Tipp

Arterielle Gefäßerkrankungen

 Durch körperliche Aktivitäten lassen sich arterielle Gefäßerkrankungen vorbeugen

Durch körperliche Aktivitäten lassen sich arterielle Gefäßerkrankungen vorbeugen
(Quelle: AOK-Mediendienst)

Arterielle Gefaßerkrankungen können grundsätzlich alle Abschnitte des Körpers betreffen, sowohl die Gefäße des großen Kreislaufs (Körperkreislauf) als auch die des kleinen Kreislaufs (Lungenkreislauf), wobei Gefäßerkrankungen des Körperkreislaufs wesentlich häufiger auftreten. Im Hinblick auf Ernsthaftigkeit und Gefahrenpotenzial sowie Häufigkeit stehen die arteriellen Gefäßerkrankungen bei den verschiedenen Gefäßerkrankungen an erster Stelle. Da es bisher nur wenige epidemiologische Daten zur Häufigkeit von arteriellen Geäßerkrankungen gibt, ist es nicht möglich eine genaue Erkrankungszahl zu nennen. In Deutschland werden jedoch jährlich circa 28.000 Beinamputationen vorgenommen, wovon 80 Prozent auf arterielle Erkrankungen zurückzuführen sind.


Ursachen für arterielle Gefäßerkrankungen

Die Ursachen für arterielle Gefäßerkrankungen sind vielfältig. Manche Menschen haben eine erbliche Belastung (genetische Disposition), eine Gefäßerkrankung zu entwickeln. Die Vererbung spielt vor allem im Hinblick auf Bluthochdruck und Störungen des Fettstoffwechsels eine Rolle. Diese Erkrankungen führen zu arteriellen Erkrankungen, da sich Stoffe in den Arterien ablagern und diese sozusagen "verkalken" (Arteriosklerose).

Bei anderen Betroffenen wiederum sind die Ursachen im Lebensstil zu finden (Rauchen, schlechte Ernährung, mangelnde Bewegung). Rauchen führt beispielsweise zur Bildung von freien Radikalen und schädigt somit die Gefäßwände. Bewegungsmangel ist deshalb ein Risikofaktor, da zu wenig Bewegung zu fehlenden Reizen im Hinblick auf Gefäßqualität, -erhalt und -neubildung führt. Nach neuen Erkenntnissen könnten auch die Fettleibigkeit (Adipositas) und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) eine Rolle einnehmen. Die ganz erhebliche Beeinflussbarkeit beider Faktoren durch die Lebensweise ist jedoch unbestritten.


Symptome von arteriellen Gefäßerkrankungen

Die Symptome von arteriellen Gefäßerkrankungen sind je nach vorliegender Krankheit unterschiedlich. Arterien transportieren das Blut vom Herzen weg in die verschiedenen Körperbereiche. Wenn sie erkranken, werden die von der betroffenen Arterie versorgten Gewebebereiche unzureichend durchblutet. Dadurch kommt es zu Unterversorgung in den betroffenen Gebieten, welche zu einer Minderfunktion bis hin zum Absterben des Gewebes führen kann. Dennoch können arterielle Gefäßerkrankungen jahre- oder sogar jahrzehntelang ohne Symptome verlaufen. Die Art der Beschwerden hängt dann von dem Gebiet, in dem Arterien betroffen sind und dem Ausmaß der Veränderung ab:

  • Erkrankung der Herzarterien: Die Arterien, die den Herzmuskel versorgen, nennt man auch Koronararterien. Bei einer Erkrankung dieser Gefäße spricht man von einer Koronaren Herzerkrankung. Dabei kommt es zu einer Minderdurchblutung des Herzens, welcher sich als Schmerz in der Herz- oder Armgegend äußert und als Angina pectoris bezeichnet wird.
  • Erkrankung der Hirnarterien: Die Arterien, die das Hirn versorgen, können ebenfalls betroffen sein. Die Folge ist eine Minderdurchblutung, die im schlimmsten Fall zum Durchblutungsstopp und somit zum Schlaganfall führt. Dieser kann sich durch plötzlich einsetzende Lähmung, Schwäche oder Empfindungsstörung, Seh- und Sprachstörungen und plötzlichen Schwindel äußern.
  • Durchblutungsstörungen der Nieren: Wenn die Arterien, welche die Nieren versorgen, betroffen sind, kommt es aufgrund der Funktionseinbußen der Nieren zu einer Blutdruckerhöhung.
  • Durchblutungsstörungen der Beine: Arterielle Gefäßerkrankungen im Bereich der Beine sind ein sehr häufiges Krankheitsbild, welches als periphere arterielle Verschlusskrankheit bezeichnet wird (PAVK). Typische Symptome sind ein belastungsabhängiger Schmerz, schnelle Ermüdbarkeit und je nach Ausmaß der Erkrankung das Absterben des betroffenen Gewebes.

Prinzipiell können alle Bereiche, wie auch der Hals, die Augen, die Ohren, die Knochen und alle anderen Organe von einer arteriellen Gefäßerkrankung betroffen sein. Im Hinblick auf Häufigkeit und Bedeutung stehen jedoch Herz, Gehirn, Niere und Beine im Vordergrund.


Diagnose der arteriellen Gefäßerkrankungen

Bei der Diagnose der arteriellen Gefäßerkrankungen gibt die Krankengeschichte (Anamnese) erste Hinweise auf die Erkrankung. Eine Laboruntersuchung kann erhöhte Cholesterinwerte oder einen Diabetes mellitus nachweisen. Zusätzlich können Verengungen von Blutgefäßen mittels Kontrastmitteln und Röntgenstrahlen (Angiographie, Herzkatheter) oder Ultraschall (Dopplersonographie) dargestellt werden. Außerdem kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden.


Therapie von arteriellen Gefäßerkrankungen

Die Therapie von arteriellen Gefäßerkrankungen richtet sich nach der jeweiligen Krankheit. Bislang sind keine Wirkstoffe bekannt, welche die Veränderungen in den Arterien bei den arteriellen Gefäßerkrankungen wieder rückgängig machen können. Sind die Gefäße einmal unelastisch und verkalkt, kann nur noch ein weiteres Fortschreiten gestoppt werden. Die Risikofaktoren können durch eine Änderung der Lebensweise oder Medikamente beeinflusst werden.


Verlauf von arteriellen Gefäßerkrankungen

Arterielle Gefäßerkrankungen sind chronische Erkrankungen, die ohne Behandlung voranschreiten. Deshalb ist vorbeugen Äußerst wichtig. Werden die Risikofaktoren, auf die man Einfluss nehmen kann, konsequent ausgeschaltet bzw. vermieden, gelten frühe arteriosklerotische Veränderungen als rückbildungsfahig. Sind die arteriellen Gefäßerkrankungen bereits weiter fortgeschritten, lässt sich durch konsequente Behandlung nur noch ein weiteres Fortschreiten vermeiden. Grundsätzlich hängt der Verlauf bei den arteriellen Gefäßrkrankungen von der Lokalisation, dem Ausmaß und den Komplikationen ab. So liegt beispielsweise die Sterblichkeit nach einem Schlaganfall aufgrund einer arteriellen Gefäßerkrankung bei circa 20 Prozent, beim Reißen des Gefäßes sogar bei 50 Prozent.


Vorbeugen vor arteriellen Gefäßerkrankungen: Risikofaktoren vermeiden

Da sich die Risiken für arterielle Gefäßerkrankungen zum Großteil auf den Lebensstil zurückführen lassen, können sie von den Betroffenen selbst beeinflusst werden. Dabei ist es wichtig, bereits bei Kindern und Jugendlichen gesunde Lebensgewohnheiten zu etablieren.

Doch auch Erwachsene, die wegen vorhandener Risikofaktoren zur Risikogruppe zählen, können noch handeln. Folgende Punkte sollten besonders beachtet werden:

  • ausgewogene Ernährung
  • angemessene körperliche Aktivitäten (Ausdauersportarten, wie Radfahren, Joggen)
  • vermeiden von Übergewicht bzw. Gewichtsreduktion
  • der Verzicht auf Rauchen
  • regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen

Besonders Menschen mit bestehenden arteriellen Erkrankungen oder familiärer Vorbelastung sollten regelmäßige ärztliche Kontrollen durchführen lassen. Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen haben ab dem Alter von 35 Jahren im zweijährigen Turnus Anspruch auf eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung. Ziel dieser Untersuchungen ist es, häufig auftretende Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Denn wenn die arterielle Gefäßerkrankungen oder deren Risikofaktoren beizeiten erkannt werden, kann der behandelnde Arzt rechtzeitig weitere Untersuchungen oder Behandlungen veranlassen. So lassen sich schädliche Folgen für die eigene Gesundheit abwenden oder verringern.


Sie haben noch weitere Fragen zu dem Thema arterielle Gefäßerkrankungen? Dann wenden Sie sich an unsere Expertenrat.

Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen in unserem Wartezimmer "Selbsthilfeforum Herz und Kreislauf" aus.



Leiden Sie auch an einer Gefäßerkrankung? Auf www.patienten-erfahrungen.de - Ihrem Erfahrungsaustausch im Internet können Sie sich mit anderen Betroffenen und Angehörigen austauschen.

Quelle:
Hossmann, V. et al..: Gesunde Gefäße. Prävention und Heilung von Gefäßerkrankungen. Honos Verlag, 2005

 

Autor: Jessica Schmid 
Letzte Änderung am: 11.12.2008
 
Tipp