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Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit des Mannes

 Sterilität beim Mann

Bei Sterilität leiden die Betroffenen häufig an Selbstzweifeln und Minderwertigkeitsgefühlen
(Quelle: DAK/Müller)

Wenn ein Mann trotz regelmäßigen und ungeschützten Geschlechtsverkehrs über zwei Jahre kein Kind zeugen konnte, spricht man von einer Sterilität des Mannes.

Die meisten Paare können innerhalb von acht bis zehn Monaten nach Absetzen aller Verhütungsmethoden eine Schwangerschaft herbeiführen. Auch dieser Zeitraum kann für einige Paare eine Geduldsprobe sein. Zehn bis 15 Prozent der Paare in Deutschland können sich ihren Kinderwunsch auch längerfristig nicht erfüllen, wobei die Ursachen nicht nur den Mann, sondern auch die Frau oder beide gleichzeitig betreffen können.

Ursachen der Sterilität des Mannes

Es gibt zahlreiche Ursachen, die eine Sterilität des Mannes hervorrufen können:

  • Anatomische Faktoren:
    Ein Beispiel ist der nicht rechtzeitig behandelte Hodenhochstand (Kryptorchismus). Die Hoden wandern in den meisten Fällen bereits beim Fötus, spätestens jedoch bis zum Ende des ersten Lebensjahrs aus dem Bauchraum in den Hodensack. Im Bauchraum oder der Leistenregion verbliebene Hoden sind einer höheren Temperatur ausgesetzt als im Hodensack. Dies kann die Bildung und Beweglichkeit der Spermien beeinträchtigen und nachhaltig stören. Auch krampfaderähnlich gestaute Venen im Bereich der Hoden (Varikozele) können zu Spermienproblemen führen und damit eine Unfruchtbarkeit begünstigen.

  • Hormonelle Ursachen:
    Spermien entwickeln sich unter dem Einfluss von Hormonen wie beispielsweise dem männlichen Sexualhormon Testosteron. Testosteronmangel führt zu einer verminderten Spermienanzahl in der Samenflüssigkeit. Auch das so genannte Prolaktinom, ein hormonproduzierender Tumor der Hirnanhangdrüse, kann eine Sterilität des Mannes verursachen.

  • Erbkrankheiten:
    Erbkrankheiten wie beispielsweise das Klinefelter-Syndrom gehen mit einer Unfruchtbarkeit des betroffenen Mannes einher.

  • Infektionen:
    Zu ihnen zählen unter anderem nach der Pubertät durchgemachte Mumps-Infektionen, die auch die Hoden angreifen und schädigen können. Bakterielle Infektionen beispielsweise durch Chlamydien können ebenso eine männliche Unfruchtbarkeit auslösen.

  • Nebenwirkungen von Therapien:
    Bestrahlung oder bestimmte Medikamente können die Entwicklung der Spermien meist zeitlich begrenzt beeinträchtigen. Im Rahmen von Operationen, beispielsweise bei der Behandlung eines Leistenbruchs, können versehentlich die Samenleiter durchtrennt werden.

  • Schädliche Einflüsse von außen:
    Stress, übermäßiges Rauchen, Alkohol, Drogen, Umweltgifte wie Pflanzenschutzmittel oder eine ständige Überwärmung des Hodens beispielsweise durch Sitzheizungen können die Fruchtbarkeit des Mannes ebenso herabsetzen.

  • In der Samenflüssigkeit vorliegende Antikörper gegen eigene Spermien

  • Retrograde Ejakulation:
    Bei der retrograden Ejakulation wird der Samenerguss nicht nach außen, sondern rückwärts über die Harnröhre in die Harnblase abgegeben. Diabetes mellitus beispielsweise kommt ursächlich in Frage.

  • Vorausgegangene Sterilisation (Vasektomie):
    Etwa fünf Prozent der Männer entwickeln nach stattgefundener Sterilisation wieder einen Kinderwunsch.

  • Idiopathische Sterilität:
    In etwa 15 Prozent kann keine Ursache für eine Sterilität des Paares gefunden werden.

Symptome einer Sterilität des Mannes

Bei der Sterilität eines Mannes liegt das hauptsächliche Problem darin, dass er keine Kinder zeugen kann. Ist der Kinderwunsch stark ausgeprägt, leiden die betroffenen Männer mit der Zeit häufig an Selbstzweifeln und Minderwertigkeitsgefühlen.

Weitere Symptome können abhängig von der zugrunde liegenden Ursache auftreten. Besteht beispielsweise bereits vor der Pubertät ein Mangel an männlichen Sexualhormonen, können veränderte Körperproportionen (eunuchoider Hochwuchs) auf den Mangel aufmerksam machen. Die betroffenen Männer sind sehr groß. Arme und Beine sind lang, der Rumpf verhältnismäßig kurz. Hoden und Penis bleiben klein, der Bart wächst nur spärlich. Darüber hinaus findet kein Stimmbruch statt. Entsteht der Mangel an männlichen Sexualhormonen erst nach der Pubertät, sind die Körperproportionen unauffällig. Die betroffenen Männer können sich aber in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt fühlen. Der Bartwuchs lässt nach, sodass sie sich nicht mehr so oft rasieren müssen wie gewöhnlich. Außerdem gehen Libido und Potenz zurück. Das Körperfett verteilt sich, ähnlich der weiblichen Körperfettverteilung, eher auf Hüften und Unterbauch.

Diagnose einer Sterilität des Mannes

Zunächst befragt der Arzt das betroffene Paar ausführlich zur Krankheitsgeschichte und den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Das Gespräch berührt dabei unter anderem sehr intime Themen wie mögliche Geschlechtskrankheiten oder die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs. Auch die Lebensumstände wie Stress und Lebensgewohnheiten wie Rauchen oder Alkoholkonsum werden mit einbezogen, um die Ursache einer Sterilität eingrenzen zu können.

Der Mann begibt sich im Weiteren meist in die Hände eines Urologen oder spezialisierten Internisten. Bei der körperlichen Untersuchung achtet der Arzt insbesondere auf Anzeichen hormoneller Störungen. Zusätzlich werden die Geschlechtsteile abgetastet. Die Größe (Volumen) der Hoden wird mithilfe einer Ultraschall-Untersuchung bestimmt. Zu kleine Hoden können eine gestörte Spermienentwicklung andeuten. Zusätzlich kann der Ultraschall beispielsweise Hinweise auf entzündliche Veränderungen, Hodentumoren oder eine Varikozele liefern.

Darüber hinaus wird ein so genanntes Spermiogramm angefertigt. Es handelt sich um eine Untersuchung der Samenflüssigkeit des Mannes. Die Spermiengewinnung erfolgt nach mehrtägiger Enthaltsamkeit durch Selbstbefriedigung. Es werden unter anderem Anzahl, Aussehen und Beweglichkeit der Spermien überprüft. Außerdem kann das Ejakulat auf eine Entzündung der Geschlechtsorgane oder Antikörper, die gegen eigene Spermien gerichtet sind, untersucht werden. Eine Gewebeentnahme aus dem Hoden kann abhängig vom Ergebnis des Spermiogramms erforderlich werden.

Besteht der Verdacht auf eine hormonelle Ursache der Sterilität, werden zusätzlich bestimmte Hormone wie Testosteron, FSH oder Prolaktin im Blut des betroffenen Mannes bestimmt. Unter Umständen sind auch weitergehende Untersuchungen beispielsweise mit dem MRT oder Chromosomenanalysen notwendig.

Therapie der Sterilität beim Mann

In einigen Fällen kann die Sterilität des Mannes ursächlich behandelt werden. Bei einem Testosteronmangel beispielsweise unterziehen sich die betroffenen Männer meist einer Therapie mit Testosteron. Je nach Ursache des Testosteronmangels kommen unter Umständen auch weitere Hormone zum Einsatz. Bakterielle Infektionen im Genitalbereich beispielsweise durch Chlamydien erfordern in der Regel Antibiotika. Liegen in der Samenflüssigkeit Antikörper gegen Spermien vor, profitieren einige Männer von Kortikosteroiden, die das körpereigene Immunsystem unterdrücken. Die retrograde Ejakulation bei vorliegendem Diabetes mellitus kann mit so genannten Sympathikomimetika behandelt werden. Sie sorgen für einen festeren Verschluss des Harnblasenausgangs, sodass das Ejakulat nicht mehr in die Harnblase, sondern wieder nach außen abfließen kann. Entsteht nach einer Sterilisation überraschend wieder ein Kinderwunsch, gibt es die Möglichkeit, die ursprünglich durchtrennten Samenleiter mikrochirurgisch wieder zu verbinden.

Lässt sich die Sterilität des Mannes nicht ursächlich behandeln, stehen verschiedene Verfahren der künstlichen Befruchtung zur Verfügung, um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen. Bei der so genannten Insemination (Samenübertragung) werden durch Masturbation gewonnene Spermien speziell aufbereitet und direkt in Gebärmutter oder Eileiter übertragen. So wird beispielsweise eingeschränkt beweglichen Spermien der Weg zur Eizelle weitestgehend erspart. Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) werden der Frau Eizellen entnommen und außerhalb des Körpers mit Spermien des Partners zusammengeführt. Wurden die Eizellen befruchtet, setzt sie der Arzt in die Gebärmutter ein. Die intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion (ICSI) benötigt nur ein einzelnes Spermium, welches mit einer winzigen Nadel direkt in eine entnommene Eizelle eingespritzt wird. Die befruchtete Eizelle wird schließlich wie bei der IVF in die Gebärmutter eingebracht. Enthält die Samenflüssigkeit des Mannes beispielsweise bei verschlossenen Samenleitern keine Spermien (Azoospermie), gibt es die Möglichkeit, sie direkt aus dem Hoden oder Nebenhoden über einen kleinen Eingriff in örtlicher Betäubung zu entnehmen.

Verlauf einer Sterilität des Mannes

Bei länger anhaltender Sterilität des Mannes nehmen die Chancen mehr und mehr ab, sie erfolgreich behandeln zu können. Nach Ablauf von zwölf Monaten sollte das Paar daher bereits den Rat eines Arztes einholen.

Nach einer Sterilitätsbehandlung tritt in bis zu 20 Prozent eine Schwangerschaft ein. Da es allerdings nach einer Sterilitätsbehandlung vermehrt zu Fehl- und Frühgeburten kommen kann, können sich nur etwa zehn Prozent der Paare so glücklich schätzen, letztendlich auch Eltern zu werden. Mehrlingsschwangerschaften kommen nach Sterilitätsbehandlungen häufiger vor.

Nach einer Sterilisation können die Samenleiter in etwa 85 Prozent wieder erfolgreich verbunden werden. In gut 45 Prozent der Fälle gelingt es dem Mann im Anschluss, ein Kind zu zeugen.

Männer mit Zeugungsproblemen entwickeln in etwa 0,5 Prozent der Fälle Hodentumoren. Der Ultraschall-Untersuchung kommt daher eine besondere Bedeutung zu.

Kann einer Sterilität des Mannes vorgebeugt werden?

Angeborenen Ursachen einer Sterilität des Mannes kann nicht vorgebeugt. Ansonsten kann das Paar durch eine gesunde Lebensweise ohne übermäßiges Rauchen, Alkohol, Drogen oder Stress und durch eine vertrauensvolle Partnerschaft das Risiko einer Sterilität mindern. Eine Sterilisation sollte der Mann im Vorfeld immer gut durchdenken. Vor sexuell übertragbaren Erkrankungen wie Chlamydien-Infektionen, die zu einer Unfruchtbarkeit führen können, kann sich der Mann durch Kondome schützen.

Quellen
Jocham, D., Miller, K.: Praxis der Urologie Band II. Thieme Verlag, Stuttgart 2007
Nieschlag, E., Behre, H.M.: Andrologie. Springer Verlag, Berlin 2000 Frauenärzte im Netz: http://www.frauenaerzte-im-netz.de (Stand 2008)

 

Autor: Miriam Funk 
Letzte Änderung am: 11.06.2013
 
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