zwischenwirt zu Larven. Die Larven gelangen anschließend meist oral in den Organismus des Endwirts. Bei zwei Zwischenwirten übertragen häufig Insekten infektiöse Larven über die Nahrung auf den Endwirt.

Der Madenwurm lebt im Dickdarm des Menschen. Das Weibchen legt beim Auskriechen Eier am After des Wirts ab. Die Larven entwickeln sich innerhalb weniger Stunden und weisen eine weiße Färbung auf. Die ebenfalls weißen Eier sind auf dem Kot in der Regel gut zu erkennen. Infolge des entstehenden Juckreizes werden abgelegte Eier durch Kratzen mit der Hand aufgenommen und verteilt. Die Übertragung verläuft dann auch über gemeinsam benutzte Gegenstände.

Die Madenwurmeier werden daher vornehmlich innerhalb einer Familie oder Wohngemeinschaft, aber auch in Schulklassen oder Kindergärten von Mensch zu Mensch durch Schmutz- und Schmierinfektion übertragen; dabei bedarf es nur eines Händereichens. Die Selbstansteckung (Autoinfektion) kommt vor allem bei Kleinkindern vor, indem Finger, deren Nägel mit Wurmeiern verunreinigt sind, in den Mund gesteckt werden. Der Madenwurmbefall (Enterobiasis) ist weltweit verbreitet. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, Kinder und Jugendliche häufiger als ältere Menschen.

Die Eier des Spulwurms werden häufig durch unsauberes Gemüse, wie beispielsweise mit Fäkalien gedüngtem Salat, übertragen. Die Eier haften zum Beispiel an den Salatblättern und werden bei bloßem Abspülen mit Wasser nicht entfernt. Im feuchten Erdboden können die Eier des Spulwurms monatelang überleben.

Aus den infektiösen Eiern an den Lebensmitteln schlüpfen Larven, welche sich anschließend durch die Darmwand ihres Wirts bohren und so in dessen Blutgefäße gelangen. Über die Blutbahn wandern sie durch die Leber in die Lunge des Wirts. Über die Luftröhre und den einsetzenden Schluckreflex gelangen sie erneut in den Dünndarm. Die jungen Würmer häuten sich mehrmals und wachsen in etwa sechs bis acht Wochen zum erwachsenen, geschlechtsreifen Tier. Das Weibchen stößt nach der Begattung täglich etwa 20.000 Eier ab. Diese werden mit dem Stuhl ausgeschieden, die ersten Eier etwa 75 Tage nach der Infektion. Die Eier sind so hartschalig, dass sie gegenüber Säuren und Desinfektionsmitteln sehr widerstandsfähig sind.


Welche Symptome treten bei einem Wurmbefall auf?

Ein Befall durch Madenwürmer äußert sich häufig durch einen Juckreiz am After, welcher durch die dort abgelegten Eier ausgelöst wird. Dieser Juckreiz kann sich bei Frauen auf die Vaginalhaut ausdehnen. Im Stuhl finden sich weiße, fadenförmige Würmer von zirka einem Zentimeter Länge.

Ein Spulwurmbefall macht sich durch Symptome wie Husten, Atemnot, Übelkeit, Durchfall und Bauchschmerzen bemerkbar. Mit dem Stuhl können bis zu 40 Zentimeter lange Würmer ausgeschieden werden, die einem Regenwurm ähnlich sehen. Husten und Atemnot hängen mit der beschriebenen Wanderung der Larven zusammen, welche vom Darm ihres Wirts über Blutgefäße und Leber in die Lunge wandern und sich schließlich über die Luftröhre in Richtung Kehlkopf bewegen. Da diese Fortbewegung vor allem nachts geschieht, können durch Hustenanfälle und gestörtes Schlucken Schlafstörungen auftreten.


Wie wird ein Wurmbefall diagnostiziert?

Bei Verdacht auf einen Befall durch Fadenwürmer findet zunächst ein ausführliches Gespräch über die bestehenden Symptome und mögliche Übertragungswege wie Ernährung und Lebensweise statt (Anamnese). Da bei einem Wurmbefall die Eier mit dem Stuhl ausgeschieden werden, kann über die mikroskopische Untersuchung einer Stuhlprobe des Betroffenen in der Regel eine sichere Diagnose gestellt werden.

Der Madenwurm legt seine Eier am After ab, daher kann in solch einem Fall eine Probe von der Analhaut (Abklatsch) genommen werden. Hierzu wird ein durchsichtiger Klebestreifen auf die Haut gedrückt und auf einen Objektträger gebracht. Bei der anschließenden Untersuchung unter dem Mikroskop sind die Eier sichtbar.

Auf einem Röntgenbild oder im Rahmen einer Spiegelung (Endoskopie) können ganze Spulwürmer im Darm oder dessen Larven in Leber oder Lunge erkannt werden. Da der Befall mit Larven zur Bildung von spezifischen Antikörpern im Blut führt, kann die Blutprobe der betreffenden Person im Labor mikroskopisch untersucht werden.


Wie ist die Behandlung eines Wurmbefalls?

Ein erkannter Wurmbefall in Familien oder Kindergärten erfordert besondere hygienische Maßnahmen: Die Betroffenen müssen sich einer Behandlung der Analhaut und gegebenenfalls der Vaginalhaut unterziehen. Meist werden dazu die Wirkstoffe Mebendazol oder Albendazol verwendet. Je nach Schweregrad des Befalls muss die Behandlung nach 14 Tagen wiederholt werden. In jedem Fall sollte in Absprache mit dem behandelnden Arzt nach einiger Zeit eine Kontrolluntersuchung durchgeführt werden, um einen Rückfall zu verhindern.

Das Tragen eng anliegender Unterhosen verhindert nächtliches Kratzen und somit die weitere Verteilung der Eier oder bakterielle Infektionen der wunden Haut. Weiterhin ist es vor allem bei Kindern hilfreich, die Fingernägel kurz zu schneiden, um eine Verstreuung der Eier zu unterbinden.

Um die bereits verteilten Wurmeier abzutöten, sollten benutzte Textilien wie Bettwäsche, Handtücher und Waschlappen ausgekocht und Spielzeug mit heißem Wasser gründlich gereinigt werden. Eine Entfernung der Wurmeier mit einem Staubsauger führt nur zu einer weiteren Verteilung und nicht zur Zerstörung des Parasiten.

Zwischen der Zubereitung und dem Verzehr von Lebensmitteln sollten vor allem die Hände gut gesäubert werden.


Gibt es mögliche Komplikationen eines Wurmbefalls?

Eine Ansammlung von mehreren ausgewachsenen Spulwürmern kann zu einem Darmverschluss führen, der chirurgisch behandelt werden muss. Spulwürmer können ebenfalls in den Gallengang, in die Bauchspeicheldrüse oder in den Magen wandern und so beispielsweise den Abfluss der Gallenflüssigkeit stören (Ikterus).


Kann man einem Wurmbefall vorbeugen?

Einem Spulwurmbefall lässt sich dadurch vorbeugen, Salate und rohe Gemüse vor dem Verzehr gründlich zu waschen beziehungsweise zu säubern. Am besten ist es, rohes Gemüse vor dem Genuss zu schälen, um die Gefahr eines Spulwurmbefalls zu minimieren. Des Weiteren muss auf die notwendigen hygienischen Maßnahmen, vor allem auf sorgfältiges Händewaschen nach jedem Stuhlgang, geachtet werden, um die Übertragungshäufigkeit zu vermindern.


Weitere Fragen zu diesem Thema können Sie in der Hausarzt-Expertenrat direkt an unsere Experten richten.

Quellen:
Hof, H., Dörries, R.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart, 2004
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007

 

Autor: Sarah Liebigt 
Letzte Änderung am: 06.11.2008
 
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