Der Schließapparat am After
Die Anatomie des Schließapparats (Kontinenzorgan) unseres Darmausgangs (Anus) weist einige Besonderheiten auf, die erst die Grundlage für Hämorrhoiden bilden. Nicht nur, dass es sich um einen komplizierten Verschlussmechanismus handelt, es ist auch ein Übergang zwischen der Außenwelt, gegen die uns unsere Haut schützt, und dem Darminneren. Der Mastdarm (Rektum) ist das letzte Teilstück des Dickdarms und hat auch den gleichen Wandaufbau, nur nicht so viele Drüsen. Er dient als Speicher für den bereits weitgehend entwässerten Stuhl (Faezes). Die dicke Schleimhaut im Mastdarm enthält keine Schmerznerven und grenzt in einer zahnförmigen Reihe (Linea dentata, Linea anorectalis) an die wesentlich dünnere Afterhaut (Anoderm), die Auskleidung des Analkanals. Diese Übergangszone zwischen Darmschleimhaut und Afterhaut ist etwas gefaltet (Columnae anales) und bildet zwischen Vorsprüngen (Papillen) kleine Taschen (Krypten), an deren Grund blinde Drüsenausgänge münden. Diese so genannten Proktodealdrüsen sind im Tierreich Duftdrüsen, haben bei uns diese Funktion nicht mehr und sondern nur Schleim ab, sie enden blind zwischen den Schließmuskelschichten. Sie können aber die Ursache für Entzündungen, Analabszesse und Analfisteln sein.
Der Analkanal
Die Afterhaut reicht von der zahnförmigen Linie etwa 5 cm weit
bis zum Afterrand, wo sie in die normale, behaarte und verhornende
Haut übergeht (Linea anocutanea), die hier auch
Schweiß-, Talg-, Duftdrüsen und Haare enthält.
Dieser Übergang ist nicht so genau zu erkennen. Hier gibt es
unter der Haut ein Venengeflecht (Plexus venosus subcutaneus), in
dem sich die Analrandthrombosen
(Perianalthrombosen) bilden können. Die Afterhaut hat aber
alle nervlichen Qualitäten der normalen Haut und kann neben
Schmerz, Druck (Tastsinn, Vibration) und Temperatur auch fest,
flüssig und gasförmig unterscheiden. Das ist wichtig, da
sonst der Schließapparat nicht funktioniert. Die Afterhaut am
"Ausgang" entspricht in ihrer Empfindlichkeit unserem Lippenrot,
dem Übergang von normaler Gesichtshaut zur Schleimhaut der
Mundhöhle und dem "Eingang" zum Verdauungstrakt.
Die Schließmuskeln
Die Muskelschicht des Mastdarms bildet mit Teilen der
Beckenbodenmuskulatur (M. levator ani) den inneren
Schließmuskel (M. sphinkter ani internus), der nicht unserem
Willen untersteht und sich über Nervenreflexe im vegetativen
Nervensystem, die vom Dehnungsreiz des Mastdarms ausgehen,
öffnet oder schließt. Darüber liegt der
äußere Schließmuskel (M. sphinkter ani externus)
mit einem zylinderförmigen und einem ringförmigen Anteil,
den wir mit unserem Willen beeinflussen und mit dem wir Stuhl
einhalten können, indem er den Analkanal einschnürt, bis
wir ihn am richtigen Ort entspannen wollen. Säuglinge
können das noch nicht und lernen erst im Verlauf einiger
Jahre, "sauber" zu werden, bis dahin entleeren sie
reflektorisch.
Der Schließapparat (Kontinenzorgan)
funktioniert also aus dem Zusammenspiel der Schließmuskeln
und des Beckenbodens mit den Nerven in der Mastdarmwand. Aber die
Muskeln schaffen es alleine nicht ganz, den Analkanal
vollständig zu verschließen. Um den Analkanal gasdicht
zu machen, ist ihm oberhalb der Zahnlinie ein etwa 1 cm breites
zylinderförmiges Polster vorgeschaltet, das ein schwammartiges
Venengeflecht enthält (Zona hämorrhoidalis), die Hämorrhoiden. Es ist ein
Schwellkörper, das heißt, es besteht eine direkte
Verbindung zwischen Schlagadern und Venen, ohne dass, so wie bei
Organen, ein Kapillarbett dazwischenliegt. Zwischen den
Stuhlentleerungen ist das Hämorrhoidalpolster
blutgefüllt und dichtet den Analkanal vollständig ab.
Beim Stuhlgang erschlaffen die Schließmuskeln und der innere
Durchmesser des Analkanals wird weiter. Dabei wird das
Hämorrhoidalpolster auseinandergezogen, gedehnt und
abgeflacht, wobei das darin enthaltene Blut herausgedrückt
wird. Wird der innere Durchmesser wieder enger, dann erschlafft das
Venenpolster und kann sich wieder mit Blut füllen, weil
zusätzlich der Venenabfluss durch die Muskelanspannung
gedrosselt wird. Erweitert sich dieser Schwellkörper oder
leiert er sackartig aus, dann ist das eine der Ursachen für das
Hämorrhoidalleiden.
Autor: Qualimedic.de
Letzte Änderung am: 17.09.2007
