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Karpaltunnelsyndrom

 Dauerhafter Druck auf die Handgelenke kann zum schmerzhaften Karpaltunnelsyndrom führen

Dauerhafter Druck auf die Handgelenke kann zum schmerzhaften Karpaltunnelsyndrom führen
(Quelle: Herr Meister/PIXELIO)

Beim Karpaltunnelsyndrom handelt es sich um eine Schmerz- und Lähmungserscheinung, die durch Einengung eines Nervs im Handwurzelkanal (Karpaltunnel) hervorgerufen wird. Das Karpaltunnelsyndrom tritt dreimal häufiger bei Frauen auf, insbesondere zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Häufig sind die Handgelenke beidseits betroffen. Es gibt keine einheitliche Studie, dadurch ist die Häufigkeit des Karpaltunnelsyndroms unterschiedlich dokumentiert. Leichte Symptome werden von bis zu 15 Prozent der Bevölkerung angegeben. Die Fälle, die neurologisch nachgewiesen werden können, liegen jedoch im unteren, einstelligen Bereich.


Ursachen des Karpaltunnelsyndroms

Im Handwurzelkanal liegen der Medianusnerv (Mittelnerv) und die Sehnen der langen Fingerbeugemuskulatur. Ringförmig umschließt eine Bandstruktur (Retinaculum) den Karpaltunnel. Durch dauerhaften, mechanischen Druck auf den Medianusnerv, hervorgerufen durch Gewebsveränderungen im umliegenden Bandapparat, können schmerzhafte Sensibilitätsstörungen entstehen. Dieser Druck (Kompression) wirkt auf kleinste Blutgefäße im Bereich des Nervs, wodurch dieser unterversorgt ist. Hierdurch entsteht eine Wasseransammlung (Ödem) und ein chemischer Umbauprozess im Nerv selbst. Ebenso kann sich ein Muskelabbau (Atrophie) des Daumenballens entwickeln, da diese Muskulatur durch den eingeengten Medianusnerv nun unterversorgt ist.

Die Ursachen für eine solche Gewebsveränderung können durch Rheuma bedingte, entzündliche Prozesse sein. Ebenso können Handgelenksverletzungen (z.B. Bruch) oder durch Entzündung geschwollene Sehnenscheiden zum Karpaltunnelsyndrom infolge eines anatomischen Engpasses führen. Auch Gicht, hormonelle Veränderungen und genetische Defekte zählen zu den Ursachen. Dialysepflichtige Personen sind häufiger betroffen und durch Tumoren innerhalb des Wurzelkanals kann ebenfalls eine Enge entstehen. Oft bleibt eine Ursache unerkannt.


Welche Symptome verursacht das Karpaltunnelsyndrom?

Typische Symptome beim Karpaltunnelsyndrom sind anfangs nächtliche Schmerzen und Taubheitsgefühl von Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Mit Ausschütteln des Handgelenks lässt sich diese Symptomatik im Anfangsstadium noch positiv beeinflussen. Später beginnen Schmerzen und Kribbelgefühl auch tagsüber bei bestimmten Tätigkeiten, bei denen das Handgelenk beansprucht wird (z. B. Radfahren, Handarbeit). Bei zunehmender Nervschädigung treten Missempfindungen wie „elektrische Schläge“ und ausstrahlende Schmerzen auf. Später kann es beim Karpaltunnelsyndrom sogar zu Lähmungserscheinungen bestimmter Daumenmuskeln (Daumenballen) kommen und Hautveränderungen (trophische Störungen) stellen sich ein.


Wie wird ein Karpaltunnelsyndrom diagnostiziert?

Die Diagnostik des Karpaltunnelsyndroms kann aufgrund der Vielfalt der Erkrankungsmöglichkeiten sehr umfangreich sein. Im Idealfall wird durch Differenzialdiagnostik beispielsweise eine Durchblutungsstörung des Armes ebenso wie eine Polyneuropathie oder eine Halswirbelsäulenschädigung ausgeschlossen, die ähnliche Symptome aufweisen können. Bei einer klinischen Untersuchung werden Sensibilität, Aussehen und funktionelle Qualität des Bereichs untersucht. Beispielsweise ist ein am Daumenballen leicht erkennbar, wenn sich die Muskulatur bereits zurück gebildet hat (atrophiert ist). Zuverlässige Untersuchungsmethoden sind die sensible und motorische Neurographie. Dabei wird mithilfe von bestimmten Geräten die Funktionsfähigkeit der Nerven überprüft. Die Nervenleitgeschwindigkeit des Medianusnerven gibt Auskunft über seinen Zustand und die Leistungsfähigkeit. Wird ein Wert der Leitgeschwindigkeit unterschritten, gilt dies als krankhaft. Zusätzlich kann mit der Elektromyographie der Befund noch untermauert werden, sollten Zweifel bestehen.


Wie wird das Karpaltunnelsyndrom behandelt?

Im frühen Stadium kann mit bestimmten Schienen (Orthesen) behandelt werden, die den Bereich des Handgelenks ruhigstellen.

Medikamentös werden Kortisonpräparate verabreicht, diese können eingenommen (oral) oder als lokale Spritze (Injektion) verabreicht werden. Sollte sich durch eine solche Stoßtherapie keine dauerhafte Besserung einstellen, ist eine Operation ratsam, bei der der ringförmige Bandapparat vollständig gespalten wird (Retinaculumspaltung). Diese Operation, bei der mehrere Techniken zur Verfügung stehen, kann „offen“ oder endoskopisch stattfinden. Hierbei ist ein stationärer Aufenthalt oft nicht notwendig. Anschließend genügt meist ein Verband, in manchen Fällen wird während der ersten Heilung eine Schiene angelegt.

Während der Wundheilung wird der Bereich regelmäßig mit Kälte behandelt, manchmal muss vorübergehend Schmerzmitteln verabreicht werden. Anschließend hilft die Physiotherapie beim Wiedererlangen der Beweglichkeit und der Funktionalität. Je nach Belastung ist die betroffene Hand nach einigen Wochen wieder einsatzfähig.

Die Prognose des Therapieverlaufs ist abhängig vom Zeitraum zwischen den ersten Symptomen und einer Operation. Erfahrungsgemäß verschlechtert sich die Prognose bei einem Zeitraum bei Beschwerden, die drei Jahre oder länger bestehen.

Es kann zu Narbenschmerzen kommen, die jedoch nach etwa sechs Monaten abklingen. Bei einer rheumatischen Ursache kann ein Karpaltunnelsyndrom auch nach einer Operation erneut auftreten. Wiederholungseingriffe sind daher in bestimmten Fällen nötig und möglich.


Kann man einem Karpaltunnelsyndrom vorbeugen?

Eine besondere Vorbeugung des Karpaltunnelsyndroms ist aufgrund der Fülle von Ursachen nicht explizit möglich. Allgemein sollte Druckbelastung auf den Medianusnerv möglichst vermieden werden, um eine Durchblutungsstörung des selbigen zu verhindern. Dauerhafte Kompression auf das Handgelenk kann zur Entstehung eines Karpaltunnelsyndroms führen. Ein Beispiel hierfür ist das Aufliegen der Handgelenke auf der Schreibtischkante beim Tippen auf Schreibmaschine oder Tastatur. Jeden Tag über mehrere Stunden in einer solchen Haltung und dies über einen langen Zeitraum hinweg kann ein solches Krankheitsbild entstehen lassen. Hierbei kann dem Karpaltunnelsyndrom sehr wohl vorgebeugt werden, indem man die Handgelenke von der Tischkante abhebt. Dies gewährleistet zusätzlich mehr Bewegungsfreiheit für Hand und Finger.


Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen zum Karpaltunnelsyndrom an die Experten in unserer Orthopädie-Expertenrat.


Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie, der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie sowie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 005/003 (Stand: November 2006)
Cotta, H. Heipertz, W. Hüter-Becker, A. Rompe, G.; Krankengymnastik Band 5: Orthopädie, Thieme, Stuttgart 1990
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007

 

Autor: Christian Fiala 
Letzte Änderung am: 22.09.2010
 
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