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Gicht (Hyperurikämie)

Schmerzhafte Gichtanfälle können Finger und Handgelenke betreffen

Schmerzhafte Gichtanfälle können Finger und Handgelenke betreffen
(Quelle: Maren Beßler / PIXELIO)

Gicht ist eine Stoffwechselkrankheit, der ein erhöhter Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) zugrunde liegt. Obwohl die Hauptmerkmale manifest hohe Harnsäurewerte sind, erkrankt man bei bestehender Hyperurikämie nicht automatisch an Gicht.

Erhöhte Harnsäurewerte kommen relativ häufig vor: Man schätzt, dass in Wohlstandsgebieten etwa 15 Prozent aller Erwachsenen eine Hyperurikämie entwickelt haben. Gicht entsteht bei etwa einem bis zwei Prozent der Betroffenen, wobei überwiegend Männer betroffen sind. Bei Frauen kommt Gicht eher selten vor; hauptsächlich nach den Wechseljahren.


Wie entsteht Gicht?

Dauerhaft erhöhte Harnsäurewerte verursachen Gicht. Harnsäure entsteht als Abbauprodukt von Purinen. Purine sind natürlicherweise im Körper vorkommende Zellbestandteile, sie können aber auch über die Nahrung von außen zugeführt werden. Der Purinanteil ist in Fleisch, vor allem in Innereien, besonders hoch. Wenn der Körper nicht genügend Harnsäure abbauen kann oder in eher seltenen Fällen zu viel Harnsäure produziert, steigt ihr Anteil im Blut.

Nach ihrer Ursache wird Gicht in zwei Formen eingeteilt.

Primäre Gicht

Die primäre Gicht ist multifaktoriell bedingt, das heißt, mehrere Ursachen kommen für ihre Entwicklung infrage. Eine angeborene Neigung zu Gicht wird von äußeren Faktoren zusätzlich begünstigt. Kommen dann noch Risikofaktoren wie vermehrter Fleischkonsum (vor allem Innereien) oder der Verzehr anderer purinreicher Lebensmittel wie Hülsenfrüchte hinzu, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass Gicht entsteht.

Sekundäre Gicht

Die sekundäre Gicht entsteht aufgrund anderer Erkrankungen. Dies sind insbesondere:

  • Hämoblastose (Krebserkrankungen des blutbildenden Systems, z.B. Lymphome)
  • vermehrte Strahlenbelastung oder die Einnahme von Zellgiften wie Zyostatika bei einer Chemotherapie
  • Nierenkrankheiten
  • erhöhter Milchsäurespiegel im Blut (Laktazidose)
  • Alkoholmissbrauch
  • Fastenkuren
  • Ketoazidose, beispielsweise ausgelöst durch Diabetes mellitus

Welche Symptome treten bei Gicht auf?

Die Symptome von Gicht ändern sich im Verlauf der Erkrankung. Für ihre Beschreibung richtet man sich nach den jeweiligen Phasen.

1. Phase: Asymptomatisches Stadium

In dieser Phase sammelt sich bereits vermehrt Harnsäure im Blut an. Diese Hyperurikämie verläuft in der Regel symptomlos.

2. Phase: Erstmanifestation

Mit dieser Phase beginnen die typischen Beschwerden der Gicht. Es kommt zum akuten Gichtanfall. Der akute Gichtanfall kann im Laufe der Erkrankung immer wieder vorkommen. Sein Auftreten ist aber nicht nur abhängig von der Höhe des Harnsäurespiegels: Zwar erzeugen starke Erhöhungen der Harnsäurekonzentration häufig einen akuten Anfall von Gicht, dieser wird aber meist begleitet von einer starken Schwankung, wie sie etwa nach übermäßigem Alkoholgenuss eintritt.

Der akute Gichtanfall äußert sich in plötzlich auftretenden Gelenkschmerzen, die von einer Schwellung und Rötung des Gelenks begleitet werden. Häufig ist die betroffene Stelle auch sehr warm. In den meisten Fällen manifestieren sich die Gelenkschmerzen am Großzehengelenk, aber auch Finger- und Hand- sowie Kniegelenke können von einem akuten Gichtanfall betroffen sein. Zusätzlich können Fieber, Kopfschmerzen und eine gesteigerte Herzfrequenz auftreten. Die Symptome klingen nach einigen Tagen wieder von alleine ab und hinterlassen am vormals schmerzenden Gelenk lediglich Hautschuppen und -jucken.

3. Phase: Interkritisches Stadium

Auf den ersten akuten Gichtanfall folgt das interkritische Stadium. In dieser Zeit treten keine Symptome der Gicht auf. Diese Phase kann mehrere Monate bis einige Jahre anhalten.

4. Phase: Chronische Gicht

Die chronische Gicht ist heute nur noch selten anzutreffen. Sie entwickelt sich, wenn die Gicht über einen langen Zeitraum nicht behandelt wird. Charakteristisch für einen chronischen Verlauf sind ständige Gelenkschmerzen und die Zerstörung des Gelenkknorpels. Es entstehen so genannte Gichtknoten (Tophi): Knoten von bis zu einem Zentimeter Durchmesser, die weißlich unter der Haut hervorschimmern. Die Knoten sind gefüllt mit einer zähen Masse aus Harnsäure, die sich gelegentlich entleert.


Wie wird Gicht diagnostiziert?

Die Diagnose von Gicht erfolgt meist beim ersten akuten Gichtanfall. Dabei sind die Beschwerden so typisch, dass andere Gelenkerkrankungen nahezu vollständig ausgeschlossen werden können. Eine körperliche Untersuchung bringt dann häufig Gewissheit, dass es sich um Gicht handelt.

Erhöhte Harnsäurewerte im Blut lassen sich durch eine Laboruntersuchung nachweisen. Da die Werte während eines Anfalls jedoch nicht immer stark erhöht sein müssen, empfiehlt sich zusätzlich zur Diagnostik die Gabe von Colchicin. Colchicin ist ein Pflanzengift, das traditionell bei Gicht angewendet wird. Es wirkt entzündungshemmend und löst die Harnsäurekristalle im Blut auf. Vermindern sich die Beschwerden nach der Gabe, deutet alles auf Gicht hin.


Wie therapiert man Gicht?

Schwerpunkt der Therapie bei Gicht ist die Ernährungsumstellung. Da purinhaltige Lebensmittel den Harnsäurespiegel im Blut steigen lassen, ist es ratsam, deren Verzehr einzuschränken oder ganz auf sie zu verzichten. Auch Alkoholverzicht ist sinnvoll. Der Ernährungsplan wird gemeinsam mit dem Arzt aufgestellt.

Medikamente werden an die jeweilige Phase angepasst. Während eines akuten Gichtanfalls eignen sich nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zur Linderung der Beschwerden. NSAR wirken entzündungshemmend und schmerz- und fiebermindernd. Der Wirkstoff Colchicin, der bereits bei der Diagnostik von Gicht Anwendung findet, eignet sich auch zur Therapie eines akuten Gichtanfalls.

Während der beschwerdefreien Zeit in der interkritischen Phase und bei chronischer Gicht verringern Urikostatika die Harnsäureproduktion. Urikosurika steigern gleichzeitig die Ausscheidung von Harnsäure.


Welchen Verlauf hat Gicht?

Je früher Gicht diagnostiziert und behandelt wird, desto günstiger ist die Prognose. Nur die über einen längeren Zeitraum unbehandelte Gicht führt zu chronischen Schmerzen, Gelenkdeformationen oder Invalidität.

Komplikationen: chronische Gichtniere und akute Uratnephropathie

Eine Komplikation stellt die chronische Gichtniere dar. Sie führt zu Nierenschwäche und -versagen. Werden auch die Nierengefäße geschädigt, kommt es zu Bluthochdruck (Hypertonie).

Die akute Uratnephropathie führt zu einer akuten Niereninsuffizienz. Sie wird durch eine akute Steigerung der Harnsäurekonzentration mit gleichzeitiger geringer Flüssigkeitszufuhr verursacht.


Gicht: Wie kann man ihr vorbeugen?

Die effektivste Vorbeugung gegen Gicht besteht in einer purinarmen Ernährung. Dies empfiehlt sich vor allem dann, wenn in der Familie schon Fälle von Gicht aufgetreten sind. Purinreiche Lebensmittel, die gemieden bwziehungsweise nur in Maßen aufgenommen werden sollten, sind vor allem:


  • Innereien
  • Fleisch
  • bestimmte Fischsorten, beispielsweise Seefisch
  • Hülsenfrüchte

Auch ein maßvoller Alkoholkonsum wird empfohlen. Die Krankheit kommt vor allem in den westlichen Industrieländern vor, in denen Übergewicht, fleischreiche sowie fett- und zuckerhaltige Ernährung und Bewegungsmangel häufig vorkommen. Eine Reduzierung dieser Faktoren ist deshalb ratsam.


Wenden Sie sich bei Fragen zu Gicht an die Experten in unserer Gelenk-Expertenrat auf der Gesundheitsberatung.

Quellen:
Classen, M., Diehl, V., Kochsiek, K.: Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2004
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 10.02.2009
 
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