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Unterzuckerung nach der Geburt (neonatale Hypoglykämie)

Besonders bei Frühgeborenen besteht die Gefahr einer Unterzuckerung

Besonders bei Frühgeborenen besteht die Gefahr einer Unterzuckerung
(Quelle: BananaStock)

Von einer Unterzuckerung nach der Geburt (neonatale Hypoglykämie) spricht man, wenn der Blutzucker des Neugeborenen auf 35 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) absinkt. Der Glukosegehalt im Nabelschnurblut entspricht zirka 70 Prozent des Gehalts im mütterlichen Blut. Nach der Geburt sinkt dieser Wert zunächst auf etwa 50 bis 60 mg/dl und steigt ab dem dritten Tag wieder an. Die Häufigkeit einer Hypoglykämie nach der Geburt hängt vom Geburtsgewicht und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Neugeborenen ab. Bei gesunden Neugeborenen beträgt die Häufigkeit einer Hypoglykämie zwei bis vier Prozent, bei Frühgeborenen fünf bis zehn Prozent und bei Neugeborenen mit einer Mangelversorgung und Zwillingen mit verringertem Wachstum bis zu 20 Prozent.


Wie wird eine neonatale Hypoglykämie verursacht?

Es gibt mehrere mögliche Ursachen für den Abfall des Blutzuckerspiegels bei einem Neugeborenen. Zwei grundlegende Mechanismen werden jedoch zunächst unterschieden: Zum einen der nach der Geburt erhöhte Verbrauch von Glukose und zum anderen die mangelnde Glukosezufuhr.

Ein erhöhter Verbrauch von Glukose wird unter anderem durch eine Diabetes-Erkrankung der Mutter, erhöhten Sauerstoffbedarf oder Unterkühlung (Hypothermie) des Kindes verursacht oder tritt bei Neugeborenen auf, die an Nährstoffmangel leiden. Zu einem erhöhten Sauerstoffbedarf kann es zum Beispiel durch das Atemnotsyndrom kommen. Wenn das Neugeborene eine Austauschtransfusion erhalten muss, kann es ebenfalls zu einem erhöhten Glukoseverbrauch kommen.

Eine Unterzuckerung durch mangelnde Glukosezufuhr kann durch einen verzögerten Fütterungsbeginn, fehlende Glykosereserven, eine Fehlfunktion der Plazenta oder Stressmomente während der Geburt entstehen. Solch eine Stresssituation führt zu einer erhöhten Adrenalinausschüttung, welcher wiederum einen Glukoseverbrauch nach sich zieht.


Welche Symptome gibt es bei einer Unterzuckerung nach der Geburt?

Bei einer Hypoglykämie nach der Geburt kommt es selten zu deutlichen Symptomen, das heißt, die Erkrankung verläuft meist asymptomatisch. In einigen Fällen kann es bei dem betroffenen Neugeborenen zu unklaren Anzeichen wie Zittrigkeit, Unruhe oder Krampfanfällen kommen. Ebenso ist ein apathisches Erscheinungsbild in Verbindung mit Atemnot möglich.


Wie wird die Diagnose der neonatalen Hypogöykämie gestellt?

Eine neonatale Hypoglykämie äußert sich selten durch genaue Symptome, daher wird der niedrige Blutzuckerspiegel meist bei Risikofällen wie Frühchen und Kindern von Müttern mit Diabetes mellitus vorbeugend kontrolliert. Dafür wird dem betroffenen Säugling in der ersten Stunde nach der Geburt Blut entnommen und dessen Glukosegehalt geprüft. Zur Sicherheit wird eine zweite Kontrolle durchgeführt, bevor Mutter und Kind in die Wochenbettstation verlegt werden.


Wie wird eine neonatale Hypoglykämie behandelt?

Bei einer Unterzuckerung nach der Geburt ist es wichtig, zunächst den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren. Dazu wird im ersten Schritt eine 20-prozentige Glukoselösung in der Dosis von 0,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht. Anschließend erfolgt über eine Infusion die kontinuierliche Gabe einer 10-prozentigen Lösung in der Dosis von 0,3 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde.

Wenn dadurch der Blutzucker nicht stabilisiert werden kann und er weiterhin niedrig bleibt (persistierende Hypoglykämie), wird das Neugeborene mit dem Hormon Glukagon behandelt, welches die Glukoseausschüttung der Leber anregt. Nach einer solchen Behandlung wird die Glukoseinfusion eine Zeit lang fortgeführt, bis sich der Blutzuckerspiegel stabilisiert hat.

Der Blutzuckerspiegel des Neugeborenen wird während dieser Therapie regelmäßig überprüft.


Wie ist der Verlauf bei einer Unterzuckerung nach der Geburt?

Ist ein Neugeborenes von einer Unterzuckerung betroffen, sinkt der Blutzuckerspiegel 24 bis 72 Stunden nach der Geburt auf ein kritisches Maß ab. Selten geschieht dieser Abfall zwischen dem dritten und siebten Lebenstag. Bei einer neonatalen Hypoglykämie, welche ohne Symptome verläuft, kann es zu bleibenden Hirnschäden kommen. Jedoch ist die Prognose für eine Stabilisierung des Blutzuckerspiegels gut. Wenn eine Hypoglykämie frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt wird, können bleibende Hirnschäden verhindert werden.

Eine mögliche Komplikation während einer neonatalen Hypoglykämie ist ein Abfall des Kalziumgehalts im Blut (Hypokalzämie). Sobald eine Hypoglykämie bekannt ist, sollten daher regelmäßig die Elektrolytwerte des betroffenen Säuglings kontrolliert werden. Sollte es zu einer Hypokalzämie kommen, wird Kalziumglukonat per Infusion verabreicht.


Kann man einer neonatalen Hypoglykämie vorbeugen?

Einer neonatalen Hypoglykämie kann man nicht vorbeugen. Bei Risikosäuglingen sollte jedoch ab der ersten Stunde nach der Geburt der Blutzuckerspiegel kontrolliert werden, um frühzeitig handeln zu können, falls der Glukosegehalts unter 30mg/dl sinkt und so bleibende Schäden zu vermeiden.

Quellen:
Herold, G. (Hrsg.): Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2007
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007
Sitzmann, F.C.: Pädiatrie, Thieme, Stuttgart 2007

 

Autor: Sarah Liebigt 
Letzte Änderung am: 17.11.2008
 
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