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Hyperhidrose (Übermäßiges Schwitzen)

Übermäßiges Schwitzen kann bei Betroffenen zu Stress führen

Übermäßiges Schwitzen kann bei Betroffenen zu Stress führen
(Quelle: DAK/Egel)

Unter Hyperhidrose versteht man vermehrtes Schwitzen, das weit über das normale Maß hinausgeht. Vom Betroffenen wird die Hyperhidrose als sehr unangenehm und störend empfunden.

Die primäre Hyperhidrose bezeichnet das übermäßige Schwitzen ohne zugrunde liegende Erkrankung. Die sekundäre Hyperhidrose tritt dagegen als Folge oder Symptom einer anderen Erkrankung auf.

Zur Häufigkeit der Hyperhidrose gibt es keine genauen Angaben. Frauen und Männer sind Schätzungen zufolge etwa gleich häufig betroffen.


Wie entsteht die Hyperhidrose?

Bei der primären Hyperhidrose ist keine genaue Ursache bekannt. Sie wird auch als idiopathische Hyperhidrose bezeichnet.

Unterschiedliche Erkrankungen können die vermehrte Neigung zum Schwitzen mit sich bringen. Schwankungen der Hormone und anderer Botenstoffe führen häufig zur sekundären Hyperhidrose. Beispielsweise bei starkem Übergewicht, im Rahmen der Wechseljahre oder bei einer Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) kommt es zu diesen Schwankungen. Auch Botenstoffe produzierende Tumoren wie das Phäochromozytom der Nebenniere können Ursache für vermehrtes Schwitzen sein.

Medikamente können als Nebenwirkung starkes Schwitzen hervorrufen oder begünstigen. Ebenso führen starke psychische Belastung, Angst und Stress häufig zur Hyperhidrose.

Im Rahmen einiger vor allem neurologischer Erkrankungen kommt es zusätzlich zur vermehrten Produktion von Talg in den Talgdrüsen und so zum öligen Schwitzen (Seborrhoe oder Hyperhidrosis oleosa). Vor allem bei der Parkinson-Krankheit tritt dieses Symptom häufig auf.


Wie wird die Hyperhidrose festgestellt?

Die Diagnose der Hyperhidrose wird in erster Linie durch ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Betroffenem (Anamnese) gestellt. Wichtig ist insbesondere auch, ob die Hyperhidrose am gesamten Körper (generalisiert) oder nur an bestimmten Stellen wie den Händen oder Füßen auftritt. Außerdem erfolgt beim Arzt eine vollständige körperliche Untersuchung.

Zum Ausschluss von Grunderkrankungen als Ursache für das vermehrte Schwitzen können verschiedene Untersuchungen notwendig werden. Blut- und Urinuntersuchungen geben Aufschluss über die Konzentration verschiedener Hormone und Botenstoffe im Körper. Eine Überfunktion der Schilddrüse kann so beispielsweise ausgeschlossen werden, ebenso wie Tumoren, die Botenstoffe produzieren.

Wenn die genaue Schweißmenge festgestellt werden soll, die pro Minute produziert wird, kann eine Gravimetrie durchgeführt werden, bei welche die Schweißbildung auf einem saugfähigen Filterpapier nachgewiesen. Beim so genannten Jod-Stärke-Test werden durch ein Färbungsverfahren die Hautareale, in denen am meisten Schweiß gebildet wird, sichtbar gemacht.


Wie kann man die Hyperhidrose behandeln?

Liegt eine Erkrankung als Ursache für die Hyperhidrose vor, so sollte die Grunderkrankung behandelt werden. Beispielsweise kann eine Überfunktion der Schilddrüse mit Medikamenten behandelt werden, sodass in der Folge auch eine Normalisierung der Schweißproduktion eintritt.

So genannte Anti-Transpirantien enthalten Aluminiumverbindungen und unterdrücken die Schweißproduktion in geringem Grad. Sie werden vor allem als Deodorant oder Fußspray angewendet.

Vorwiegende Hyperhidrose an Händen und Füßen kann bei hierauf spezialisierten Ärzten mit der Leitungswasser-Iontophorese behandelt werden. Hierbei wird Leitungswasser auf die Haut aufgebracht und die darin enthaltenen Ionen über Elektroden, durch die Strom fließt, unter die Haut geschleust. Die Schweißproduktion kann so gehemmt werden. Das Einspritzen von Botulinumtoxin unter die Haut kann bis zu sechs Monate lang eine deutliche Minderung der Schweißproduktion bewirken. Es handelt sich hierbei um ein Nervengift, das in sehr geringen Mengen von spezialisierten Ärzten verabreicht wird. Die Kosten für diese Behandlung werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

In einigen Fällen kann die operative Entfernung der Schweißdrüsen beispielsweise in der Achselhöhle (Axilla) zur Minderung der Schweißproduktion führen. Die Operation kann über einen relativ großen Schnitt erfolgen (Exzision) oder aber über kleine Einschnitte und anschließendes Auskratzen beziehungsweise Absaugen der Schweißdrüsen (Kürettage oder Saug-Kürettage).

Die Anteile des so genannten sympathischen Nervensystems, welche die Schweißproduktion steuern, können operativ durchtrennt werden (Sympathikolyse).Die operativen Verfahren führen jedoch nicht selten zu Komplikationen und nicht immer zum Erfolg.

Autogenes Training lindert häufig eine Hyperhidrose.


Wie verläuft die Hyperhidrose?

Der Verlauf der Erkrankung an Hyperhidrose hängt ganz wesentlich von der Ursache ab. Wird die Ursache beseitigt beziehungsweise behandelt, kann die Hyperhidrose geheilt werden. Die Behandlung der idiopathischen Hyperhidrose gestaltet sich häufig schwierig. Das vermehrte Schwitzen kann durch die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten deutlich gemindert, jedoch häufig nicht ganz beseitigt werden.

Komplikation der Hyperhidrose ist in erster Linie die Besiedlung der Haut durch Pilze (Dermatophytose), die durch die fortwährende Feuchtigkeit begünstigt wird. Auch die psychosozialen Folgen der Hyperhidrose sind nicht zu unterschätzen.


Wie kann man vorbeugen?

In begrenztem Umfang kann der Hyperhidrose durch Anti-Transpirantien, welche die Schweißproduktion hemmen, vorgebeugt werden. Der Arztbesuch bei der Entwicklung einer Hyperhidrose ist wichtig, um die notwendige Diagnostik und Therapie frühzeitig einleiten zu können.


Sie haben weitere Fragen zu diesem Thema? Dann wenden Sie sich doch an die Experten der Hausarzt-Expertenrat.

Quellen:
Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG): Definition und Therapie der primären Hyperhidrose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/059 (Stand: Februar 2007)
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2004
Gesenhues, S., Ziesché, R: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2003
Mader, F.H., Weißgerber H.: Allgemeinmedizin und Praxis. Springer, Berlin 2003

 

Autor: Dr. med. Ulrike Henning 
Letzte Änderung am: 21.10.2008
 
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