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Hypophosphatasie

Hypophosphatasie bringt in schweren Fällen eine erhöhte Knochenbrüchigkeit mit sich

Hypophosphatasie bringt in schweren Fällen eine erhöhte Knochenbrüchigkeit mit sich
(Quelle: Pixelio/Krümel)

Hypophosphatasie ist eine seltene, erblich bedingte Erkrankung des Knochenstoffwechsels. Der Begriff Hypophosphatasie setzt sich aus der Vorsilbe "hypo" (griechisch: unter) und "Phosphat" zusammen. Er beschreibt eine Unterversorgung mit Phosphat, die unter anderem zu Knochenbrüchen, Skelettdeformitäten und dem Verlust von Zähnen führen kann. Ursache ist die verminderte Aktivität eines Enzyms, das eine wichtige Rolle bei der Mineralisation der Knochen spielt.

Man unterscheidet sieben Formen der Hypophosphatasie:


  • Perinatale Hypophosphatasie
  • Milde perinatale Hypophosphatasie
  • Frühkindliche (infantile) Hypophosphatasie
  • Kindliche (adoleszente) Hypophosphatasie
  • Erwachsene Hypophosphatasie
  • Odontohypophosphatasie
  • Pseudohypophosphatasie

In Deutschland gibt es einige Dutzend Fälle von schwer ausgeprägter Hypophosphatasie. In den USA geht man davon aus, dass etwa eines von 100.000 Neugeborenen von Hypophosphatasie mit schwerer Ausprägung betroffen ist, die Erkrankung in schwächeren Formen aber häufiger vorkommt.

Die perinatale Form ist tödlich für das Ungeborene, bei der frühkindlichen Hypophosphatasie kommt es in etwa der Hälfte der Fälle zum Tod des Kindes. Hypophosphatasie betrifft Personen beider Geschlechter gleichermaßen und tritt in jeder Alterstufe auf, wobei die Krankheit mit zunehmendem Alter meist schwächer ausgeprägt ist.


Hypophosphatasie ist erblich bedingt

Hypophosphatasie ist eine Erbkrankheit. Die Symptome werden durch eine verminderte Aktivität des Enzyms TNSALP (gewebe-unspezifische alkalische Phosphatase) verursacht. TNSALP spaltet anorganisches Pyrophosphat zu Phosphat, das sich mit Kalzium zu Kalziumphosphat verbindet. Kalziumphosphat sorgt für die Mineralisation der Knochen und macht sie stabil.

Durch die verminderte Aktivität des Enzyms kommt es zu einem Mangel an Kalziumphosphat und einem Überschuss an Pyrophosphat. Der Kalziumphosphatmangel führt zu einer gestörten Mineralisation der Knochen. Überschüssiges Pyrophosphat kann sich außerhalb der Osteoblasten (Knochenzellen) mit Kalzium verbinden und sich in Gelenken, Muskulatur, Arterien und Nieren ablagern, wodurch weitere gesundheitliche Schäden hervorgerufen werden.


Wie äußert sich Hypophosphatasie?

Hypophosphatasie äußert sich bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen auf unterschiedliche Weise. Die Krankheit zeigt eine Reihe von Symptomen, wobei in der Regel nicht alle parallel auftreten.

Symptome bei Säuglingen

Symptome bei Kindern

  • Appetitlosigkeit/Übelkeit
  • Atemwegserkrankungen
  • Früher Verlust der Milchzähne
  • Gedeihstörungen
  • Knochenbrüchigkeit
  • Knochenentzündungen
  • Minder- oder Kleinwuchs
  • Muskelschwäche
  • Nierenfunktionsstörungen oder Nierensteine
  • Schmerzen
  • Verbiegungen der Knochen
  • Verdauungsprobleme
  • Verspätetes Laufen
  • Watschelnder Gang

Symptome bei Erwachsenen

  • Arthrose-ähnliche Symptome
  • Frakturen oder Ermüdungsbrüche
  • Knochenentzündungen
  • Nackensteifigkeit/Pseudo-Meningitis
  • Nierenfunktionsstörungen oder Nierensteine
  • Pseudogicht
  • Schmerzen
  • Schnelle Ermüdung beim Gehen
  • Zahnverlust

Wie wird Hypophosphatasie diagnostiziert?

Hypophosphatasie kann durch die Messung der Konzentration folgender Stoffe diagnostiziert werden:


  • Alkalische Phosphatase (AP): niedrige Werte im Blut
  • Phosphoethanolamin (PEA): erhöhte Werte im Blut und Urin
  • Anorganisches Pyrophosphat (PPi): erhöhte Werte im Blut und Urin
  • Pyridoxal-5-Phosphat (PLP): erhöhte Werte im Blut

Auch die Messung der AP-Blutwerte in der direkten Verwandtschaft des Betroffenen kann hilfreich für die Diagnose von Hypophosphatasie sein.

Eine weitere Möglichkeit die Krankheit festzustellen, bietet die gezielte Untersuchung des TNSALP-Gens. Dabei wird jener Abschnitt des Erbguts untersucht, der für die Produktion des TNSALP-Enzyms benötigt wird. Finden sich Veränderungen in diesem Bereich, kann so der Verdacht auf das Vorliegen von Hypophosphatasie bestätigt werden.


Gibt es Therapiemöglichkeiten?

Eine Möglichkeit zur Therapie von Hypophosphatasie gibt es bislang nicht. Durch verschiedene vorbeugende Maßnahmen können aber einige der Symptome gelindert und der Verlauf der Krankheit beeinflusst werden.

Schmerzen können durch die Einnahme von Schmerzmitteln verringert werden. Zur Stärkung des Skeletts kann die Muskulatur mithilfe sanfter Krankengymnastik aufgebaut werden. Sportliche Aktivitäten sollten mit einem Arzt abgesprochen werden. Bei Betroffenen mit stark ausgeprägter Hypophosphatasie empfiehlt es sich, Stöße und Stürze unbedingt zu vermeiden.

Die Gefahr von Fehldiagnosen bei Hypophosphatasie

Da Hypophosphatasie sehr selten vorkommt und bislang relativ wenig über die Krankheit bekannt ist, kann es leicht zu Fehldiagnosen kommen. Therapiemaßnahmen, die bei anderen Knochenkrankheiten zum Einsatz kommen, können die Situation von Hypophosphatasie-Betroffenen sogar verschlimmern.

Daher sollte beispielsweise die Zugabe von Vitamin D im Kindesalter immer mit einem Spezialisten abgesprochen werden. Eine andere Erkrankung des Knochenstoffwechsels, die Rachitis, wird durch eine hochdosierte Vitamin D-Therapie behandelt. Eine mögliche Fehldiagnose von Rachitis sollte also ausgeschlossen werden, da eine zu hohe Vitamin D-Dosis bei betroffenen Kindern eine schwere Hyperkalzämie verursachen kann.

Auch die Einnahme von Kalzium sollte nur in Abstimmung mit Fachärzten für Knocherkrankungen durchgeführt werden. Aus dem gleichen Grund sollten kalziumreiche Nahrungsmittel wie Milchprodukte nur in Abhängigkeit des Blut-Kalziumspiegels verzehrt werden. Dieser sollte deshalb regelmäßig kontrolliert werden.


Wie ist der Verlauf von Hypophosphatasie?

Der Verlauf ist abhängig von der Form der Hypophosphatasie.

Perinatale Hypophosphatasie

Bei der perinatalen Hypophosphatasie ist die Mineralisation der Knochen des ungeborenen Kindes merklich beeinträchtigt. Einige Neugeborene mit perinataler Hypophosphatasie überleben wenige Tage. Meistens kommt es jedoch bereits vor der Geburt zum Tod des Kindes.

Milde (benigne) perinatale Hypophosphatasie

In der milden Form der perinatalen Hypophosphatasie kommt es im letzten Drittel der Schwangerschaft zu einer Verbesserung der zuvor aufgetretenen Symptome, wie Verkürzungen oder Verkrümmungen der Gliedmaßen.

Frühkindliche (infantile) Hypophosphatasie

Kinder, die von der frühkindlichen Form der Hypophosphatasie betroffen sind, können bei der Geburt gesund erscheinen. Die Anzeichen der infantilen Hypophosphatasie zeigen sich dann erst innerhalb der sechs ersten Lebensmonate. Diese können sein:


  • Atemkomplikationen aufgrund eines missgebildeten Brustkorbs
  • Vorzeitige Verknöcherung der Schädelnähte (Kraniosynostose)
  • Erhöhte Reizbarkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Untergewicht, Muskelschwäche, ausbleibender Durst (Polydipsie), erhöhte Urinausscheidung (Polyurie), Dehydrierung und Verstopfung (Obstipation) infolge des Kalziumüberschusses (Hyperkalzämie)
  • Häufiges Schreien aufgrund von Schmerzen
  • Nierenschäden durch eine erhöhte Ausscheidung von Kalzium
  • Verzögertes Wachstum

Etwa 50 Prozent der betroffenen Kinder sterben. Bei den Kindern, die überleben, kommt es oft zu einer spontanen Verbesserung der Knochen-Mineralisation und einem Abklingen der Probleme. Ausgenommen davon ist die vorzeitige Verknöcherung der Schädelnähte (Kraniosynostose). Langzeitfolgen können Kleinwüchsigkeit im Erwachsenenalter und der Verlust der Milchzähne noch vor dem fünften Lebensjahr sein. Außerdem beginnen betroffene Kinder oft verspätet zu krabbeln oder zu laufen.

Kindliche (adoleszente) Hypophosphatasie

Die kindliche Hypophosphatasie zeigt sich oft erst innerhalb des ersten Lebensjahres oder später. Die betroffenen Kinder sind meist kleinwüchsig, lernen verzögert Krabbeln oder Laufen und verlieren verfrüht ihre Milchzähne. Weiterhin zeigen sich oft Skelettdeformitäten wie ein verlängerter Kopf oder Störungen an den Gelenken. Ein watschelnder Gang, O- oder X-Beine können die Folge sein. Wie bei der frühkindlichen Form der Hypophosphatasie, haben auch Betroffene der adoleszenten Form wenig Appetit und leiden unter Übelkeit und Knochenschmerzen. Auch hierbei kann es zu einer spontanen Verbesserung der Symptome kommen, jedoch kehrt die Krankheit oft im mittleren oder späten Erwachsenenalter zurück.

Erwachsene Hypophosphatasie

Bei Erwachsenen tritt die Krankheit meistens im mittleren Alter auf. Die ersten Anzeichen sind häufig Müdigkeit in den Beinen sowie Fuß- oder Oberschenkelschmerzen infolge von Ermüdungsbrüchen. Im weiteren Verlauf kommt es bei Betroffenen oft zu Pseudogicht oder Arthrose. Viele Erkrankte berichten nachträglich von einem verfrühten Ausfallen der Milchzähne im Kindesalter.

Odontohypophosphatasie

Bei der Odontohypophosphatasie kommt es zu einem vorzeitigen Ausfall der Michzähne und/oder zu schwerem Zahnkaries. Skelettdeformitäten oder andere Begleiterscheinungen treten in der Regel nicht auf. Die labordiagnostischen Werte ähneln denen von Betroffenen der kindlichen und erwachsenen Form in schwacher Ausprägung.

Pseudohypophosphatasie

Die Pseudohypophosphatasie ist eine seltene Form der Hypophosphatasie, die im Prinzip der infantilen Hypophosphatasie gleichkommt. Die AP-Werte in der Laboruntersuchung sind hierbei jedoch normal oder leicht erhöht.


Kann man Hypophosphatasie vorbeugen?

Da Hypophosphatasie erblich bedingt ist, gibt es keine Möglichkeit vorzubeugen. Es gibt aber eine Reihe verschiedener Maßnahmen, durch die einige Symptome gelindert, und der Verlauf der Krankheit beeinflusst werden können.

Wenn Knochenbrüche auftreten, müssen besondere Maßnahmen eingeleitet werden, da die Knochenheilung bei Hypophosphatasie stark beeinträchtig ist und sehr lange dauern kann.

Eine regelmäßige und langfristige Laboruntersuchung der Blutwerte kann dabei helfen, auf Veränderungen im Krankheitsverlauf zu reagieren.


Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen zum Thema Hypophosphatasie in der Hausarzt-Expertenrat.

Quellen:
Mornet, E.: Hypophosphatasia, Orphanet Journal of Rare Diseases, Oktober 2007
Online-Informationen des Hypophosphatasie Deutschland e.V. (HPP e.V.), Würzburg, www.hpp-ev.de (Stand Januar 2009)
Plotkin H, Anadiotis GA.: Hypophosphatasia, eMedicine Journal, Mai 2008

 

Autor: Christian Emmerling 
Letzte Änderung am: 07.04.2010
 
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