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Hirntumoren

Kopfschmerzen sind typische Symptome bei Hirntumoren

Kopfschmerzen sind typische Symptome bei Hirntumoren
(Quelle: BananaStock)

Hirntumoren sind Tumorerkrankungen des Gehirns. Man unterscheidet gutartige (benigne) und bösartige (maligne) Tumoren. Außerdem werden sie in primäre und sekundäre Hirntumoren unterteilt. Die Primären entstehen direkt aus dem Gehirngewebe oder den Hirnhäuten, während die Sekundären Metastasen anderer Tumoren sind, die Tochtergeschwülste ins Gehirn gestreut haben.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO unterteilt Hirntumoren in vier Schweregrade:

  • WHO Grad I: gutartig
  • WHO Grad II: noch gutartig
  • WHO Grad III: bereits bösartig
  • WHO Grad IV: bösartig

Das Gehirn besteht aus verschiedenen Zellen. Je nachdem, aus welchen Zellen sich Hirntumoren entwickeln, werden verschiedene Arten unterschieden:

  • Gliome (Astrozytome, Glioblastome, Oligodendrogliome)
  • Medulloblastome
  • Meningeome
  • Neurinome
  • Lymphome
  • Hypophysenadenome
  • Gehirnmetastasen.

Gliome machen über die Hälfte der Hirntumoren aus. Sie sind damit der häufigste Geschwulsttyp. Der häufigste Tumortyp bei Kindern ist das Medulloblastom. Meningeome sind in den meisten Fällen gutartig. Ebenfalls meist gutartig ist das Neurinom. Es entsteht aus Gehirn- und Rückenmarksnerven. Hypophysenadenome sind meist gutartige Tumoren mit günstiger Prognose.

Lymphome entstehen zwar im Gehirn, sie stammen jedoch nicht von Hirnzellen ab. Häufig treten sie bei Menschen mit einer Abwehrschwäche auf. Metastasen im Gehirn bilden sich vor allem aus Tumoren von Lunge, Brust, Nieren oder aus Hautkrebs.

Hirntumoren sind eine relativ seltene Tumorerkrankung: Etwa fünf Prozent aller jährlichen Tumorerkrankungen in Deutschland entstehen im Gehirn. Bei Kindern stehen Hirntumoren nach der Leukämie an zweiter Stelle der Krebserkrankungen.


Was sind die Ursachen von Hirntumoren?

Für die Ursachen von Hirntumoren gibt es bislang keine eindeutigen Erklärungen. Vor allem die üblichen Risikofaktoren, die für die Entstehung von Krebs mitverantwortlich sind, scheinen bei Hirntumoren keine Rolle zu spielen. Auch Schädel-Hirn-Verletzungen haben keinen Einfluss auf die Entstehung eines Tumors. Obwohl immer wieder diskutiert, gibt es auch für die Annahme, Strahlung von Mobiltelefonen oder Hochspannungsleitungen können Zellentartungen im Gehirn verursachen, keinen Beweis.

Lediglich ein Zusammenhang zwischen erblichen Faktoren sowie radioaktiver Strahlung, wie sie etwa bei Leukämie als Therapie angewendet wird, und der Entstehung von Hirntumoren scheint zu existieren.


Was sind die Symptome von Hirntumoren?

Hirntumoren haben verschiedene Symptome, die einzeln oder gemeinsam auftreten können. Sie richten sich nach der betroffenen Hirnregion und der Größe des Tumors.

Kopfschmerzen sind die häufigsten Beschwerden: Über die Hälfte aller Betroffenen leidet unter Kopfschmerzen, vor allem nachts und in den Morgenstunden. Oft lassen die Schmerzen im Laufe des Tages nach. Die Intensität dieser Kopfschmerzen ist stärker als üblich, auch Schmerzmittel sorgen nur bedingt für eine Minderung.

Epileptische Anfälle treten bei Hirntumoren ebenfalls häufig auf. Erstmalig auftretende Krampfanfälle sollten deshalb immer von einem Arzt abgeklärt werden.

Weitere Symptome von Hirntumoren sind teilweise eher unspezifisch, können bei der Diagnose aber hilfreich sein:

  • Neurologische Störungen wie Lähmungserscheinungen
  • Sprach- und Koordinationsstörungen
  • Gedächtnisschwäche
  • Persönlichkeitsveränderungen, vor allem Reizbarkeit

Wie werden Hirntumoren diagnostiziert?

In einem Gespräch über die Krankheitsgeschichte (Anamnese) geben die Symptome erste Hinweise auf einen Hirntumor. Anschließend folgen die körperliche und neurologische Untersuchung.

Mithilfe von bildgebenden Verfahren lassen sich Abbildungen des Gehirns erstellen. Untersuchungsmethoden, die dreidimensionale Bilder herstellen, sind die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanz-Tomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt. Mithilfe der sensiblen MRT erkennt man Hirntumoren oftmals bereits in einem frühen Stadium.

Entzündliche Veränderungen im Blut sind ebenfalls Hinweise auf eine Tumorerkrankung, deshalb wird Blut abgenommen und im Labor untersucht. Auch die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) wird untersucht. Der Liquor lässt sich mit einer langen Nadel zwischen zwei Lendenwirbelsäulen entnehmen (Liquorpunktion).

Um Tumorart und -grad festzustellen, wird häufig nach Sicherung der Diagnose eine Gewebeentnahme (Biopsie) durchgeführt.


Wie lassen sich Hirntumoren therapieren?

Wie Hirntumoren behandelt werden, hängt von Art, Größe und Lage im Gehirn ab. Verschiedene Therapiemethoden eignen sich grundsätzlich zur Behandlung, häufig werden sie auch miteinander kombiniert.

Operative Verfahren

Mittlerweise gehört die operative Entfernung von Hirntumoren zu den Standard-Verfahren. In einer Operation wird der Tumor dabei durch die geöffnete Schädeldecke entnommen. Eine vollständige Entfernung ist jedoch meist nicht möglich, da das Risiko besteht, die angrenzenden gesunden Teiles des Gehirns zu verletzen. Trotzdem besteht immer auch ein gewisses Risiko bei Hirnoperationen. Wenn Nerven oder Teile des gesunden Hirngewebes beschädigt werden, kann es zu bleibenden Schäden kommen. Im Anschluss an eine Hirnoperation erfolgt fast immer eine Strahlen- oder Chemotherapie.

Strahlenbehandlung

Bei der Strahlenbehandlung wird der Hirntumor gezielt mit radioaktiver Strahlung "beschossen". Linearbeschleuniger transportieren eine zuvor festgelegte Dosis exakt an die betroffene Stelle. Die Strahlenbehandlung dauert mehrere Wochen, wobei meist ein Mal täglich eine wenige Minuten dauernde Sitzung notwendig ist. Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, allgemeines Schwächegefühl, Kopfschmerzen und Haarausfall verschwinden nach Ende der Therapie wieder. Auch eventuell ausgefallene Haare wachsen wieder nach.

Chemotherapie

Die Chemotherapie spielt bei der Behandlung von Hirntumoren eher eine untergeordnete Rolle. Sie eignet sich nicht für alle Tumorarten. Einige Formen, wie etwa das Medulloblastom bei Kindern, sprechen allerdings gut auf eine Chemotherapie an. Medikamente, die die Zellteilung hemmen (Zyostatika) lassen sich als Tabletten, Infusion oder Injektion anwenden. Da sie ihre Wirkung im gesamten Körper entfalten, wird die Chemotherapie häufig auch systemische Therapie genannt. Obwohl sie hauptsächlich auf entartete Zellen wirken, werden auch gesunde Zellen durch Zyostatika beeinflusst. Daraus kann sich wie bei der Strahlentherapie eine Reihe von Nebenwirkungen ergeben:

  • Müdigkeit
  • Geschwächte Immunabwehr
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Magen-Darm-Störungen
  • Haarausfall
  • Schleimhautentzündungen

Auch hier verschwinden die Nebenwirkungen nach Ende der Therapie wieder vollständig.


Welchen Verlauf haben Hirntumoren?

Die Heilungschancen von Hirntumoren sind sehr unterschiedlich. Stadium, Art, Größe und Lage sind maßgeblich für den Verlauf. Besonderes Augenmerk liegt auf der Nachsorge. Tumorerkrankungen können immer wieder auftreten. Bei regelmäßigen Nachsorge-Untersuchungen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Neuerkrankungen frühzeitig entdeckt werden.


Wie kann man Hirntumoren vorbeugen?

Da die Ursachen von Hirntumoren nicht eindeutig geklärt sind, kann man ihnen nicht gezielt vorbeugen. Es empfiehlt sich aber, die bekannten Risikofaktoren zu umgehen. Dazu gehören vermehrte Strahlenbelastung und Umweltgifte. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und Bewegung unterstützt den Körper bei der Abwehr einer Vielzahl von Krankheiten.


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Quellen:
Die blauen Ratgeber der Deutschen Krebshilfe: Gehirntumoren. (Stand: November 2007)
Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft: Leitsymptome und Diagnostik der Hirntumoren im Kindes- und Jugendalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 025/022 (Stand: Dezember 2007)
Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.: www.krebsgesellschaft.de (Stand: Juni 2008)

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 10.08.2009
 
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