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Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Bereits Kinder können gegen FSME geimpft werden

Der FSME-Erkrankung kann durch eine Schutzimpfung vorgebeugt werden
(Quelle: Bananastock)

Unter der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) versteht man eine Entzündung der Hirnhäute (Meningen) und des Gehirns (Encephalus), die gehäuft im Frühsommer auftritt. Die Erreger der FSME werden durch Zecken übertragen, daher tritt die Krankheit gehäuft dort auf, wo viele infizierte Zecken vorkommen. In Deutschland betrifft dies vor allem Waldgebiete in Bayern, Baden-Württemberg und Südhessen. Außerdem tritt die FSME in Süd- und Osteuropa, Russland und Asien auf. Jedes Jahr wird die "FSME-Landkarte" aktualisiert, auf der verzeichnet ist, wie viele FSME-Fälle in den verschiedenen Gebieten Deutschlands und der übrigen "FSME-Länder" aufgetreten sind.

Die Häufigkeit der FSME ist zunehmend, das Verbreitungsgebiet der infizierten Zecken dehnt sich aus. Das Risiko, in einem FSME-Risikogebiet nach einem Zeckenstich an FSME zu erkranken, liegt schätzungsweise zwischen circa 1:10.000 und 1:300, abhängig vom Grad der Durchseuchung der Zecken mit dem FSME-Virus.

Die Erkrankung an FSME ist meldepflichtig. Im Jahr 2005 wurden 432 Erkrankungen an die Gesundheitsämter gemeldet, im Jahr 2006 547 Neuerkrankungen. 65 Prozent der an FSME Erkrankten sind männlich. Der erste Altersgipfel liegt bei Kindern zwischen fünf und 14 Jahren, ein zweiter zwischen 40 und 70 Jahren.

Wie wird FSME verursacht?

Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis wird durch das FSME-Virus verursacht, das durch infizierte Zecken der Gattung Ixodes ricinus auf den Menschen übertragen wird. Erfolgt der Stich einer Zecke, kann über ihren Speichel der Erreger in das menschliche Blut gelangen, sodass etwa 30 Prozent der Gestochenen in der Folge an FSME erkranken. Je nach geographischem Gebiet ist eine unterschiedliche Anzahl der Zecken mit dem FSME-Virus infiziert, dementsprechend ist das Erkrankungsrisiko sehr unterschiedlich.

Vom Stich der Zecke bis zum Auftreten der ersten Symptome vergehen etwa sieben bis 15 Tage (Inkubationszeit).

Wie äußert sich eine FSME-Erkrankung?

Die erste Phase der FSME-Erkrankung ähnelt einer Grippe - es kommt zu unspezifischen Beschwerden wie Fieber und Kopfschmerzen. Auch Atemwegsbeschwerden, Übelkeit und Durchfall können auftreten. Typischerweise erfolgt nach der ersten Erkrankungsphase zunächst eine Besserung, die etwa eine Woche anhält.

In etwa siebzig Prozent der Fälle kommt es zum typischen Krankheitsverlauf mit einer zweiten Phase. Diese ist geprägt durch die typischen Symptome des erkrankten Zentralen Nervensystems (ZNS). Es kommt zu schweren Krankheitserscheinungen mit hohem Fieber, starkem Erbrechen, Übelkeit und Muskelschmerzen. Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis) und der Hirnhäute (Meningitis) treten einzeln oder kombiniert auf. Auch die Entzündung des Rückenmarks (Myelitis) ist möglich.

Es kommt zu Bewusstseinsstörungen, Koordinationsstörungen sowie Lähmungen an den Gliedmaßen und im Gesicht. Bei der Rückenmarksentzündung zeigen sich ebenfalls Lähmungen der Arme und Beine, Schluck- und Sprechstörungen, Lähmungen der Gesichts- und Halsmuskulatur sowie Atemlähmungen.

Wie wird FSME diagnostiziert?

Die Diagnose einer FSME wird vor allem anhand der klinischen Symptomatik und der gründlichen Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) gestellt. Vor allem der Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiet sollte dabei erwähnt werden. In vielen Fällen kann sich der Betroffene nicht an den Zeckenstich erinnern.

Durch eine Blutentnahme können Antikörper gegen das FSME-Virus nachgewiesen werden. In der ersten Krankheitsphase sind die Antikörper oftmals noch nicht nachweisbar, steigen jedoch zu Beginn der zweiten Phase rasch an.

Auch in der Nervenflüssigkeit (Liquor), die aus dem Rückenmarkskanal in der Wirbelsäule entnommen werden kann, ist der Nachweis von FSME-Antikörpern möglich. Nur selten kommt eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und der Hirnhäute zum Einsatz.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Eine spezifische Therapie für die FSME gibt es nicht; die unterstützenden Maßnahmen richten sich nach den auftretenden Symptomen. Bei schweren Verläufen ist eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich. Bei Auftreten von ZNS-Komplikationen ist häufig eine aufwändige Rehabilitation notwendig.

Wie verläuft eine FSME-Erkrankung?

Der typische Verlauf der FSME-Erkrankung verläuft in zwei Phasen, wobei die erste durch unspezifische Symptome gekennzeichnet ist, die zweite dagegen durch Symptome des Zentralen Nervensystems.

Kinder mit FSME zeigen in 65 Prozent der Fälle eine isolierte Entzündung der Hirnhäute (Meningitis), Erwachsene dagegen nur in 48 Prozent. Auch wird bei Erwachsenen deutlich häufiger ein schwerwiegender Krankheitsverlauf beobachtet als bei Kindern (Erwachsene 50 Prozent, Kinder 25 Prozent). Während bei erkrankten Kindern bleibende Schäden nur in Einzelfällen beschrieben werden, kommt es bei Erwachsenen in 30 bis 40 Prozent zu länger anhaltenden oder sogar dauerhaften Komplikationen. Häufig sind mehrere Monate andauernde Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen, verminderte Stresstoleranz, Sprech- und Gleichgewichtsstörungen. Auch Lähmungen können als Folge der FSME bestehen bleiben. In einem Prozent der Fälle verläuft die FSME-Erkrankung tödlich.

Kann man einer FSME-Erkrankung vorbeugen?

Der FSME-Erkrankung kann durch eine Schutzimpfung vorgebeugt werden. Die Grundimpfung besteht aus drei Impfungen und ist für Kinder und Erwachsene erhältlich.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die FSME-Impfung für alle Personen, die in FSME-Risikogebieten Zecken ausgesetzt sind sowie Personen, die durch FSME beruflich gefährdet sind (beispielsweise Forstarbeiter). Erfolgt ein Aufenthalt innerhalb eines FSME-Risikogebiets innerhalb von Deutschland, werden die Kosten der Impfung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Zum Teil können Zeckenstiche durch Schutzmaßnahmen wie das Tragen von heller, geschlossener Kleidung, das Vermeiden von Unterholz und hohen Gräsern und Verbleiben auf festen Wegen verhindert werden. Zeckensprays schützen nur über einige Stunden. Nach dem möglichen Kontakt mit Zecken sollte der Körper gründlich abgesucht werden. Die Zecke sollte so kurze Zeit wie möglich nach dem Stich vollständig und schonend mit einer spitzen Pinzette entfernt werden.


Wenn Sie weitere Fragen zum Thema FSME haben, können Sie diese in der Hausarzt-Expertenrat stellen.

Quellen:
RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: 04.04.2008)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/035 (Stand: Oktober 2005)

 

Autor: Dr. med. Ulrike Henning 
Letzte Änderung am: 26.08.2013
 
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