Tipp

Hafer

Hafer (Avena sativa) gehört zu den in unseren Breiten angebauten klassischen Getreidesorten und zählt zu den Süßgräsern. Sein besonderes Merkmal ist der als Rispe geformte Fruchtstand. Bis ins 19. Jahrhundert war Hafer eines der wichtigsten Nahrungsmittel in Europa und ist allmählich verdrängt worden. Derzeit liegt der Haferanteil bei 5% der Anbaufläche für Getreide. Das ist verwunderlich, denn Hafer ist das eiweiß- und fettreichste Getreide mit den höchsten Mengen an lebenswichtigen Nährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen und enthält besonders viel Kalzium, Eisen, Silizium, Zink, Mangan sowie Vitamin B1 und E. Aber der Grund liegt darin, dass es ein Spelzgetreide ist, das zusätzliche Arbeitsgänge (entspelzen oder schälen) erfordert. Hafermehl eignet sich wegen des sehr geringen Klebereiweißgehalts (Gluten) nicht zum Backen. Außerdem ist es die schlechte Vermarktungsmöglichkeit von Speise- und Futterhafer, die den Anbau bei uns so niedrig hält. Der Hafer für die bei uns angebotenen Haferprodukte kommt vorwiegend aus Nordeuropa und Kanada.

"Ihn sticht der Hafer"
Durch die physiologisch günstige Fett- und Eiweißzusammensetzung hat Hafer einen belebenden Einfluss auf den Stoffwechsel. Aber interessant wird er durch seinen hohen Anteil an löslichen Ballaststoffen von 50%, im Gegensatz zu Weizen mit nur 10%. Das so genannte Beta-Glucan ist ein extrem quellfähiger Mehrfachzucker, der etwa vier bis fünf Prozent des Korngewichts ausmacht. Der sich im Magen und Darm mit Wasser bildende Haferschleim unterstützt die Ausscheidung von Gallensäuren und Cholesterin im Stuhl, so dass die Leber zu einer verstärkten Gallensäureproduktion aus Blutcholesterin angeregt wird. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen die Blutzucker stabilisierende und cholesterinsenkende Wirkung des Hafers sowie heilende Wirkung bei Magen-Darm-Erkrankungen. Wissenschaftlich nicht nachgewiesen ist die harntreibende und den Geschlechtstrieb steigernde Wirkung.
Bei Verstopfung hilft Haferkleie mit reichlich Flüssigkeit durch seine Quelleigenschaften den Stuhlgang zu regulieren.

Haferprodukte
Die bekanntesten aus gelbem Hafer hergestellten Produkte:

  • Haferflocken: sind aus den geschälten, ganzen Haferkernen, die durch eine Wärme-Behandlung aufgeschlossen werden und so für Mensch und Tier optimal verwertbar sind. Durch diese Dampfbehandlung erhalten Haferflocken einen unverwechselbaren Nussgeschmack. Sie werden mit Walzen zu Flocken geformt. Haferflöckli werden wie Haferflocken hergestellt. Ausgangsmaterial sind jedoch geschnittene Haferkörner (Grütze).

  • Haferkleie: ist der nahrungsfaserreiche (ballaststoffreiche) Anteil des geschälten Hafers. Haferkleie wird entweder direkt aus den entspelzten Haferkernen oder aus Haferflocken hergestellt. Sie besteht aus den Randschichten des Haferkorns (Fruchthaut, Samenschale und Aleuronschicht = Silberhäutchen oder Wabenschicht, sie umschließt den Mehlkern des Getreidekorns und den Keim), dem Keimling und den äußeren Schichten des Mehlkörpers. Von den Gesamtnahrungsfasern der Haferkleie sind mindestens 50% lösliche Bestandteile, hauptsächlich Beta-Glucane, im Gegensatz zur Weizenkleie, die aus ca. 90% unlöslichem Faseranteil besteht.

  • Hafergrütze: nennt man geschälte, grob gebrochene oder geschnittene Haferkörner.

  • Haferflockengemisch: es besteht aus Haferflocken und zugesetzten Ballaststoffen und hat durch Veredelung einen höheren Energiewert als Rohhafer.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 07.04.2008
 
Tipp