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Insektengiftallergie

Eine Insektengiftallergie kann sich zum Beispiel in einer heftigen Reaktion auf Bienenstiche äußern
(Quelle: PIXELIO/Ernst Rose)

Insektengiftallergie tritt in Deutschland hauptsächlich auf Stiche von Wespen und Bienen, seltener bei Hummel-, Hornissen-, Mücken- und Bremsenstichen auf.

Etwa vier Prozent aller Deutschen reagieren auf das Gift von Bienen und Wespen allergisch. Eine über das normale Maß hinausgehende örtliche Reaktion auf Insektenstiche zeigt sich immerhin bei bis zu einem Fünftel aller Deutschen.


Welche Ursachen hat eine Insektengiftallergie?

Beim Stechen geben Insekten verschiedene Gifte in die Einstichstelle ab. Normalerweise kommt es zu örtlichen Reaktionen rund um die Einstichstelle: meist lokal begrenzte Rötungen, Jucken und Brennen. Dabei handelt es sich um kleine, akute Entzündungen.

Bei einer Insektengiftallergie reagiert der Körper heftiger: Es handelt sich hier um eine Allergie vom Soforttyp I. Die körpereigene Abwehr reagiert auf das Insektengift mit einer starken Produktion von Immunglobulin E. Dieser Abwehrstoff setzt sich an die Mastzellen, die das Gift unschädlich machen und dabei vermehrt den Botenstoff Histamin ausschütten. Histamin führt zu akuten Entzündungsreaktionen im Körper.


Woran erkennt man eine Insektengiftallergie?

Oft ist es nicht so einfach, eine Insektengiftallergie von einer "normalen" Reaktion auf einen Insektenstich zu unterscheiden. Bei beiden tritt zunächst eine Rötung und Schwellung der Einstichstelle auf, sie kann jucken oder schmerzen.

Starke lokale Hautreaktion

Bei einer Insektengiftallergie kommt es meist zu einer sich stark ausbreitenden Rötung. Sie erreicht einen Durchmesser von über zehn Zentimetern und hält mindestens 24 Stunden oder länger an. Sie breitet sich über größere Hautflächen aus und zeigt Symptome einer Nesselsucht (Urtikaria): Es bilden sich juckende, "nässende" Quaddeln auf der Haut.

Systemische Reaktion

Nicht nur an der Einstichstelle zeigen sich die Symptome einer Insektengiftallergie, der gesamte Körper reagiert. Dazu gehören Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Atemnot und Abfall des Blutdrucks. In seltenen, besonders schweren Fällen kommt es zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock, der zu einem Herz-Kreislaufstillstand führen kann.


Wie wird eine Insektengiftallergie diagnostiziert?

Es ist ratsam, einen Hautarzt aufzusuchen, wenn sich ungewöhnlich starke Reaktionen auf einen Insektenstich zeigen. Im Idealfall geht man zu einem Allergologen.

Dort führt man mit dem Arzt zunächst ein Gespräch über die Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dabei steht das Stichereignis im Mittelpunkt. Hier ist es ratsam, sich auf das Gespräch vorzubereiten, indem im Vorfeld einige Fragen beantwortet werden. So ist es zum Beispiel hilfreich, wenn das stechende Insekt eindeutig identifiziert wurde. Wenn die Hautreaktion schon verschwunden ist, ist es günstig, wenn man sie genauer beschreiben kann.

Im Anschluss an die Anamnese folgen verschiedene Hauttests. Welcher Hauttest sich im Einzelfall eignet, entscheidet der Arzt. Gemeinsam haben alle Tests, dass das in Verdacht stehende Allergen auf die Haut (am Unterarm oder am Rücken) aufgetragen wird. Zeigt sich eine entsprechende allergische Reaktion, bestätigt sich der Verdacht auf Insektengiftallergie. Im Einzelfall empfehlen sich verschiedene Laboruntersuchungen, bei denen in erster Linie nach einem erhöhten Immunglobulin E-Wert im Blut gesucht wird.


Kann man eine Insektengiftallergie therapieren?

Die beste Maßnahme bei einer Insektengiftallergie ist das Meiden des auslösenden Allergens. Ein besonderer Schutz vor Insektenstichen ist deshalb ratsam. Zudem ist es wichtig, in der Saison stets ein Notfallset bei sich zu tragen.

Notfallset

Das Notfallset beinhaltet verschiedene Medikamente, die bei einer schweren allergischen Reaktion lebensrettend sein können. Dazu gehören ein stark wirkendes Antihistaminikum sowie ein Kortison-Präparat. Beide Wirkstoffe wirken der akuten Entzündungsreaktion entgegen. Adrenalin zur Selbstinjektion stabilisiert den Kreislauf. Die richtige Anwendung der Spritze wird in einer Patientenschulung erlernt. Anschließend sollte immer direkt ein Arzt aufgesucht oder der Notarzt gerufen werden.

Hyposensibilisierung

Bei der Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) wird die Toleranzgrenze gegenüber Allergenen gesteigert. Über einen bestimmten Zeitraum (mehrere Jahre) wird eine geringe Dosis des Allergens injiziert. Allergische Reaktionen sollen so vermindert werden. Da allergische Reaktionen auftreten können, wird die Spritze immer unter ärztlicher Aufsicht gesetzt, außerdem verbleibt man im Anschluss noch mindestens eine halbe Stunde in der Praxis.


Welchen Verlauf hat eine Insektengiftallergie?

Richtig behandelt, verlaufen die meisten Insektenstiche auch bei einer Insektengiftallergie komplikationslos. Eine Ausnahme bilden Stiche im Mund- und Rachenraum. Die Stichstelle kann stark anschwellen und die Atmung behindern. Hier ist sofortiges Handeln besonders wichtig.


Reaktionen bei Insektengiftallergie: Wie kann man ihnen vorbeugen?

Der beste Schutz gegen allergische Reaktionen auf Insektengift ist die Vermeidung von Insektenstichen. Dabei hilft bedeckte Haut. Lange Kleidung und das Tragen von geschlossenen Schuhen ist ein wirksamer Schutz: Besonders beim Barfußlaufen auf Wiesen besteht die Gefahr, in eine Biene oder Wespe zu treten und gestochen zu werden. In der Bienen- und Wespenflugzeit vom Frühjahr bis zum Herbst empfiehlt sich generell besondere Vorsicht. So ist es ratsam, Getränke und Speisen nicht unbeaufsichtigt zu lassen, um ein Verschlucken und damit Stiche im Mund- und Rachenraum zu vermeiden.


Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Insektengiftallergie haben, können Sie diese in der Allergie-Expertenrat auf der Gesundheitsberatung stellen.

Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI): Insektengiftallergie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/020 (Stand: September 2003)
Raab, W.: Allergiefibel. Verlag Stephan Reusche, Ulm 2004
Stiftung Warentest (Hrsg.): Allergien. Diagnose, Vorbeugung, Behandlung. Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2007

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 09.10.2008
 
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