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Herzchirurgie

Die Herzchirurgie konnte erst ihren Anfang nehmen, als die Medizintechnik so weit war, den Kreislauf auch bei nicht schlagendem Herz aufrecht zu erhalten, indem eine Herz-Lungen-Maschine (HLM) die Aufgabe der Pumpfunktion des Herzens und die Aufgabe der Lunge übernahm. Die erste Operation am offenen Herzen mit angeschlossener Herz-Lungen-Maschine führte 1953 der Amerikaner John H. Gibbon durch.

Die Herzchirurgie ist ein Teil eines speziellen Weiterbildungsganges der Chirurgen zur Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, der sich an die Ausbildung zum Allgemeinchirurgen anschließt. Im Jahr 2002 gab es in Deutschland 81 Herzzentren, die 2001 insgesamt 96.593 Herzoperationen mit der Herz-Lungen Maschine durchgeführt haben. Davon entfielen 73,7% aller Herzoperationen auf Koronarpatienten, 16,5% auf Patienten mit Herzklappenfehler, 9,8% auf angeborene Herzfehler und sonstige Operationen (Bruckenberger-Herzbericht 2001).

Es gibt eine ganze Reihe von Operationen am Herzen, die sich auf krankhafte Veränderungen im Herz oder außerhalb des Herzens beziehen:

  • Aortokoronare Bypass-Operation (Umgehungsoperation der Herzkranzgefäße bei Verengung oder Verschluss)

  • Herzfehler und Herzklappenfehler (Herzscheidewandverschluss bei Septumdefekt, Klappenersatz)

  • Aortenchirurgie (Gefäß-Verschluss bei Kurzschlussbildung, Engstellenbeseitigung bei Isthmusstenose)

  • Rhythmuschirurgie (gezielte Zerstörung von Reizleitungsbahnen)

  • Transmyokardiale Laserrevaskularisation (Einkerbung des Herzmuskels zur Durchblutungsverbesserung)

  • Operationen von Herzaussackungen (Herzaneurysma)

  • Chirurgische Therapie bei Herzentzündungen

  • Chirurgische Therapie bei Herztumoren

  • Herztransplantationen

Durch die Entwicklung in der Medizintechnik und neue Erkenntnisse aus der Forschung, werden in zunehmendem Maße Operationen am Herzen auch ohne Herz-Lungen-Maschine und als minimal invasive Operationen durchgeführt.


Die Herz-Lungen-Maschine

Die Herz-Lungen-Maschine (HLM) ist eine spezielle Maschine in der Herzchirurgie, die bei Herzoperationen die Pumpfunktion des Herzens und die Atemfunktion der Lunge für die Dauer des Eingriffs übernimmt. Für diese extrakorporale Zirkulation (EKZ oder engl. ECC), den künstlichen Kreislauf, wird das ungerinnbar gemachte Blut über Schläuche aus den Hohlvenen (Vena cava superior und inferior) nahe dem rechten Vorhof - oder bei minimal-invasiven Operationen auch aus der Beinvene in der Leiste - entnommen und über Pumpen zu der Herz-Lungen-Maschine transportiert. Dort wird über Filter und Membransysteme das Kohlendioxid aus dem Blut entfernt und Sauerstoff zugeführt.
Das so wieder mit Sauerstoff angereicherte Blut wird in die große Körperschlagader (Aorta) - oder Leistenschlagader - zurückgeleitet, von wo aus es normal durch den Körper fließt.
Gleichzeitig wird die Temperatur des Blutes gesenkt, um die Stoffwechselvorgänge zu verlangsamen und dadurch den Sauerstoffverbrauch zu verringern. Die Herz-Lungen-Maschine ermöglicht eine künstliche Durchströmung des Körpers bei Ausschaltung der Herz- und Lungendurchblutung unter Aufrechterhaltung der Kreislauf-, Atmungs- und Stoffwechselfunktionen.

Künstlicher Herzstillstand
Das Herz wird während der Operation, die je nach Eingriff mehrere Stunden dauern kann, stillgelegt (Kardioplegie). Dazu wird es mit einer speziellen Lösung durchspült, bis es aufhört zu schlagen.
Nach Beendigung des Eingriffs wird das Herz wieder zum Schlagen gebracht, indem wieder Blut durch die Herzkranzgefäße fließt. Meistens fängt es von selbst wieder an zu schlagen. Manchmal ist aber auch ein Elektroschock nötig.
Sobald das Herz wieder schlägt, wird der Körper auf normale Temperatur aufgewärmt und die Herz-Lungen-Maschine langsam heruntergefahren, bis der Körper den Kreislauf wieder vollständig übernommen hat.
Die Patienten werden noch in Narkose auf die Intensivstation verlegt, wo sie langsam aufwachen.

Einsatz der Herz-Lungen-Maschine
Die extrakorporale Zirkulation wird auch kardiopulmonaler Bypass (Herz-Lungen-Umgehung) genannt und kommt bei folgenden Operationen zum Einsatz:


Nachteile der Herz-Lungen-Maschine

Dem Vorteil, den die Herz-Lungen-Maschine (HLM) in der Herzchirurgie bietet, Operationen am nicht schlagenden Herzen durchzuführen, stehen aber auch Nachteile für die Patienten gegenüber. Das bezieht sich nicht auf alle Patienten, aber bei etwa der Hälfte machen sich Auswirkungen durch den Einsatz der HLM bemerkbar.

Immunantwort
Durch die große Fremdoberfläche der Herz-Lungen-Maschine, die vom Blut durchflossen wird, kann sich bei einigen Patienten eine Immunantwort ausbilden. Durch die Veränderung des Blutflusses und den Kontakt des Bluts mit den Materialien der HLM, werden Signalstoffe freigesetzt, die eine den ganzen Körper erfassende Entzündungsreaktion (SIRS = systemic inflamatory response syndrome) auslösen, die zu Organversagen und auch zum Tod führen kann.

Störung der Hirnfunktion
Durch mikroskopisch kleine Blutgerinnsel oder Luftbläschen, kann es im Gehirn zu Störungen an den Nerven und der Hirnleistung kommen, die sich in als Durchgangssyndrom bezeichneten Verwirrtheitszuständen, Sprachstörungen, Lähmungen bis zum Schlaganfall äußern. Die meisten Störungen bilden sich wieder zurück.

Störung der Organfunktionen
Während der Operation werden vom Körper bis zu zehn Liter Flüssigkeit eingelagert, die anschließend wieder ausgeschieden werden müssen. Dadurch werden die Nieren stark belastet, was bei Vorschäden zu Problemen führen kann.
Auch die Lunge, die während des extrakorporalen Kreislaufs nicht durchblutet ist, kann mit einer Entzündung und Funktionsstörung reagieren.

Gerinnungsstörungen
Da das Blut während des Betriebs der Herz-Lungen-Maschine mit Medikamenten (z.B. Heparin) ungerinnbar gemacht wird, muss dies am Ende wieder rückgängig gemacht werden. Durch die Blutverdünnung (Hämodilution) kann es wegen einer Hämolyse (Auflösung der roten Blutkörperchen) oder Thrombozytenfunktionsstörung schwierig sein, das Gleichgewicht des Gerinnungssystems rasch wiederherzustellen, so dass es zu Nachblutungen oder zu vermehrter Gerinnselbildung (Embolien) kommen kann.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 08.04.2008
 
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