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Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

 Eine Nierenbeckenentzündung verursacht oft starke Schmerzen

Eine Nierenbeckenentzündung verursacht oft starke Schmerzen
(Quelle: DAK/Wigger)

Eine Nierenbeckenentzündung, auch Pyelonephritis genannt, ist eine Form der Harnwegsinfektion. Das Nierenbecken stellt das Sammelorgan des in der Niere gefilterten Harns dar. Von hier aus gelangt der Harn über den Harnleiter weiter in die Blase. Meist ist im Rahmen einer Nierenbeckenentzündung das umgebende Nierengewebe mit entzündet, nur selten das Nierenbecken allein. Eine Nierenbeckenentzündung tritt meist einseitig auf, kann aber auch beide Seiten betreffen. Frauen sind deutlich häufiger von der Erkrankung betroffen als Männer. Besonders oft kommt eine Nierenbeckenentzündung in der Schwangerschaft und im Wochenbett vor (in zirka 2 zwei Prozent aller Schwangerschaften). Aufgrund der Lage der Infektion bezeichnet man eine Nierenbeckenentzündung auch als obere Harnwegsinfektion (untere Harnwegsinfektion = Entzündungen der Blase und der darunter liegenden Abschnitte des Harntrakt). Wichtig für die Therapie und den Verlauf ist die Unterscheidung von unkomplizierter und komplizierter Nierenbeckenentzündung. Von einer unkomplizierten Nierenbeckenentzündung spricht man, wenn die Infektion durch einen für die Krankheit typischen Erreger, bei einem ansonsten gesunden Patienten hervorgerufen wird. Eine komplizierte Nierenbeckenentzündung liegt vor, wenn das Risiko für schwerwiegendere Verläufe erhöht ist. Dies ist unter anderem bei einer Verengung der Harnwege (beispielsweise durch Nierensteine, Entzündungen oder Fremdkörper), bei Nierenfehlbildungen und Stoffwechselerkrankungen (beispielsweise Diabetes mellitus) möglich.


Wie entsteht eine Nierenbeckenentzündung?

Eine Nierenbeckenentzündung wird meist durch Bakterien ausgelöst, die in der Niere eine Entzündungsreaktion hervorrufen. Besonders häufig findet man allgemein bei Harnwegsinfektionen das Bakterium Escherichia coli. Die Bakterien können auf verschiedenen Wegen in die Niere gelangen. Selten geschieht dies mit dem Blut, der Lymphflüssigkeit oder im Rahmen einer anderen Infektion. In den meisten Fällen steigen die Bakterien aus einem tiefer gelegenen Abschnitt des Harnsystems (Blase oder Harnröhre) in die Niere hinauf und verursachen die Beschwerden.


Hauptsymptome: Fieber und Schmerzen

Patienten mit einer akuten Nierenbeckenentzündung leiden meist unter hohem Fieber und einem starken Krankheitsgefühl. Ein weiteres Symptom ist zudem ein Flanken- Rückenschmerz oder auf der betroffenen Seite, der bei einer unteren Harnwegsinfektion meist nicht auftritt. Es kann bei einer Nierenbeckenentzündung auch Schüttelfrost hinzukommen. Treten diese Symptome kombiniert auf, sollte an eine Niereninfektion gedacht und umgehend der Arzt aufgesucht werden.

Darüber hinaus bestehen bei einer Nierenbeckenentzündung häufig Symptome, die auch bei anderen Harnwegsinfektionen auftreten. So klagen Betroffene häufig über starken und vermehrten Harndrang. Schmerzen oder brennendes Gefühl beim Wasserlassen sind ebenso möglich.


Wie wird eine Nierenbeckenentzündung diagnostiziert?

Die Diagnose einer Nierenbeckenentzündung wird anhand der typischen Symptome sowie der Ergebnisse einer Urin- und einer Blutuntersuchung gestellt. Die Beschwerden des Betroffenen können bereits zur Verdachtsdiagnose der Nierenbeckenentzündung führen. Der Arzt wird in der körperlichen Untersuchung versuchen, die Nieren zu tasten und eventuell vorsichtig zu beklopfen. Beides geht im Falle einer Nierenbeckenentzündung häufig mit starken Schmerzen auf der betroffenen Seite einher.

Werden Bakterien im Urin nachgewiesen, beweist dies immer eine Harnwegsinfektion und bildet somit die Grundlage für die Diagnose einer Nierenbeckenentzündung. Normalerweise ist der Harn nämlich vollkommen frei von Bakterien. Zur Untersuchung des Urins ist in der Regel ein so genannter Mittelstrahlurin notwendig. Mit diesem Urin kann im Labor eine Urinkultur angelegt werden. Mithilfe dieser kann die Menge der Bakterien im Urin bestimmt werden („Keimzahlbestimmung“). Eine Keimzahl von 100.000 Bakterien pro ml Urin gilt als Beweis für eine Harnwegsinfektion, bei entsprechender Symptomatik gelten aber auch deutlich niedrigere Werte als Nachweis. Auch der Erreger selbst kann mit labortechnischen Methoden identifiziert werden. Bei einer Nierenbeckenentzündung ist die Keimzahlbestimmung sowie der Keimnachweis unerlässlich.

Bei der ärztlichen Untersuchung kann eine Teststreifenuntersuchung des Urins direkt durchgeführt werden. Der Teststreifen wird kurz in eine frische Urinprobe gehalten. Farbumschläge auf dem Streifen zeigen bestimmte Merkmale des Urins an. So können die bei einer Harnwegsinfektion meist vermehrt im Urin auftretenden weißen Blutkörperchen (Leukozyten) nachgewiesen werden. Zeigt der Teststreifen Proteine oder Nitrit an, ein Stoff der von Bakterien gebildet wird, weist dies ebenfalls auf eine Harnwegsinfektion hin. Zusätzlich kann der Arzt auch eine Urinprobe unter dem Mikroskop auf Auffälligkeiten untersuchen.

Bei Verdacht auf eine Nierenbeckenentzündung ist auch eine Blutentnahme sinnvoll. Dadurch kann die Entzündung und die Nierenfunktion mithilfe einiger Parameter (Anstieg der weißen Blutkörperchen, Anstieg des C-reaktiven Proteins und Abfall der Blutplättchen) abgeschätzt werden. In speziellen Fällen ist weitere urologische Diagnostik sinnvoll (u.a. Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen der Nieren).


Therapie: Antibiotika und viel trinken

Eine Nierenbeckenentzündung wird mit Antibiotika behandelt. Vor Beginn der Therapie ist ein so genanntes Antibiogramm sinnvoll. Damit kann der Arzt herausfinden, welches Antibiotikum das verursachende Bakterium effektiv bekämpfen kann. Das Ergebnis des Antibiogramms wird dem Arzt nach ca. 24 Stunden vom Labor mitgeteilt. Bis dahin erhält der Betroffene ein Antibiotikum, von dem man vermutet, dass es hilft. Je nach Ergebnis des Antibiogramms kann das Antibiotikum dann gegebenenfalls gewechselt werden. Die Therapie einer Nierenbeckenentzündung dauert etwa 14 Tage. Die genaue Dauer richtet sich nach dem individuellen Zustand des Betroffenen.

In der Regel kann die Therapie zuhause stattfinden. Die Antibiotika können oral eingenommen werden. Unter bestimmten Umständen kann es aber sein, dass die Therapie unter stationären Bedingungen im Krankenhaus durchgeführt werden muss, um den Verlauf der Erkrankung genau zu beobachten. Dies ist zum Beispiel bei Schwangeren, Kindern und bei Menschen mit komplizierter Nierenbeckenentzündung sinnvoll.

Zusätzlich zur medikamentösen Therapie ist es wichtig, sehr viel zu trinken (mindestens zwei Liter pro Tag) und die Blase regelmäßig zu entleeren, um den Harnfluss in der Niere zu erhöhen und sie „durchzuspülen“.


Wie verläuft eine Nierenbeckenentzündung?

Eine unkomplizierte Nierenbeckenentzündung heilt mit Antibiotika meist innerhalb weniger Tage ab. Dauerhafte Veränderungen der Nieren werden nur sehr selten beobachtet. Die häufigste Ursache für Therapieversagen sind resistente Erreger, die schlecht auf die Antibiotika ansprechen. Auch die Verordnung falscher Antibiotika kann dafür verantwortlich sein, dass die Symptome nicht zurückgehen.

Bei einer komplizierten Nierenbeckenentzündung sind langfristige Nierenfunktionsstörungen und andere Komplikationen möglich. Ist der Harnfluss behindert, kann sich zum Beispiel ein Eiterherd (Abszess) bilden, der die Nierenfunktion beeinträchtigen kann. An einen solchen Abszess muss gedacht werden, wenn sich die Symptome und die Entzündungswerte im Blut nach adäquater Antibiotika-Therapie nicht innerhalb einiger Tage bessern. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung und einer Computertomographie der Nierenregion kann ein solcher Herd nachgewiesen werden. Bei einem solchen Verlauf muss eine intensive Antibiotika-Therapie und schlimmstenfalls sogar eine Operation erfolgen. Darüber hinaus kann es bei einer Nierenbeckenentzündung mit gleichzeitigem Harnstau in seltenen Fällen dazu kommen, dass Bakterien in die Blutbahn gelangen (so genannte Urosepsis). Dann ist eine sofortige Therapie vonnöten, da eine unbehandelte Urosepsis lebensbedrohlich sein kann.


Wie kann man einer Nierenbeckenentzündung vorbeugen?

Grundsätzlich kann das Risiko jeder Harnwegsinfektion mit folgenden Maßnahmen gemindert werden:

  • jeden Tag viel Flüssigkeit zu sich nehmen
  • regelmäßige Blasenentleerung
  • Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr
  • Vermeiden von Unterkühlung

Falls eine Harnwegsinfektion häufig im Zusammenhang mit Geschlechtsverkehr auftritt kann nach dem Verkehr ein Antibiotikum eingenommen werden. Bei wiederkehrenden Episoden von Nierenbeckenentzündungen oder anderen Harnwegsinfektionen ist unter Umständen eine dauerhafte Einnahme von Antibiotika zur Prophylaxe sinnvoll.


Haben Sie noch Fragen zum Thema Nierenbeckenentzündung? Dann wenden Sie sich an unsere Expertenrat!

Quellen:
Hautmann R.Goerke, Huland H.: Urologie. Springer, Heidelberg 2006
Keller C., Geberth S.: Praxis der Nephrologie. Springer, Heidelberg 2007
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Brennen beim Wasserlassen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 053/001 (Stand: 12/2004)

 

Autor: Maximilian Eckerland 
Letzte Änderung am: 17.09.2008
 
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