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Haarausfall

 Haarausfall wird durch verschiedene Faktoren verursacht

Haarausfall wird durch verschiedene Faktoren verursacht
(Quelle: DAK/Wigger)

Jeder Mensch verliert täglich zwischen siebzig und hundert Kopfhaare. Von Haarausfall wird im Allgemeinen erst dann ausgegangen, wenn jemand regelmäßig mehr als hundert Haare pro Tag verliert. Bilden sich kahle Stellen, spricht man von einer Alopezie, dem griechischen Wort für Haarausfall.

Tritt Haarausfall plötzlich auf, sollten die Ursachen bei einem Hautarzt geklärt werden. In manchen Fällen geht Haarausfall unter anderem zurück auf Infektionskrankheiten, Immunschwächen, Hormonstörungen und übermäßigen Stress.


Ursachen von Haarausfall

Der so genannte erblich bedingte Haarausfall (Alopecia androgenitica) ist in etwa 90 Prozent der Fälle für den Haarausfall verantwortlich. Betroffen sind hauptsächlich Männer ab dem 20. Lebensjahr, in seltenen Fällen schon ab der Pubertät. Ursache ist eine anlagebedingte Empfindlichkeit der Haarbälge gegen das hormonelle Stoffwechselprodukt Dihydrotestosteron (DHT), das der Körper aus dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron bildet. DHT lässt die Haarbälge schrumpfen, bis kein Haar mehr aus ihnen herauswachsen kann. Im Zuge des Älterwerdens sind rund 80 Prozent aller Männer mehr oder weniger stark davon betroffen.

Daneben gibt es den vergleichsweise seltenen kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata). Hierbei fallen an einer oder mehreren Stellen am Kopf die Haare aus, wodurch kreisrunde kahle Flecken entstehen. In manchen Fällen kann der gesamte Körper betroffen sein. Nach heutigem Wissenstand handelt es sich beim kreisrunden Haarausfall um eine Autoimmunerkrankung, deren genaue Ursachen noch unbekannt sind. Vermutlich richten sich Abwehrzellen, die üblicherweise gegen Viren, Bakterien und Pilze kämpfen, gegen die eigenen Haarwurzeln. Der kreisrunde Haarausfall tritt gehäuft zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. In vielen Fällen bildet er sich nach längerer Zeit spontan wieder zurück.

Der so genannte diffuse Haarausfall kommt häufiger bei Frauen als bei Männern vor. Die Ursachen können sehr vielfältig sein. Infrage kommen Hormonveränderungen etwa während oder nach einer Schwangerschaft und durch die Anti-Baby-Pille, Funktionsstörungen der Schilddrüse, Eisenmangel, Stress und verschiedene Medikamente etwa bei einer Chemotherapie.


Wie äußert sich Haarausfall?

Beim erblich bedingten Haarausfall bilden sich typischerweise zunächst so genannte Geheimratsecken. Im weiteren Verlauf kommt es meist am Hinterkopf zu einer Haarlichtung (Tonsur), bis sich im Lauf der Jahre irgendwann die Geheimratsecken mit der Tonsur verbinden und eine mehr oder weniger ausgeprägte Glatze entsteht.

Beim kreisrunden Haarausfall entstehen meist innerhalb kurzer Zeit klar umgrenzte, kreisrunde kahle Stellen am Kopf. Möglich ist auch, dass sich die Erkrankung an den Schläfen ausbreitet, häufig begleitet von Veränderungen der Fingernägel. Betroffen sein können auch die Augenbrauen und die Schamhaare, in schweren Fällen der ganze Körper. Beim diffusen Haarausfall verlieren sich die Haare ohne charakteristische Ausfallmuster, wobei sich der Haarschopf insgesamt vom Scheitel her ausdünnt.


Die Diagnose von Haarausfall

Aufgrund der Augenfälligkeit eines behandlungsbedürftigen Haarausfalls konzentriert sich die Diagnostik meist auf die Suche nach verursachenden Faktoren. Der Arzt fragt vor allem nach familiären Häufungen, der Einnahme von Medikamenten sowie kurz zuvor überstandenen oder akuten Erkrankungen. Zudem werden die Beschaffenheit des Haars und der Zustand der Kopfhaut überprüft.

Labortests wie die Ermittlung des Hormonstatus oder eine lichtmikroskopische Haaranalyse (Trichogramm) können ebenfalls Bestandteil einer tiefer gehenden Diagnostik sein.


Die Behandlung von Haarausfall

Der anlagebedingte Haarausfall kann mit Medikamenten behandelt werden, welche die Produktion von Dihydrotestosteron hemmen. Bei Männern kommt der Wirkstoff Finasterid in Frage, der in einigen Fällen den Haarausfall stoppen kann und dazu beiträgt, dass die Haare wieder dicker werden. In rund fünf Prozent der Fälle führt Finasterid allerdings zu Libido- und Potenzstörungen. Betroffenen Frauen kann unter Umständen mit bestimmten Anti-Baby-Pillen geholfen werden, die antiandrogene Eigenschaften haben.

Gegebenenfalls kann auch eine Behandlung mit dem Wirkstoff Minoxidil erfolgversprechend sein, der als Lösung auf sich lichtende Stellen aufgetragen wird. Weshalb Minoxidil in einigen Fällen Haarausfall stoppen kann, ist nicht abschließend geklärt. Vermutet wird, dass sich unter der Behandlung die Durchblutung der haarversorgenden Gefäße und dadurch die Nährstoffzufuhr verbessern. Außerdem steigt die Teilungsrate der Haarfollikelzellen an.

Der kreisrunde Haarausfall bildet sich oft von selbst wieder zurück. In leichteren Fällen können kortisonhaltige Lösungen aufgetragen oder zinkhaltige Medikamente verabreicht werden. Denkbar sind zudem lokale Reiztherapien mit dem Wirkstoff Dithranol, der gewöhnlich in der Behandlung der Schuppenflechte zum Einsatz kommt.

Erfolgversprechend sind auch die ersten Behandlungsversuche schwerer Formen der Alopecia areata mit Diphenylcyclopropenon (DCP). Das Medikament zur topischen Immuntherapie ist in Deutschland allerdings noch nicht zugelassen und kann daher nur im Rahmen ausgewählter Studien eingesetzt werden.

Der diffuse Haarausfall lässt sich in den meisten Fällen durch die Behandlung der verursachenden Grunderkrankung kurieren. Meist bildet er sich dann wieder zurück. Das gilt auch, wenn mitverantwortliche Medikamente abgesetzt werden oder eine Phase der hormonellen Umstellung (Schwangerschaft, Wechseljahre) vorübergeht.


Wie verläuft Haarausfall?

Anders als der diffuse Haarausfall, dem meist eine andere Erkrankung zugrunde liegt, lassen sich weder der anlagebedingte, noch der kreisrunde Haarausfall ursächlich behandeln. Einmal ausgefallene Haare wachsen nicht nach. Entscheidend ist der Gang zum Hautarzt, mit dem man nach einer eingehenden Diagnostik beraten kann, ob und welche Therapie im gegebenen Fall sinnvoll ist. Meist lässt sich Haarausfall maximal stoppen und das Haar insgesamt kräftigen. Werden die Medikamente abgesetzt, schreitet der Haarausfall unvermindert weiter fort.


Wie kann man vorbeugen?

Vorbeugende Maßnahmen gegen einen behandlungsbedürftigen Haarausfall gibt es nicht. Ratsam ist jedoch in jedem Fall, die Haare nicht zu sehr mit Chemikalien zum Färben, Tönen und Bleichen oder etwa für Dauerwellen zu belasten. Auch häufiges Waschen mit aggressiven Shampoos und starke Hitzebehandlungen schaden den Haaren auf Dauer und können zum Haarausfall beitragen.


Sollten Sie weitere Fragen zum Thema Haarausfall haben, können Sie sich an die Experten der Hausarzt-Expertenrat wenden.

Weitere Informationen:
Haarausfall

Quellen:
Beers, M.H. (Hrsg.): MSD Manual. Handbuch Gesundheit. Wilhelm Goldmann, München 2005
Wolff, H., Kunte, C.: Diagnostik und Therapie von Haarerkrankungen. Uni-Med Verlag, Bremen 2006

 

Autor: Peter Gelhard 
Letzte Änderung am: 30.10.2008
 
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