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Jod

Seefisch enthält viel Jod

Seefisch enthält viel Jod
(Quelle: BananaStock)

Jod ist ein lebensnotwendiges (essenzielles) Spurenelement, das für die Schilddrüse und den Stoffwechsel eine zentrale Bedeutung hat. In der Medizin wird Jod auch als Desinfektionsmittel, Schilddrüsenmedikament, Röntgenkontrastmittel und als radioaktives Medikament bei Schilddrüsenüberfunktion verwendet. Der Jodgehalt in der Nahrung ist sehr unterschiedlich. Meeresfische, Krusten- und Schalentiere sowie Trinkwasser in bestimmten Regionen enthalten viel Jod. Deutschland zählt aber insgesamt zu den Jodmangel-Gebieten. Das liegt daran, dass die Böden und Gewässer, vor allem in den Gebirgsregionen, wenig Jod enthalten. Deshalb werden Lebensmittel häufig mit Jodsalz angereichert, um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten.

Aufgaben von Jod

Jod ist als Spurenelement für die Produktion der beiden Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4) notwendig. Diese sind wichtig für die Entwicklung des Körpers während des Wachstums, vor allem die des Gehirns und der Lungen sowie das Wachstum der Knochen. Jod ist somit für die gesunde Entwicklung des Kindes im Mutterleib und des Säuglings unentbehrlich. Die Schilddrüsenhormone halten den Energiehaushalt des Menschen im Gleichgewicht, steuern die Verwertung der Nahrung im Körper und regeln die Körpertemperatur. 80 Prozent des täglich aufgenommenen Jods werden in der Schilddrüse verwertet. Jod selber hat zudem antioxidative Eigenschaften und kann das Immunsystem positiv beeinflussen.

Ursachen für einen Jodmangel

Der Hauptgrund für einen Jodmangel im mitteleuropäischen Raum ist der niedrige Jodgehalt der pflanzlichen und tierischen Lebensmittel. Die Böden in Deutschland und in Europa sind infolge der Auswaschung während der Eiszeit an Jod verarmt, so dass die Pflanzen wenig Jod aufnehmen und auch das Tierfutter und das tierisches Fleisch in der Nahrungskette wenig Jod enthalten. Durch die zunehmende Verwendung von Jodsalz bei den fertigen Nahrungsmitteln in den letzten Jahren hat sich die Jodversorgung der deutschen Bevölkerung verbessert. In Studien konnte jedoch gezeigt werden, dass die empfohlene tägliche Jodzufuhr von 180 bis 200 µg in Deutschland nicht erreicht wird. Die tägliche Jodzufuhr mit der Nahrung beträgt im Durchschnitt zwischen 30 bis 70 µg.

Symptome eines Jodmangels

Werden zu wenig Schilddrüsenhormone hergestellt besteht ein Jodmangel. Das hat oft zur Folge, dass sich die Schilddrüse vergrößert, um den Jodmangel zu kompensieren. Eine vergrößerte Schilddrüse wird als Kropf oder auch Struma bezeichnet und kann ein Kloßgefühl oder Engegefühl verursachen. Ein Jodmangel kann auch zu einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) führen. Diese beginnt meist schleichend, am Anfang treten fast keine Beschwerden auf. Erst bei einer stärkeren Unterfunktion klagen die Betroffenen zum Beispiel über Müdigkeit, Antriebsarmut, Gewichtszunahme, Verstopfungen, trockene Haut und Haarausfall. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann die Fruchtbarkeit von Mann und Frau und das seelische Befinden beeinflussen.

Tagesbedarf und Therapie bei Jodmangel

Der menschliche Organismus kann Jod nicht selbst herstellen, deswegen muss es mit der Nahrung aufgenommen werden. Der täglich Jodbedarf liegt nach Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bei Jugendlichen und Erwachsenen bei 180 bis 200 µg. Kleinkinder benötigen mit etwa 50 bis 80 µg und Kinder bis zum 14. Lebensjahr mit 80 bis 180 µg etwas weniger Jod. Bei schwangeren und stillenden Frauen wird eine tägliche Aufnahme von 230 bis 500 µg empfohlen. Durch die konsequente Verwendung von jodiertem Speisesalz kann einem Jodmangel vorgebeugt werden. Außerdem ist der Verzehr von zwei Seefischmahlzeiten, die viel Jod enthalten, pro Woche zu empfehlen. Bei einem nachgewiesenen Jodmangel und bei schwangeren sowie stillenden Frauen sollte zur Therapie ein Jodpräparat in Absprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden.

Jodreiche Nahrungsmittel

Meeresfische, Krusten und Schalentiere sind die wichtigsten Jodlieferanten. Krustentiere, Scholle und Seelachs enthalten bis zu 250 µg Jod pro 100 Gramm. Fleisch und Milchprodukte enthalten auch Jod, vor allem wenn sie mit jodiertem Speisesalz hergestellt wurden.

Überdosierung und Kontraindikationen

Mit Jod angereichertes Speisesalz enthält geringe Mengen an Jod, mit dem man keine Überdosierung erreichen kann. Auch Jodtabletten oder Jodzusätze in Nahrungsergänzungsmitteln sind bei richtiger Dosierung ungefährlich. Eine hochdosierte Einnahme von mehr als 1 mg Jod kann zu Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden und Hautausschlägen, führen. Eine höhere Überdosierung kann mit einer Braunfärbung im Mund und Rachen sowie mit Schwindel, Schock und Atemnot einhergehen und zu Nierenblutungen führen. Die tödliche Dosis liegt bei ca. 3 g Jod.

Bei einer vorhandenen Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und einer Entzündung der Schilddrüse (Hashimotothyreoiditis) können wegen der gestörten Schilddrüsenfunktion schon geringe Mengen an Jod schädlich sein. Deswegen ist hier eine Absprache mit dem behandelnden Arzt wichtig, ob ein jodhaltiges Präparat eingenommen werden darf. Die Betroffenen sollten auch jodhaltige Nahrungsmittel meiden.

Menschen mit einer Jodallergie sollten jodhaltige Arzneimittel nicht ohne ärztliche Empfehlung einnehmen oder auftragen (zum Beispiel Povidon-Jod-Salbe). Bei radiologischer Untersuchung mit einem jodhaltigen Kontrastmittel sollte der Arzt vorher den Einsatz der Substanzen gründlich abwägen.

Sie haben noch weitere Fragen zum Thema Jod? Dann wenden Sie sich an unsere Expertenrat.

Quellen:
Burgerstein, L.; Schurgast, H., Zimmermann, M.: Burgersteins Handbuch Nährstoffe, HAUG, Heidelberg 2007
Deutsche Gesellschaft für gesunde Ernährung, Österreichische Gesellschaft für gesunde Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr; Umschau Brauns GmbH, Frankfurt am Main, 2000
Kasper, H.; Wild, M.; Burghard, W.: Ernährungsmedizin und Diätetik; Elsevier, Urban & Fischer, München 2004

 

Autor: Dr. med. Jessica Männel 
Letzte Änderung am: 10.09.2009
 
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