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Hormonstäbchen

Implanon gehört zu den hormonellen Empfängnisverhütungsmitteln, welche als Depotpräparate verabreicht werden.

Wirkung von Implanon
In einem dünnen und mehrere Zentimeter langen Kunststoffstäbchen ist der Wirkstoff in besonderer Weise eingebracht. Der Wirkstoff ist Etonorgestrel, ein Gelbkörperhormon (Gestagen). Dieses Hormon kommt seit langem in einer Reihe von Pillen zur Anwendung. Nach der Implantation des Kunststoffstäbchens unter die Haut an der Innenseite des Oberarms wird der Wirkstoff in sehr geringen Dosen in den Organismus freigesetzt. Die Wirkung des Präparats besteht darin, dass der Zervixschleim verändert wird und somit
1. die Wanderung der Spermien erschwert wird und
2. der Schleimpfropf im Gebärmutterhals für Spermien undurchlässig bleibt.
Darüber hinaus wird der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut unterdrückt und bei etwa der Hälfte der Anwenderinnen der Eisprung gehemmt.

Einsetzen und Entfernen von Implanon
Das Einsetzen des Kunststoffstäbchens erfolgt in einem kleinen kurzen Eingriff unter örtlicher Betäubung. Um die Bildung eines Ödems zu verhindern, wird über das Wundpflaster ein Druckverband angelegt, der nach etwa einem Tag entfernt werden kann. Das Implantat kann jederzeit mit Hilfe eines genau so kleinen Eingriffs wie beim Einsetzen entfernt werden.

Nebenwirkungen
Der Hersteller gibt an: "Die möglichen Nebenwirkungen entsprechen im wesentlichen denen der normalen Pille mit den entsprechenden Wirkstoffen." Sie seien dennoch im wesentlichen noch einmal aufgeführt:

  • Periode
    Es kann zu Blutungsanomalien kommen. Sowohl extrem starke Blutungen sind beobachtet worden, Schmierblutungen, als auch Unregelmäßigkeiten des Zyklus bis hin zum Ausbleiben der Menstruation.

  • Kopfschmerzen
    Es wird von leichten bis sehr schweren Kopfschmerzen im Zusammenhang mit Implanon berichtet.

  • Sehstörungen
    Es wird von extremen Sehstörungen im Zusammenhang mit Implanon berichtet.

  • Spätere Empfängnis
    Einige Tage nach dem Entfernen des Implantats ist die Fähigkeit, schwanger zu werden, in keiner Weise beeinträchtigt.

  • Haarausfall
    Vermehrter Haarausfall unter Implanon wurde beobachtet.

  • Lebertumore
    Das Risiko für Lebertumore steigt bei der Benutzung von Implanon.

  • Libidoverlust
    Es wurde von Libidoverlust unter Implanon berichtet.

  • Zysten
    Es wurde eine vermehrte Zystenbildung unter Implanon beobachtet.

  • Gewicht
    Es wurden bei einigen Frauen der Studie Gewichtszunahmen beobachtet, die sich aber im Rahmen der bei den sonstigen Pillen beobachteten hielten.

  • Thrombosen / Blutdruck
    Der Hersteller gibt an: "Es wurde keine erhöhte Thrombosegefahr festgestellt." Eine Patientenvereinigung berichtet, dass der Blutdruck sich unter Einfluss von Implanon erhöhen kann und ein erhöhtes Herzinfarktrisiko besteht.

  • Hautveränderungen
    Bei Frauen, die vor der Anwendung unter Akne litten, wurde in zahlreichen Fällen über eine Besserung berichtet. In seltenen Fällen kam es dagegen zum Auftreten einer Akne.

  • Infektionsgefahr
    Die Stelle, an der Implanon unter die Haut eingepflanzt wurde, kann sich entzünden.

  • Entfernen des Implanon
    Es kann problematisch werden, das Implanon zu entfernen.

Vorteile:
Langzeit-Empfängnisverhütung, die mindestens für drei Jahre sicher ist. Da Implanon keine Östrogene enthält, ist es auch für Frauen geeignet, die keine Östrogenpräparate einnehmen können. Implanon kann jederzeit entfernt werden. Senkt möglicherweise das Risiko von Gebärmutterkrebs.

Sicherheit
Der Pearl - Index von Implanon ist nach den bisherigen Studien des Herstellers (!) = 0.

Im deutschsprachigen Raum ist es bereits in Österreich und der Schweiz erhältlich. In Deutschland ist Implanon seit Mitte Juni 2000 auf dem Markt und ist über die Frauenärzte erhältlich.

Norplant, der Vorgänger von Implanon
1991 wurde Norplant (ebenfalls Hormonstäbchen, die unter die Haut implantiert werden, aber einen etwas anderen Wirkstoff haben) erstmals vorgestellt und Ende 1992 war Norplant in 27 Ländern zugelassen und auf dem Markt. Bis Ende 1992 haben etwa 1,8 Millionen Frauen weltweit Norplant implantiert bekommen. Norplant wurde besonders jungen Mädchen empfohlen, bei denen eine Schwangerschaft relativ sicher vermieden werden sollte. Zur ethischen Diskussion führte 1994 das Gerichtsverfahren eines Teenagers, die ihre Eltern verklagte, weil sie ihr Norplant vom Arzt haben einpflanzen lassen.
Frauen, die von den unerwünschten Nebenwirkungen von Norplant in hohem Masse betroffen waren, gingen Mitte der 90er Jahre vor Gericht. Die Verfahren erreichten 1996 einen Höhepunkt, als mehr als 50.000 Frauen gegen den Hersteller klagten. Sie klagten Norplant an, für Tumore, Blutungen und langfristige bzw. immerwährende Unfruchtbarkeit verantwortlich zu sein. Die Frauen wollten unter anderem erreichen, dass das Produkt vom Markt zurückgezogen wird. Die Verfahren sind noch nicht abschließend entschieden.
In Großbritannien wurde Norplant mittlerweile vom Markt genommen.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 17.09.2007
 
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