Fibromyalgie
Bei Fibromyalgie leiden Betroffene unter ständigen Schmerzen
(Quelle: DAK/Wigger)
Die Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung. Sie ist gekennzeichnet durch immer wiederkehrende, starke Schmerzen im gesamten Bewegungsapparat, begleitet von Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche verringerte Leistungsfähigkeit und einigen weiteren Symptomen.
Weltweit sind etwa zwei bis vier Prozent der Bevölkerung von Fibromyalgie betroffen, in Deutschland leiden etwa zwei Millionen unter der chronischen Schmerzerkrankung, davon überwiegend Frauen. Die meisten Erkrankungen beginnen mit Ende 20 bis Mitte 30 und erreichen ihren Höhepunkt mit Beginn oder um die Wechseljahre herum. Fibromyalgie kann aber auch schon bei Kindern und Jugendlichen auftreten.
Dass die Beschwerden bei der Fibromyalgie ähnlich sind wie bei zahlreichen anderen Erkrankungen, führt dazu, dass die Erkrankung oft nicht erkannt wird. Viele Betroffene tun die immer wiederkehrenden Schmerzen als Alltagsbeschwerden ab oder versuchen sie durch Selbstbehandlung in den Griff zu bekommen. Auch gelingt es vielen Ärzten nicht sofort, eine Fibromyalgie zu diagnostizieren, was dazu führt, dass die Betroffenen sich zahlreichen Untersuchungen und Behandlungen unterziehen, die auf andere Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen ausgerichtet sind.
Fibromyalgie ist nicht lebensbedrohlich, kann aber die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
Was sind die Ursachen der Fibromyalgie?
Die genauen Ursachen der Fibromyalgie sind bis heute unbekannt. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer primären und einer sekundären Fibromyalgie.
Bei der primären Fibromyalgie werden als Ursachen eine genetische Veranlagung, eine gestörte Schmerzverarbeitung und veränderte Schmerzwahrnehmung, hormonelle Störungen, eine Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse sowie des Wachstumshormon-Systems, psychische Faktoren sowie psychosozialer Stress und eventuell Veränderungen im Immunsystem vermutet. Die sekundäre Fibromyalgie ist eine Folgeerkrankung einer anderen Erkrankung, beispielweise einer orthopädischen Erkrankung wie Schleudertrauma (HWS-Syndrom) oder Bandscheibenvorfall (LWS-Syndrom).
Jüngere Forschungen weisen auf einen Zusammenhang zwischen der Entstehung der Fibromyalgie als Funktionsstörung der zentralnervösen Schmerzverarbeitung und negativen Kindheiterlebnisse wie sexueller Missbrauch, Gewalterfahrung, mangelnde körperliche Zuneigung, Alkohol- und andere Probleme der Eltern oder Trennung der Eltern hin. Weitere Ursachenforschung wird aktuell betrieben.
Wie äußert sich eine Fibromyalgie?
Charakteristisch für eine Fibromyalgie sind immer wiederkehrende starke Schmerzen im Bereich der Sehnen und Muskeln, die von den Betroffenen als reißend und ziehend beschrieben werden. Die Schmerzen treten anfangs gelegentlich und im weiteren Krankheitsverlauf immer häufiger auf. Als Begleitsymptome sind bekannt:
- Schlafstörungen
- Kreislaufbeschwerden
- Schwindel
- Konzentrationsstörungen und Leistungsabfall
- Depressionen
- allgemeine Müdigkeit
- Kopfschmerzen
- Taubheitsgefühle
- trockener Mund
- Morgensteifigkeit
- Herzrhythmusstörungen
- kalte Hände und Füße
Aus den Muskelschmerzen entwickeln sich oft Muskelverspannungen, unter denen die Betroffenen sehr leiden.
Die Stärke der Symptome und der Begleitsymptome ist individuell verschieden von stark einschränkend bis hin zur Bettlägerigkeit.
Wie wird Fibromyalgie diagnostiziert?
Da die Symptome und die Begleitsymptome der Fibromyalgie auch auf andere Erkrankungen schließen lassen können, ist eine Diagnose schwierig. Erschwerend kommt hinzu, dass sowohl Röntgenbilder wie auch Laborwerte keinen eindeutigen Aufschluss auf eine Fibromyalgie geben.Viele Betroffene werden über Jahre hinweg falsch oder erfolglos behandelt, bevor die Fibromyalgie diagnostiziert wird.
Die Diagnose Fibromyalgie ist deshalb zunächst eine Ausschlussdiagnose, das heißt es werden Untersuchungen durchgeführt, um Krankheiten mit gleichen oder ähnlichen Symptomen ausschließen zu können.
Zu diesen Erkrankungen gehören unter anderem:
- Gelenkentzündungen (Arthritis) und chronisch-rheumatische Erkrankungen
- Morbus Bechterew
- Osteoporose
- Schilddrüsenfehlfunktionen
- Multiple Sklerose
- Depression
- Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS)
- Entzündliche Multiorganerkrankung (Polymyalgia rheumatica)
- Entzündung der Sehnen (Tendomyopathien)
- Sklerodermie
Wird eine Fibromyalgie vermutet, werden zur Diagnose so genannte "tender points" untersucht. Von diesen über den gesamten Körper verteilten 18 Druckpunkten sollten elf über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten schmerzhaft sein, um eine Fibromyalgie erkennen zu lassen.
Wie kann die Fibromyalgie behandelt werden?
Da die Ursachen der Fibromyalgie weitgehend unbekannt sind, ist auch eine gezielte Behandlung schwierig. Als Behandlungskonzept wird deshalb fast immer eine symptomatische Schmerztherapie durchgeführt, die zwar nicht die Ursachen der Fibromyalgie beseitigt, aber den Betroffenen Erleichterung bringen soll. Diese Schmerztherapie kann sich aus einer medikamentösen Therapie, aus einer leichten Sporttherapie, aus Entspannungsverfahren wie autogenem Training und Meditation, Ganzkörper-Wärmeanwendungen, einer psychologischen Therapie und einer gezielten Ernährungsumstellung zusammensetzen.
In Deutschland gibt es noch keine Medikamente, die speziell zur Behandlung von Fibromyalgie entwickelt worden sind. Die Betroffenen erhalten deshalb Antidepressiva, die sehr viel geringer dosiert sein können als bei einer Behandlung von Depressionen, und Opioide zur Schmerzlinderung. In den USA ist zur Behandlung von Fibromyalgie des Antiepileptikum Pregabalin erhältlich. Leidet der Betroffene zusätzlich unter Muskelverspannungen, kann die zusätzliche Einnahme von Muskelrelaxantien sinnvoll sein.
Einige Betroffene verspüren durch Wärmeanwendungen Linderung, anderen helfen Kältetherapien (Kältekammer bis - 110 Grad). Bei Schwellungsgefühlen in den Armen und Beinen sollen Lymphdrainagen Erleichterung bringen. Außerdem nutzen viele Betroffene die Möglichkeiten der alternativen Medizin wie TCM, Akupunktur und Homöopathie.
Etwa 50 Prozent der Betroffenen profitieren von einer Ernährungsumstellung, die spezifische IgG vermittelte Nahrungsmittelallergien vermeidet.
Wie ist die Prognose einer Fibromyalgie?
Da die Behandlung einer Fibromyalgie immer eine symptomatische Behandlung, nicht aber eine kausale Behandlung ist, lässt sich auch über den Verlauf und die Prognose der Fibromyalgie wenig sagen. Wie stark die Schmerzen und die Begleitsymptome ausgeprägt sind, ist individuell verschieden. Ebenso sprechen die Betroffenen unterschiedlich auf die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten an. Deshalb lassen sich kaum Prognosen über den Verlauf der Fibromyalgie geben.
Wie kann man einer Fibromyalgie vorbeugen?
Da die Ursachen der Fibromyalgie nicht vollständig geklärt sind, ist auch eine gezielte Krankheitsvorbeugung schwierig. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass ein Zusammenhang zwischen schlechtem Nachtschlaf und der Entstehung einer Fibromyalgie bestehen kann. Fibromyalgie-Betroffene schlafen schlecht und wachen unerholt auf. Ebenso besteht der Verdacht, dass gestörter Nachtschlaf eine Fibromyalgie hervorrufen kann. Im Rahmen einer Fibromyalgie-Prophylaxe kann es deshalb sinnvoll sein, auf geruhsamen Schlaf mit ausreichender Muskelentspannung zu achten. Zusätzlich können Sport und körperliche Bewegung Muskelschmerzen vorbeugen und Stress abbauen.
Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie (BVO): Somatoforme Störungen/Fibromyalgie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 033/046 (Stand: 09.06.2005)
Online-Informationen der Deutschen Fibromyalgie-Vereinigung (DFV) e.V.: www.fibromyalgie-fms.de (Stand: 2006)
Masern im Jahr 2005 und Ausbrüche in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen in der ersten Hälfte des Jahres 2006. Epidemiologisches Bulletin Nr. 27/2006, Robert Koch-Institut, Berlin (07.07.2006)
Krause, Mario: IgG vermittelte Nahrungsmittelallergie als Auslöser von Fibromyalgie-Beschwerden und der Einfluss einer Eliminationsdiät. Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität München, 2005
Autor: Alexandra Heil
Letzte Änderung am: 18.05.2009
