Tipp

Homöopathie - Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden!

Homöopathische Mittel werden in verschiedenen Formen eingenommen

Homöopathische Mittel werden in verschiedenen Formen eingenommen
(Quelle: PIXELIO/Leonora Schwarz)

Die Homöopathie ist ein medikamentöses Therapieprinzip, das durch den Mediziner Samuel Hahnemann (1755-1843) erforscht, belegt und verbreitet wurde. Die ganzheitliche Alternative zur Schulmedizin basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip: Similia similibus curentur! (Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden!). Es besagt, dass Krankheiten durch Wirkstoffe in geringer Dosis behoben werden können, die in hoher Dosis beim gesunden Menschen dasselbe Krankheitsbild hervorrufen würde. Die Homöopathie ist eine ganzheitliche Therapieform, bei der der Mensch als Ganzes betrachtet und behandelt wird und eine Behandlung, die sich nur auf die Symptome fokussiert, ausschließt. Homöopathische Medikamente werden eingesetzt, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu unterstützen und zu stärken.


Entstehung der Homöopathie

Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie, war ein großer Kritiker der Heilmethoden seiner Zeit. Er promovierte 1779 zum Doktor der Heilkunde, distanzierte sich jedoch später von den Ansichten der damaligen Schulmedizin so sehr, dass er sich gezwungen sah, seine Praxis als Mediziner aufzugeben. Sein Leben nach der Schulmedizin finanzierte er sich mit Übersetzungsarbeiten. Dabei stieß Hahnemann auf die Arbeit des schottischen Pharmakologen William Cullens, welcher die Wirkung von Chinarinde auf den menschlichen Organismus beschrieb und ihr eine heilende Kraft auf das Wechselfieber (Malaria) attestierte. Dieser Theorie Cullens wollte Hahnemann keinen Glauben schenken und so unternahm er Selbstversuche mit Chinarinde. In diesen Versuchen bemerkte Hahnemann, dass die Chinarinde bei ihm eine Schein-Malaria erzeugte und er folgerte im Umkehrschluss, dass die Chinarinde gegen eine echte Malariaerkrankung helfen müsse. Mit seinen ersten Selbstversuchen legte Hahnemann somit den Grundstein für die Homöopathie. Im Anschluss an diese Entdeckung führte er zahlreiche Versuche durch, in denen er Arzneien und deren krankheitserzeugende Wirkung untersuchte, die zugleich ihre Heilkraft bedeuteten. Mit der Formulierung des Ähnlichkeitsprinzips wird 1796 als das Geburtsjahr der Homöopathie bezeichnet. Die Gesetze der Homöopathie legte Hahnemann im 1810 erschienen "Organon der rationellen Heilkunde" fest.


Herstellung von Homöopathika

Die Herstellung von Homöopathika wird seit 200 Jahren nach dem gleichen Prinzip durchgeführt. Extrakte aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Stoffen werden entweder mit Alkohol oder Wasser verdünnt und geschüttelt oder mit Milchzucker verrieben. Dabei schwächt die Verdünnung die Wirkung nicht ab, sondern verstärkt sie. Dieses Verfahren wird als Potenzieren bezeichnet. Es gibt verschiedene Arten von Potenzen: die D-Potenzen werden jeweils in einem Verhältnis 1:10 verdünnt, C-Potenzen in einem Verhältnis 1:100 sowie LM- und Q-Potenzen in einem Verhältnis 1:50.000. So wird zum Beispiel für eine D-Potenz der Ausgangstoff (Urtinktur) im Verhältnis 1:10 verdünnt und mit einer festgelegten Anzahl an Schlägen geschüttelt. So entsteht die Potenz D1, welche wiederum für den nächsten Potenzierungsschritt der Ausgangsstoff ist.


Ablauf einer homöopathischen Behandlung

Eine homöopathische Behandlung beginnt immer mit einer umfangreichen Anamnese, die bis zu zwei Stunden dauern kann. Dabei lässt sich der Homöopath nicht nur das aktuelle Problem und den Verlauf der Krankheit schildern, sondern erfragt auch die allgemeinen Lebensumstände des zu Behandelnden wie Vorlieben, Abneigungen, Ängste, Essgewohnheiten, Beziehungsstatus und Erkrankungen in der Familie. Aus all diesen Informationen erstellt der Homöopath ein Krankheitsbild, welches zur Wahl des richtigen Medikaments führt.

Die Wahl des richtigen Homöopathikums beruht auf der Arzneimittelprüfung am gesunden Menschen und der Erhebung des individuellen Krankheitsbilds am kranken Menschen. Die Ähnlichkeitsregel greift, in dem ermittelt wird, welche Symptome löst ein Arzneimittel beim gesunden Menschen aus und wie weit finden sich diese Beschwerden bei einer erkrankten Person wieder. Je klarer sich diese Symptome im Arzneimittel abzeichnen, umso besser ist die homöopathische Prognose, die für die Heilung der Krankheit gestellt werden kann.

Beispiel für die Ähnlichkeitsregel: Eine rohe Zwiebel kann tränende und brennende Augen verursachen, aber in homöopathischer Form ein wirksames Mittel gegen Heuschnupfen sein.

Mit Beginn der Medikamenteneinnahme sollte der zu Behandelnde seine körperlichen Reaktionen verfolgen und darauf achten, ob sich die Symptome verschlimmern oder bessern. Bei Unsicherheiten sollte die Medikation nicht selber verändert, sondern der Homöopath befragt werden. Unter Umständen kann es im ersten Moment zu einer Erstverschlimmerung der Symptome kommen. Diese wird allerdings positiv gewertet, weil sie anzeigt, dass die Arzneimittelwahl die richtige ist. Die Erstverschlimmerung sollte aber nicht länger als wenige Stunden andauern und keine lebensbedrohlichen Zustände hervorrufen.


Anwendungsgebiete der Homöopathie

Die Homöopathie ist die ganzheitliche Alternative zur Schulmedizin und genauso vielfältig anwendbar. Homöopathika können eingesetzt werden zur Behandlung von organischen als auch seelischen Problemen, bei Infektionen oder Entzündungen, Erkältungen sowie zur Stärkung der Abwehrkräfte.

Einsatzgebiete der Homöopathie sind unter anderem:



Beispiele für homöopathische Wirkstoffe:

  • Sepia - Gemeiner Tintenfisch
  • Belladonna - Tollkirsche
  • China - Chinarindenbaum oder Fieberbaum
  • Coffea - Kaffee
  • Bryonia - Weiße Zaunrübe
  • Aconitum - Eisenhut
  • Phosphorus - Gelber Phosphor
  • Gelsemium - Gelber Jasmin
  • Nux vomica - Brechnuss
  • Sulfur - Schwefel
  • Carbo vegatabilis - Holzkohle
  • Cantharis - Spanische Fliege

Homöopathika gibt es in verschiedenen Darreichungsformen als Tropfen, Tabletten, Globuli, Injektionslösungen, Salben, Zäpfchen, Nasen- und Augentropfen. Medikamente mit niedrigen Potenzen bis D12 werden vorwiegend bei akuten Erkrankungen verwendet. Diese sind auch zur Selbstmedikation geeignet. Homöopathika mit hohen Potenzen ab D/C30 werden bei chronischen Erkrankungen eingesetzt. Diese sollten nicht in der Selbstmedikation verwendet werden, sondern nach ärztlicher Verschreibung und Aufsicht.


Komplikationen und Risiken der Homöopathie

Werden Homöopathika richtig verwendet, dann gehen von ihnen keine Gefahren aus. Zu beachten ist aber, dass es homöopathische Medikamente gibt, die aus einem giftigen Ausgangsstoff gewonnen werden. Diese sind von der Urtinktur bis einschließlich der Potenz D3 verschreibungspflichtig und müssen streng nach Anweisung eingenommen werden. Da homöopathische Tropfen meistens mit Alkohol verdünnt sind, dürfen diese nicht an Alkoholiker und Kinder verordnet werden. Das gleiche gilt für Menschen mit einer Laktoseintoleranz bei Homöoptahika in Tabletten- und Pulverform.


Alternativen: Homöopathie oder Schulmedizin?

Die meisten Erkrankungen werden in Deutschland nach schulmedizinischen Prinzipien behandelt. Die Homöopathie bildet aber als Therapiemöglichkeit in manchen Bereichen eine gute Alternative zur Schulmedizin. Jeder sollte für sich entscheiden, welcher medizinischen Behandlungsform er vertrauen möchte und was für die Wiederherstellung und Erhaltung der Gesundheit am geeigneten scheint. Die Schulmedizin ist der Homöopathie allerdings vorzuziehen, wenn Organe oder Organstrukturen schwer geschädigt sind, akute lebensbedrohliche Zustände auftreten, operationspflichtige Befunde vorliegen oder schwere psychiatrisch-neurologische Erkrankungen bestehen. In einigen Krankheitsbereichen, wie beispielsweise Krebserkrankungen, kann die Homöopathie die Schulmedizin jedoch gut ergänzen und wird auch häufig als komplementäre Therapiemethode eingesetzt.


Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen zum Thema Homöopathie im Expertenrat für Homöopathie auf der Gesundheitsberatung.

Quellen:
Steingassner, H. D.: Homöopathie verstehen - Eine Einführung in die allgemeine Homöopathie, Verlag Wilhelm Maudrich, Wien 1999
Proeller, S.: Grundmuster der Entwicklung in der klassischen Homöopathie, Institut für Entwicklung und Homöopathie, Rüsselsheim 2005
Walter de Gruyter (Hrsg.): Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter, Berlin 2007
Homöopathie - Die andere Sicht von Krankheit und Heilung, Ärztliche Allgemeine, Heft 8, 1995

 

Autor: Antje Fischer 
Letzte Änderung am: 09.09.2013
 
Tipp