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Gebärmuttersenkung

Gezieltes Training kann einer Gebärmuttersenkung vorbeugen

Gezieltes Training kann einer Gebärmuttersenkung vorbeugen
(Quelle: DAK/Hanuschke+Schneider)

Unter einer Gebärmuttersenkung (Descensus uteri) versteht man das Tiefertreten der Gebärmutter im kleinen Becken der Frau. Durch die anatomische Veränderung kann auch die Scheide absinken (Descensus vaginae).

Die Gebärmuttersenkung wird in drei Schwergrade eingeteilt: Grad I bezeichnet eine Senkung, die nicht bis zum Scheidengang reicht. Die Gebärmuttersenkung zweiten Grades reicht bis zum Scheideneingang, die dritten Grades reicht über den Scheideneingang hinaus.


Wie entsteht eine Gebärmuttersenkung?

Die Gebärmutter wird durch Bänder und Muskeln in ihrer Lage im kleinen Becken gehalten. Eine Schwäche dieses Stütz- und Halteapparats kann dazu führen, dass Gebärmutter und Scheide absinken. Vor allem durch Schwangerschaften und Geburten werden die Muskeln des trichterartig aufgebauten Beckenbodens stark beansprucht. Jedoch können auch Frauen, die keine Schwangerschaften erlebt haben, eine Schwäche des Beckenbodens entwickeln. Beispielsweise gelten schwaches Bindegewebe, Übergewicht und starke körperliche Belastungen als fördernde Faktoren für eine Gebärmuttersenkung.


Wie äußert sich die Gebärmuttersenkung?

Durch die tiefere Lage im kleinen Becken kann es bei der Gebärmuttersenkung zu ziehenden Schmerzen, Druck- und Fremdkörpergefühl im Bauchraum kommen. Da die Gebärmutter auf die Harnblase drückt, entstehen Beschwerden beim Wasserlassen. Ein ungewollter Abgang von Urin vor allem beim Niesen oder Lachen (Stressinkontinenz) kommt häufig vor. Wird die Harnröhre durch die Gebärmutter abgeknickt, kann die Harnblase häufig nicht vollständig entleert werden. Die Betroffenen suchen häufig die Toilette auf, die Blase wird jedoch nicht ganz leer. In manchen Fällen kommt es sogar zum Harnverhalt. Drückt die Gebärmutter auf den Enddarm, kann es zu Beschwerden beim Stuhlgang kommen.


Wie wird die Gebärmuttersenkung diagnostiziert?

Der Verdacht auf eine Gebärmuttersenkung ergibt sich durch die gründliche Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese). Die Diagnose kann durch die Untersuchung beim Frauenarzt bestätigt werden. Hier erfolgt in erster Linie die gynäkologische Untersuchung, die in manchen Fällen durch eine Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) ergänzt werden kann.


Wie behandelt man die Gebärmuttersenkung?

Nicht in allen Fällen ist die Behandlung der Gebärmuttersenkung notwendig. Wichtig sind die Ausprägung der Symptome und in erster Linie der Leidensdruck der Betroffenen. Durch Beckenbodentraining wird die Muskulatur des Beckenbodens gezielt gestärkt, Beschwerden wie eine Inkontinenz können dadurch deutlich verbessert werden. Bei einigen Frauen kann ein so genanntes Pessar eingesetzt werden. Hierbei handelt es sich meist um einen Kunststoffring, der in die Scheide eingeführt wird und die Gebärmutter an ihren ursprünglichen Platz schiebt und dort hält. Frauen, die ein Pessar tragen, müssen regelmäßig vom Frauenarzt untersucht werden, um die richtige Lage zu gewährleisten und Entzündungen sowie Druckstellen der Scheide zu vermeiden. Bei stark ausgeprägten Symptomen können die ursprünglichen anatomischen Verhältnisse durch eine Operation wieder hergestellt werden. Hierfür werden unterschiedliche operative Verfahren eingesetzt. Meist erfolgt die Operation ohne Bauchschnitt über die Scheide. In schweren Fällen wird die Gebärmutter operativ entfernt.


Wie verläuft die Gebärmuttersenkung?

In vielen Fällen verursacht die Gebärmuttersenkung nur leichte Beschwerden. Schreitet sie jedoch fort, kann es zu großem Leidensdruck kommen.

Durch die geänderten anatomischen Verhältnisse kann es zur Aussackung der vorderen oder hinteren Scheidewand kommen. Hierdurch wölben sich die Blase oder der Darm vor (Cysto- oder Rectocele), wodurch starker Druck auf die Harnblase oder den Darm ausgeübt wird. Als Folge kann eine Harn- oder Stuhlinkontinenz entstehen.

In wenigen Fällen geht die Gebärmuttersenkung im Lauf der Zeit in einen kompletten Vorfall (Prolaps) der Gebärmutter über. In diesen Fällen ragt die Gebärmutter aus der Scheide heraus und kann nicht dauerhaft an ihrem eigentlichen Platz gehalten werden.


Wie kann man vorbeugen?

Eine vorbeugende Maßnahme gegen die Gebärmuttersenkung insbesondere nach Schwangerschaft und Geburt ist die gezielte Stärkung der Beckenboden-Muskulatur.


Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen an die Experten in unserer Frauenarzt-Expertenrat.


Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU): Descensus genitalis. AWMF-Leitlinienregister Nr. 015/006 (Stand: Juni 2008)
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2004

 

Autor: Dr. med. Ulrike Henning 
Letzte Änderung am: 12.03.2014
 
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