Frühkindliche Reflexe
Frühkindliche Reflexe helfen dem Baby, sich in den ersten Lebensmonaten zurechtzufinden
(Foto: DAK/Wigger)
Frühkindliche Reflexe sind normale körperliche Reaktionen des Babys auf äußerliche Reize. Alle Menschen haben Reflexe: Bei bestimmten inneren und äußeren Reizen "antwortet" der Körper mit bestimmten Bewegungen. Babys in den ersten Lebensmonaten verfügen darüber hinaus über eine Reihe weiterer Reaktionen, die frühkindlichen Reflexe, die mit zunehmender Reife nach und nach verschwinden.
Was ist der Grund für frühkindliche Reflexe?
Welches sind die wichtigsten frühkindlichen Reflexe?
Was ist der Grund für frühkindliche Reflexe?
Diese speziellen Reflexe sind eigentlich lebenswichtige Reaktionen des Babys: So dreht es beispielsweise den Kopf auf die Seite, wenn es mit dem Gesicht nach unten abgelegt wird - und kann so weiter unbehindert atmen.
Viele frühkindliche Reflexe haben mittlerweile ihre lebenswichtige Bedeutung verloren. Sie sind heute eher wichtiger Bestandteil der kindlichen Vorsorgeuntersuchungen; unter anderem lässt sich bei den Reflexuntersuchungen feststellen, ob neurologische Störungen vorliegen und die körperliche Entwicklung des Babys normal voranschreitet.
Welches sind die wichtigsten frühkindlichen Reflexe?
Die hier vorgestellten frühkindlichen Reflexe gehören zu den ausgeprägten Reflexen und treten bei jedem Baby kurz nach der Geburt und in den ersten Lebensmonaten auf:
- Saugreflex
- Suchreflex
- Schreckreflex oder Moro-Reflex
- Greif- oder Klammerreflex
- Schreitphänomen
- Rückgratreflex
Der Saugreflex - ein lebensnotwendiger frühkindlicher Reflex
Wenn man die Lippen des Babys mit den Fingern berührt, spitzt es den Mund und beginnt reflexartig mit Saugbewegungen. Wozu dieser Reflex dient, ist eindeutig: Er soll dafür sorgen, dass das Baby in der Lage ist, Nahrung (Muttermilch) aufzunehmen. Beim Stillen kann man das gut beobachten: Sobald der Mund mit der Brustwarze der Mutter in Berührung kommt, öffnet das Baby den Mund, nimmt die Brustwarze auf, hält sie mit Ober- und Unterkiefer fest und beginnt zu saugen.
Der Suchreflex - dem Geruch nach
Auch der Suchreflex ist ein lebensnotwendiger frühkindlicher Reflex. So beginnt das Baby, mit dem Mund nach der Brust der Mutter zu "suchen", wenn man seine Wange leicht berührt oder streichelt. Allerdings kommt es nur zum Suchreflex, wenn das Baby hungrig ist - eine solche Reaktion kann also auch ein Zeichen für die Mutter sein, dass das Baby Hunger hat und gestillt werden oder das Fläschchen haben will.
Dabei orientiert sich das Baby nach dem Geruch der mütterlichen Brust, es kann schon nach einigen Lebenstagen die Brust der eigenen Mutter von der fremder Frauen unterscheiden. Bis etwa zum dritten Lebensmonat ist der Suchreflex nötig, danach kann das Baby die Brust visuell wahrnehmen und erkennen.
Der Schreck- oder Moro-Reflex - eine uralte Reaktion
Wenn ein Baby zu schnell nach hinten gelegt wird, hat es das Gefühl, zu fallen. In diesem Moment tritt der Schreckreflex auf: Das Baby streckt plötzlich beide Arme und Beine aus; es scheint, als sei es "erschrocken". Sofort danach zieht es alle Gliedmaßen wieder an sich und nimmt eine Klammerhaltung an.
Dieser frühkindliche Reflex wird mit der Evolutionsgeschichte des Menschen erklärt. Bei Menschenaffen kann man dieses Phänomen gut erklären: Das Menschenaffenjunge klammert sich an den Bauch der Mutter. Die Mutter macht im Laufe des Tages eine Vielzahl von Bewegungen, bei denen das Junge auch mit dem Rücken nach hinten "fällt". Durch den Schreckreflex kann es sich fester an das Fell der Mutter klammern und fällt nicht herunter.
Der Greif- oder Klammerreflex - gut festhalten
Berührt man mit dem Finger die Handinnenflächen des Babys, greifen die kleinen Finger sofort zu. Das Gleiche gilt für die Fußsohlen: Sie beugen sich automatisch, sobald man sie berührt. Auch der Grund dieses frühkindlichen Reflexes wird bei der Beobachtung von Menschenaffen deutlich - das Menschenaffenjunge hält sich durch das Greifen im Fell der Mutter fest.
Auch das menschliche Baby will getragen werden, deshalb ist der Greif- und Klammereffekt noch immer intakt, zumindest in den ersten drei Lebensmonaten, danach lässt er langsam nach.
Das Schreitphänomen - der Wille zum Gehen
Hält man das Baby aufrecht fest und stellt es auf oder berührt leicht die Fußsohlen, führt es Geh- oder Schreitbewegungen aus. Liegt es dabei auf dem Bauch, beginnt das Baby zu kriechen - ein eindeutiger Hinweis auf den aufrechten Gang des Menschen.
Der Rückgrat- oder Galant-Reflex - durch den Geburtskanal
Bis zu sechs Monate nach der Geburt verfügen Babys noch über den Rückgratreflex. Streicht man seitlich an der Wirbelsäule entlang, biegt sich der Rücken des Babys in Richtung der bestrichenen Seite der Wirbelsäule. Man vermutet, dass dieser frühkindliche Reflex seine Ursache in der Geburt hat: Das Baby soll sich bei der Geburt durch den Geburtskanal und das Becken der Mutter hin- und herschieben und krümmen können.
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Quellen:
Compact Verlag: Das neue große Babybuch. Compact, München 2006
Largo, R. H.: Babyjahre. Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren. Piper, München 2007
Riecke-Niklewski, R., Brüser, E.: Was will mein Baby sagen? Signale verstehen. Richtig reagieren. Behutsam fördern. Knaur, München 2008
Autor: Karin Wunder
Letzte Änderung am: 25.05.2009
