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Implantate: Chirurgische Implantation (Einbringung)

Camlog LogoIm Folgenden wird die Vorgehensweise anhand eines zweizeitigen, gedeckt einheilenden Implantatsystems mit angerauter Oberfläche besprochen. Nach der Freilegung wird der Implantatpfosten im Implantatkörper über eine Konusverbindung fixiert, was eine hohe Stabilität gewährleistet.

Es versteht sich von selbst, dass der Eingriff nicht immer stereotyp verläuft. Zum einen unterscheiden sich die Patienten, zum anderen gibt es auch Unterschiede, je nachdem, ob beispielsweise ein Einzelzahn durch ein Implantat ersetzt wird, eine Vielzahl von Implantaten in einen teilbezahnten Kiefer gesetzt wird oder aber eine Implantation in einem zahnlosen Kiefer zum besseren Prothesenhalt vorgenommen wird. Auch die Frage, ob ein knöchernes Implantatlager ergänzt oder neu aufgebaut werden muss, ist von Bedeutung.

Grundsätzlich aber lässt sich eine chirurgische Implantation in drei Phasen einteilen, nämlich

die Einbringung des Implantats

die Zeit nach der Behandlung

die Freilegungsoperation

Selten kommt es zu Komplikationen, mehr dazu lesen Sie hier.

Nicht alle Zahnärzte führen in ihrer Praxis Implantationen durch, einen Spezialisten in Ihrer Nähe finden Sie über unsere extra dafür eingerichteten Zahnarztsuche.


Die Einbringung des Implantats

Camlog LogoGrundsätzlich werden Implantationen routinemäßig unter sterilen Bedingungen durchgeführt, um eine höchstmögliche Keimfreiheit zu gewährleisten.

Normalerweise erfolgt der Eingriff völlig schmerzfrei in lokaler Betäubung. Bei ausgedehnteren Implantationen und/oder größeren begleitenden operativen Maßnahmen kann eine kontrollierte Sedierung oder eine Intubationsnarkose indiziert sein. Sobald die Betäubung wirkt, wird das Zahnfleisch vorsichtig eröffnet. Mit exakt aufeinander abgestimmten Vorbohrern wird möglichst schonend das Implantatbett im Knochen präpariert. Dies geschieht unter ständiger steriler Wasserkühlung, um eine Erhitzung und Schädigung des Knochens zu vermeiden. Zahlreiche Implantatsysteme verwenden deshalb innengekühlte Bohrer.

Hier kommt die Operationsschablone zum Einsatz, mit deren Hilfe die zuvor am Modell ermittelte Position auf den Kiefer übertragen wird. Das entsprechende Implantat wird ausgewählt und vorsichtig eingeschraubt. Der Chirurg überprüft den festen Sitz, man spricht von primärer Stabilität, welche für die Osseointegration von ausschlaggebender Bedeutung ist. Anschließend wird das Zahnfleisch vernäht. Es erfolgt ein Abschlussröntgenbild zur Kontrolle und Dokumentation des Ergebnisses.

Verhaltensanweisungen für die Zeit nach dem Eingriff werden mit dem Patienten besprochen und auch schriftlich mitgegeben. Der Patient erhält die nötige Medikation und einen Kontrolltermin. Auffällig ist der im Vergleich mit anderen zahnchirurgischen Eingriffen geringe Bedarf an Schmerzmitteln. Nach 8-10 Tagen können die Fäden gezogen werden.


Verschiedene Einbringungsmethoden

Camlog LogoDas Ziel einer jeden Implantation ist die so genannte Osseointegration, eine gelungene Einheilung. Das Implantat steht hierbei stabil in direktem Kontakt zum Kieferknochen. Um eine möglichst eine sichere Osseointegration zu gewährleisten, lässt man die Implantate in der Regel eine bestimmte Zeit unterhalb der Schleimhaut im Kieferknochen einheilen. Diese Zeitspanne beträgt im Unterkiefer drei und im Oberkiefer sechs Monate. Man spricht hierbei von gedeckter Einheilung oder zweizeitigem Vorgehen. Zweizeitig deshalb, weil die Implantate in einem kleinen zweiten Eingriff freigelegt werden müssen, damit sie anschließend die Schleimhaut überragen und mit der Suprakonstruktion versorgt werden können.

Im Folgenden werden wir immer von einer gedeckten Einheilung oder zweizeitigem Vorgehen ausgehen.

Verschiedene Methoden sind möglich
Wissenschaft und Medizin entwickeln sich ständig weiter. Neue Implantatoberflächen, veränderte Implantologiekonzepte oder neue knöcherne Wachstumsfaktoren führen bereits heute, in speziellen Einzelfällen, zu verkürzten Einheilzeiten mit guten Erfolgsraten.

Wenn die individuellen patientenspezifischen Voraussetzungen gegeben sind, können unter Umständen auch die folgenden Vorgehensweisen zur Anwendung gelangen:

  • Sofortimplantation: Unmittelbar nach der Zahnentfernung wird der Implantatkörper eingebracht.

  • Verzögerte Sofortimplantation: Das Implantat wird circa zwölf Wochen nach der Zahnentfernung eingebracht, um Entzündungen abheilen zu lassen.

  • Spätimplantation: Das Implantat wird in knöchern ausgeheilte Kieferabschnitte eingebracht.

  • Einzeitige Spätimplantation (offene Einheilung): Der Implantatpfosten ragt hierbei direkt in die Mundhöhle.

  • Zweizeitige Spätimplantation (gedeckte) Einheilung: Das Implantat heilt unterhalb der Schleimhaut ein und wird später mit den Implantatpfosten versehen.


Zeit nach der Therapie

Camlog LogoEin Implantat sollte während der Einheilungsphase von drei bis sechs Monaten nicht belastet werden, um eine gute Osseointegration zu erreichen. Während beim Einzelzahnersatz und im teilbezahnten Kiefer in der Regel eine ausreichende Kaufunktion durch die Restbezahnung möglich sein wird, ist die Situation bei zahnlosen Patienten

besonders problematisch. Sie können sich in den ersten zwei bis drei Wochen nur durch Flüssig- oder Breikost ernähren. In den ersten Tagen nach dem Eingriff gelten jedoch für alle Patienten die gleichen Verhaltensregeln.

  • Halten Sie die Nachsorgetermine bei Ihrem Implantat-Spezialisten unbedingt ein, auch wenn Sie keine Beschwerden haben.

  • Essen Sie nicht, solange die Betäubung noch anhält.

  • Sollte die Wunde noch schmerzen, nehmen Sie das mitgegebene oder verschriebene Schmerzmittel. Bitte nehmen Sie Ihre Medikamente nach Vorschrift ein.

  • Vermeiden Sie schwere körperliche Anstrengungen: Sport, Sauna etc.

  • Trinken Sie am Tag der Operation keinen Kaffee, keinen schwarzen Tee und keinen Alkohol. Verzichten Sie auch für 8-10 Tage auf das Rauchen.

  • Kühlen Sie die betroffenen Bezirke in den ersten Tagen mit feuchtkalten Umschlägen. Verwenden Sie jedoch keine Kühlkompressen.

  • In den allerersten Tagen nach der Implantation gilt: nur flüssige oder breiige Kost.

Häufig treten in den ersten Tagen nach der Operation Schwierigkeiten bei der Mundöffnung auf. Auch Schluckbeschwerden, Schwellungen und ein vermehrter Speichelfluss können auftreten. Der Speichel kann leicht gerötet sein. Der Körper reagiert oft mit fiebrigen Temperaturen. Diese Beschwerden verschwinden jedoch nach einigen Tagen und sind nicht bedrohlich.

Provisorischer Zahnersatz
In der Übergangszeit bis zur Freilegung der Implantate kann der Zahnarzt seinen Patienten gegebenenfalls mit einem provisorischen Zahnersatz versorgen.


Freilegungsoperation

Camlog LogoNach der Einheilzeit wird in einem kurzen schonenden Eingriff das Implantat freigelegt und mit einem Aufbau versehen, der durch das Zahnfleisch hindurch tritt.

Bei dem hier abgebildeten Implantatsystem handelt es sich um eine mechanisch hoch belastbare Konusverbindung. Über dieses Konussystem kann der Implantatpfosten sehr stabil mit dem Implantatkörper verbunden werden. Dies erspart dem Patienten lästige Lockerungen der späteren Suprakonstruktionen (Brücken, Kronen), welche auf dem Implantatpfosten befestigt werden.

Nach einer Zeit von 14 Tagen ist das Implantat dann für die Versorgung mit einer Krone geeignet. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen unmittelbar nach der Freilegung mit der Abformung fortgefahren wird. Bei sehr anspruchsvoller Ästhetik spielen neben den Zähnen vor allen Dingen der Zahnfleischverlauf und die Lippenlinie eine entscheidende Rolle. Man spricht auch von "roter Ästhetik". Will man auch auf diesem Gebiet hohen Ansprüchen Genüge tun, so werden oft erst Provisorien auf den Implantaten eingesetzt und eine Modellation des Zahnfleischverlaufes erfolgt später.


Sofortbelastung von Implantaten

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Die Möglichkeit der Sofortbelastung von Implantaten wird in speziellen Fällen genutzt, um einen schnellen und stabilen Prothesenhalt zu erreichen. Insbesondere bei älteren Menschen setzt man dieses Verfahren ein, um lange Einheilzeiten zu vermeiden. Geeignet hierfür sind Prothesen im zahnlosen Unterkiefer.

Was genau wird gemacht?
Hier eine kurze Beschreibung des Verfahrens:
In einer einzigen Sitzung werden normalerweise vier Implantate eingesetzt, um eine gleichmäßige Abstützung der Prothese zu gewährleisten. In diese werden die so genannten Konus-Pfosten eingeschraubt. Auf diese Konus-Pfosten werden spezielle Konus-Kappen gesetzt. Diese Kappen haben von außen eine Form, die für die Kunststoffbasis der Zahnprothese einen guten Halt bietet. In die bereits vorher angefertigte Prothese werden nun an den entsprechenden Stellen (im Frontzahnbereich) Öffnungen eingeschliffen.

Nun wird die vorbereitete Prothese auf den Unterkiefer aufgesetzt und die ausgeschliffenen Öffnungen werden mit einer zähflüssigen Kunststoffmasse (derselben, aus der auch die Prothesenoberfläche besteht) aufgefüllt. Diese Masse härtet innerhalb kurzer Zeit so aus, dass dann die Prothese abgenommen werden kann. Dabei bleiben die Konus-Kappen im Kunststoffmaterial fest verankert, sie bilden praktisch die eine Hälfte einer "Druckknopf-Befestigung" für die Prothese, deren untere Hälfte die Konus-Pfosten in den Implantaten darstellen.

Wie geht es weiter?
Immer noch während derselben Sitzung werden die nötigen Feinarbeiten an der Prothese vorgenommen, dann wird sie wieder eingesetzt.
Dem Patienten wird nach einer derartigen Behandlung empfohlen, die Prothese eine Woche lang ohne Unterbrechung zu tragen. Außerdem sollte er während der ersten zwei Wochen ausschließlich weiche Kost zu sich nehmen. Eine Woche lang werden Antibiotika vorsorglich gegeben, um eine Entzündung zu verhindern. Nach den Mahlzeiten soll der Patient darüber hinaus keimreduzierende Mundspülungen vornehmen. Diese beiden letzten Maßnahmen sind deshalb erforderlich, weil die Wundstellen an den Implantaten ja nicht von Hand gereinigt werden können.

Nachsorge
Zur Nahtentfernung wird die Prothese nach einer Woche zum ersten Mal herausgenommen, dann wird sie für zwei mal drei Tage wieder eingesetzt. Nun sind zwei Wochen vorüber, der Patient wird von seinem Zahnarzt ausführliche Informationen zur weiteren Mund- und Prothesenhygiene bekommen. Auch die Handhabung der Prothese wird noch einmal erläutert. Die Ernährung kann jetzt wieder auf normale Kost umgestellt werden.

Auch nach diesen zwei Wochen sind selbstverständlich regelmäßige Kontrolluntersuchungen nötig, um eventuelle Rückzugserscheinungen von Schleimhaut und/oder Knochen frühzeitig festzustellen und auszugleichen.

Zahnärzte, die sich auf Implantologie spezialisiert haben, finden Sie übrigens mit unserer speziellen Zahnarztsuche.

Autor: Dr. med. Dr. med. dent. Stefan Berg http://www.dr-dr-stefan-berg.de

 

Autor: Dr. med. Dr. med. dent. Stefan Berg 
Letzte Änderung am: 10.12.2007
 
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