Hirsutismus (übermässiger Haarwuchs)
Typisches Merkmal
Typisches Merkmal des Hirsutismus ist das männliche
Behaarungsmuster bei Frauen, besonders die Gesichts- und
Schambehaarung betreffend , aber auch an den Brüsten,
Schultern, Brustbein. Davon abzugrenzen sind Behaarungen, die nicht
typische männliche Behaarungsmuster sind, wie an den
Unterschenkeln oder Unterarmen. Solche vermehrte Behaarungen werden
Hypertrichose genannt.
Es können in den Eierstöcken oder in der Nebennierenrinde vermehrt Androgenen produziert werden (selten liegt ein hormonproduzierender Tumor vor), oder zu geringe Produktion von Transporteiweiß. Auch dadurch ist mehr freies Androgen im Blut vorhanden. Außerdem kann auch eine vererbte Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber Androgenen eine Rolle spielen (hereditäre Form), die auch schwieriger zu behandeln ist.
Symptome
Je nach Ausprägung unterscheidet man
verschiedene Grade des Hirsutismus:
Im Vordergrund steht die hormonbedingte Ausbildung eines
männlichen Behaarungstyps bei der Frau: Oberlippe, Brust,
zipfelige Schambehaarung bis zum Nabel (H. 1. Grades), Kinn,
Backenbart, Innenseiten der Oberschenkel (H. 2. Grades), sowie
Handrücken, Gesäß, Schulter, Brustbein (H. 3.
Grades). Es kann auch zum Ausfall der Kopfhaare bis hin zur
Glatzenbildung (Alopezie) führen. Nicht selten ist diese
Störung vergesellschaftet mit Akne, der Bildung von Pusteln
und Papeln besonders im Gesicht und am Rücken und Seborrhoe,
einer verstärkten Absonderung der Hauttalgdrüsen
besonders im Kopfbereich. Schließlich kann es auch zu
allgemeinen Vermännlichungserscheinungen kommen
(Virilisierung): Vermehrung der Muskulatur, Vergrößerung
der Klitoris, Tieferwerden der Stimmen.
Diagnose
Zur Diagnostik ist der Nachweis zu
erbringen, ob tatsächlich eine Vermehrung des
Androgenanteiles, also eine endokrine Form des Hirsutismus
vorliegt. Dazu sind bestimmte Hormonuntersuchungen
notwendig, am wichtigsten: freies Testosteron und
DHEAS zur Androgendiagnostik, LH
/ FSH-Verhältis
zum Ausschluss von PCO-Syndroms,
Östradiol
zur Bestimmung der ovariellen Aktivität und TSH zur
Beurteilung der Schilddrüsenfunktion. Daneben ist eine
gynäkologische und allgemeinkörperliche Untersuchung
erforderlich. Oft wird auf diese aufwendige Diagnostik verzichtet
und bei Frauen ohne Kinderwunsch
auf Grund des äußeren Erscheinungsbildes eine Therapie
begonnen.
Therapie
Zur hormonellen Therapie des endokrinen
Hirsutismus eignen sich AntiandrogenPräparate z. B.
Cyproteronacetat (Androcur, Virilit) und Östradiol-Valerat in
der 2. Zyklushälfte. Bei vorhandenem Verhütungswunsch
wird zusätzlich die zyklische Einnahme von z.B. Diane 35
empfohlen. Daneben haben auch Valette, Ovosiston und Neo-Eunomin
eine antiandrogene Wirkung. Andere Kontrazeptiva sind bis zu einem
gewissen Grad auch wirksam , weil ihr Estrogenanteil indirekt
(über sexualhormonbindendes Globulin) freies Testosteron zu
binden vermag, besonders bei Akne und Seborrhoe. Als topische
Therapie kommen entsprechende Salben in Betracht. Die Behandlung
soll mindestens ein Jahr dauern. Erst dann ist eine Beurteilung des
Behandlungserfolges möglich.
Beim genetisch bedingten Hirsutismus kann diese Therapie auch versucht werden. Bleibt der gewünschte Effekt aus, helfen Rasur, Bleichen der Haare, Enthaarungscreme oder die mechanische Haarentfernung (Epilation). Gute Erfolge sind durch Elektroepilation und Lasertherapie erzielt worden. Dabei wird die Haarwurzel zerstört. Allerdings eignet sich diese Methode nicht für größere Flächen (Zeitfaktor). Zudem werden diese Behandlungen von den Kassen nicht getragen.
Autor: Qualimedic.com AG
Letzte Änderung am: 07.04.2008
