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Die Haut: Aufbau und Funktion

Die Haut (Cutis) ist mit ungefähr 2 Quadratmetern das größte und nervenreichste Organ des menschlichen Körpers. Die gesamte Haut wiegt etwa 2 bis 3,5 kg. Je nachdem, an welcher Stelle des Körpers sich die Haut befindet, können Dicke und Aufbau sehr unterschiedlich sein.

Aufgaben und Funktionen der Haut

Die Haut im Schnitt

Unsere Haut erfüllt zahlreiche Aufgaben. Sie ist die Grenzschicht zur Um- und Außenwelt, mit der wir ständig in Kontakt sind. Der gesamte Organismus ist darauf angewiesen, dass sie richtig funktioniert und nicht verletzt ist. Bereits wenn nur ein Drittel der Körperoberfläche zerstört ist (zum Beispiel durch Verbrennungen), stirbt der Mensch in der Regel. Daran lässt sich die große Bedeutung der Haut als Organ ablesen, und es wird auch klar, dass Beeinträchtigungen der Haut große Auswirkungen auf das Allgemeinbefinden haben können.

Aufbau der Haut

Unsere Haut besteht aus 3 Schichten, die untereinander in Verbindung stehen, voneinander abhängig sind und sich gegenseitig beeinflussen.

Die Schichten der Haut

  • Oberhaut (Epidermis)

  • Lederhaut (Dermis, Corium)

  • Unterhaut (Subcutis)

Die Hautanhangsgebilde

Zur Haut gehören auch die sogenannten Hautanhangsgebilde:

  • Haare

  • Nägel

  • Talg- und Schweißdrüse


Oberhaut

Oberhaut - Die oberste Schicht unserer Haut (Epidermis)
Die Oberhaut setzt sich aus unterschiedlichen Schichten bzw. Zelltypen zusammen:

Die Hornschicht (Stratum corneum)

  • Hornzellen (Keratinozyten)
    Sie machen als Hornsäulen den Großteil der Zellen in der Haut aus, werden in der Keimschicht (Stratum basale) gebildet und wandern allmählich nach außen. Sie bilden mit den abgestorbenen Hornschuppen die äußere Oberfläche und den Fett- und Säuremantel.

  • Die Schicht ist etwa 25 Zellen dick.

Die Körnerschicht (Stratum granulosum)

  • Die Schicht wird durch Horn-Knorpelkörnchen gebildet. Die Zellen fangen hier an zu verhornen, das bedeutet, die lebenden Zellen sterben ab und werden nach außen abgeschoben.

  • Langerhans-Zellen und T-Lymphozyten
    sind für das Immunsystem (Abwehrfunktion) der Haut verantwortlich und spielen unter anderem beim allergischen Geschehen eine wichtige Rolle.

  • Die Körnerschicht ist etwa 2-3 Zellschichten dick.

Die Keimschicht (Stratum germinativum)

  • Stachelzellschicht (Stratum spinosum)
    Die stachelförmigen Hornzellen bilden einen festen Verbund aus etwa 3-7 Zellschichten.
    In ihr kommen auch Langerhans-Zellen vor.

  • Unterste Zellschicht (Stratum basale)Die so genannten Basalzellen sind die tiefstliegende Schicht der Oberhaut. Hier werden neue Hautzellen durch Teilung gebildet, die permanent an die Hautoberfläche wandern, auf dem Weg dorthin absterben und als tote Zellen (Keratin) die äußere Hornschicht der Haut bilden. Durch Abschuppung werden Teile der Hornschicht täglich abgestoßen.

  • Pigmentzellen (Melanozyten) liegen zwischen den Basalzellen und bilden die Hautfarbe Melanin, die gleichzeitig als Lichtschutz dient.

  • Merkelzellen (Mechanorezeptoren) befinden sich ebenfalls in der Basalschicht. Im Durchschnitt kommen 16 Merkelzellen pro mm² Epidermisfläche vor. Sie melden Druck (Berührungsempfindung) ans Gehirn und sind wichtig für das Tastgefühl.

  • Basalmembran
    Sie bildet die Grenze zwischen Oberhaut und Lederhaut.


Lederhaut

Die Lederhaut (Dermis, Corium) ist ein Teil unserer Haut und schließt sich direkt an die Basalmembran der Oberhaut an. Die Lederhaut wird aus 2 Schichten gebildet:

  • Die obere Schicht ist die Papillenschicht (Stratum papillare). Sie besteht aus lockerem Bindegewebe, das sich zapfenartig in die Oberhaut einstülpt. Sie enthält Blutkapillaren und Nervenendorgane (Rezeptoren) und viele Abwehrzellen (Leukozyten, Plasmazellen, Mastzellen).

  • Die untere Schicht ist die Netzschicht (Stratum retikulare), die mit festen Bindegewebsfasern durchzogen ist. Letztere bestehen aus Kollagen und Elastin. Kollagen ist notwendig für die Festigkeit und Dehnbarkeit der Haut, und Elastin gewährleistet ihre Flexibilität und Elastizität. Je nach Ausrichtung des Kollagenfasergeflechts bilden sich die Spaltlinien der Haut. Wird die Festigkeit der Haut überdehnt, entstehen Striae distensae - die berühmten Schwangerschaftsstreifen.

    Zusätzlich befinden sich in der Netzschicht größere Nerven und Blutgefäße, Schweißdrüsen, Haarfollikel und glatte Muskelzellen.

Die Lederhaut verliert im Alter an Elastizität. Dadurch verringert sich die Spannkraft der Haut, und es entstehen Falten. Wir informieren Sie darüber, was Sie für bei der Pflege von reifer Haut beachten sollten.

Die Lederhaut beherbergt auch wichtige Sinnesorgane für Druck-, Tast-, Vibrations-, Temperatur- und Schmerzempfindung. Auf einem Quadratzentimeter Lederhaut findet man durchschnittlich

  • 200 Schmerzrezeptoren

  • 100 Druckrezeptoren

  • 12 Kälterezeptoren

  • 2 Wärmerezeptoren

  • 100 Schweißdrüsen

  • 40 Talgdrüsen


Unterhaut

Die Unterhaut (Subcutis) ist ein Teil unserer Haut und schließt sich direkt an die Netzschicht der Lederhaut an. In der Unterhaut sind die Haarwurzeln verankert. Außerdem finden sich hier die Schweißdrüsen, Talgdrüsen, Duftdrüsen und Milchdrüsen sowie größere Lymph- und Blutgefäße. Durchzogen wird das Bindegewebe von Ausläufern der festen Fasern der Lederhaut. Diese Fasern sind fest mit der unter der Subcutis liegenden Körperfaszie verbunden. Auf diese Weise entsteht eine Kammerung des Unterhautgewebes.

Die Unterhaut besteht aus lockerem Bindegewebe und Unterhautfettgewebe, die eine Verschiebeschicht bilden. Das Fettgewebe ist je nach Körperregion, Ernährungszustand, hormoneller Situation, Alter und Geschlecht unterschiedlich stark ausgeprägt und hat wesentlichen Anteil am Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel. Es dient als Nahrungsdepot, Polsterung und Isolierung.

Im Alter lockert sich die Verbindung zwischen Corium und Subcutis und es entstehen Falten.


Talgdrüsen

Talgdrüsen (Glandula sebacea) sind nahezu über die gesamte Körperoberfläche in der Haut verteilt und befinden sich in der oberen Lederhaut. Talgdrüsen kommen an den Augenlidern, den Lippen, der Penisvorhaut, den kleinen Schamlippen und am After vor. Lediglich in den Handinnenflächen und in den Fußsohlen finden sich keine Talgdrüsen.

Die Talgdrüsen münden seitlich an den Haarfollikeln. Der Talg wird entlang des Haarschafts zur Hautoberfläche geschoben und dort mit dem Schweiß verteilt.
Ist der Ausführungsgang der Talgdrüse verstopft, kann der Talg nicht abfließen. In der Folge bilden sich Mitesser (Komedonen). Aus verstopften Talgdrüsen können sich Talgzysten (Atherom, Grützbeutel) entwickeln. Die Entstehung einer Akne ist möglich, wenn weitere Komponenten wie z.B. eine Entzündung hinzukommen. Die Talgbildung wird hormonell gesteuert, wobei männliche Hormone (Androgene) die Talgbildung fördern.


Schweißdrüsen

Die Schweißdrüsen befinden sich zusammen mit den Talgdrüsen und den Haarwurzeln neben winzigen Sinnesorganen für verschiedene Empfindungen in der Lederhaut. Bei den Schweißdrüsen unterscheidet man 2 Formen:

  • Ekkrine Schweißdrüsen
    (Zellmembran platzt, Sekret wird abgegeben) Die ekkrinen Schweißdrüsen sitzen an der gesamten Körperoberfläche, besonders an Handinnenflächen, Fußsohlen, Achselhöhlen und im Gesicht. Ihre Ausführungsgänge bilden Poren an der Hautoberfläche. Die ekkrinen Schweißdrüsen sind für die Wärmeregulation des Körpers wichtig und werden vom Nervensystem gesteuert. Ekkriner Schweiß ist eine klare, dünne Flüssigkeit, die zu 99% aus Wasser besteht und auf der Haut durch die Körperwärme verdunstet, wodurch der Körper gekühlt wird.

  • Apokrine Schweißdrüsen
    (Zelle schnürt Plasmaabschnitt mit Sekret ab) Die Aporkinen Schweißdrüsen münden mit ihren Ausführungsgängen in den Haarkanälen. Sie sind die Duftdrüsen unseres Körpers. Durch ihr Sekret entsteht der individuelle Körpergeruch beim Menschen. Die Schweißdrüsen sitzen hauptsächlich in den Achselhöhlen und im Genitalbereich, teilweise auch im Gesicht, an den Brustwarzen und im behaarten Kopfbereich. Sie werden erst in der Pubertät gebildet. Die Bildung von Duftschweiß wird vor allem durch Wut und Schmerz, sexuelle Erregung sowie Angst und Aufregung ausgelöst.

Die Steuerung der Schweißdrüsen unterliegt dem autonomen Nervensystem, wobei der Sympathikus antreibt und der Parasympathikus beruhigt.


Schweiß

Schweiß erinnert uns an ein lästiges Übel, an feuchte Flecken unter den Achseln und unangenehme Gerüche, an den feuchten Händedruck. Aber der Schweiß ist nicht nur ein geniales Kühlmittel für unseren Körper, sondern entscheidet auch durch eine persönliche Duftnote, ob wir uns riechen können und welcher Partner der richtige ist.

Das Kühlmittel Schweiß ist eine klare, dünne Flüssigkeit, die zu 99% aus Wasser besteht und Kochsalz, Kaliumchlorid und etwas Hydrogencarbonat enthält. Alleine durch den Grundumsatz, das ist der Stoffwechsel in Ruhe ohne jede körperliche Aktivität, fällt so viel Reaktionswärme in unserem Körper an, dass er sich pro Stunde um 1° C aufheizen würde, wenn die Wärme nicht nach außen abgegeben werden könnte. Der menschliche Körper hat seine optimale Betriebstemperatur bei 37° C und reagiert bei einer Erhöhung, sei es durch eine Krankheit bzw. durch eine Störung der Temperaturregulierung, auf über 40° C mit Fieberdelierien und Krämpfen und bei weiterer Erhöhung mit einem tödlichen Hitzschlag. Über 30.000 Temperaturfühler in unserer Haut melden dem Steuerzentrum für die Temperaturregelung im Zwischenhirn ständig die aktuellen Wärmedaten. Reicht die Abstrahlung über die Körperoberfläche durch die erweiterten Blutgefäße der Haut nicht mehr aus, wird aus zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen Schweiß abgegeben, der sich auf der Haut verteilt und durch die Verdunstung Kühlung erzeugt und dadurch dem Körper Wärme entzieht. Der Körper passt sich dabei den Witterungsbedingungen an, was wir in warmen Urlaubsländern beobachten können. Bei der Ankunft läuft der Schweiß in Strömen, nach 2 Wochen ist die Schweißmenge so angepasst, dass kein unnötiges Wasser mehr verdunstet, man hat sich akklimatisiert.

Der charakteristische Körpergeruch entsteht erst, wenn der an sich geruchlose Schweiß von Bakterien zersetzt wird, die sich auf der Haut befinden. Aber der Schweiß der Duftdrüsen enthält auch die Abbauprodukte von Testosteron, wodurch der Körpergeruch als durchaus angenehm empfunden werden und auf das andere Geschlecht anziehend wirken kann. Das hat man mir Riechtests nachgewiesen.


Schwitzen

Bei unserer Entwicklung zum Savannenmenschen und Langstreckenläufer war es von Vorteil, kein Fell mehr zu haben, weil die nackte Haut sich besser dazu eignet, die Betriebstemperatur durch erweiterte Hautgefäße und Schwitzen herunterzukühlen und auf der Verfolgungsjagd nach Beute über längere Zeit laufen zu können.
Die feuchten Hände, die vor einer Prüfung wohl jeder kennt, waren ursprünglich sehr nützlich, um bei der Flucht auf Bäume griffiger zupacken zu können. Zum Anpacken wird heute immer noch "in die Hände gespuckt", wenn sie trocken sind. Dieser im Rahmen der Stressreaktion Angst entstehende Schweiß wird durch Adrenalin gesteuert und betrifft nur bestimmte Körperregionen wie Hände, Füße, Achseln und Stirn. Gleichzeitig werden die Blutgefäße der Haut verengt, um die Blutmenge anderenorts besser zur Sauerstoffversorgung einsetzten zu können. Die Haut wird blass und kalt und der Schweiß wird nicht mehr verdunstet, sondern bildet Schweißtropfen - kalter Schweiß oder Angstschweiß, der als Duftschweiß auch streng riecht.

Autonome Steuerung
Die vom Großhirn und von unserem Willen unabhängigen Gegenspieler Sympathikus und Parasympathikus steuern die Schweißsekretion nach den Bedürfnissen und dem körperlichen Zustand selbständig. So lassen sich verschieden Zustände mit vermehrter Schweißbildung unterscheiden:

  • thermoregulatorisch: Schwitzen zur Temperaturregelung an Körper und Kopf

  • gustatorisch: Schwitzen bei Nahrungsaufnahme

  • psychogen und emotional: Schwitzen bei Anspannung, Angst und Aufregung an Händen, Füßen, Achseln

  • klimakterisch: Schwitzen in den Wechseljahren am ganzen Körper

  • symptomatisch: Schwitzen bei anderen Erkrankungen: Schilddrüsenüberfunktion, Zuckerkrankheit, Herzschwäche, Krebs, Nebennierenrindentumoren

  • idiopathisch: Schwitzen ungeklärter Ursache oder erblich bedingt, lokal begrenzt oder am ganzen Körper (Hyperhidrosis)

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 01.04.2008
 
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