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Koronare Herzkrankheit (KHK)

Blutdruckmessung

Um festzustellen, ob eine Koronare Herzkrankheit vorliegt, werden verschiedene diagnostische Hilfsmittel eingesetzt
(Quelle: AOK-Mediendienst)

Die Koronare Herzkrankheit (KHK) zählt zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen und wird auch Ischämische Herzkrankheit (IHK) genannt. Bei der KHK verengen sich die Blutgefäße, die das Herz umgeben (Herzkranzgefäße) und dieses mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Der Herzmuskel wird nicht mehr ausreichend durchblutet. Es kann zu einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) kommen.

In Deutschland und anderen Industrienationen zählen die Koronare Herzkrankheit und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Todesursachen. Im Jahr 2006 starben bei uns etwa 144.000 Männer und Frauen an der Koronaren Herzkrankheit. Menschen ab 70 Jahren sind eher von dieser Erkrankung betroffen als Personen jüngerer Altersgruppen.


Ursachen einer Koronaren Herzkrankheit

Als häufigste Ursache der Koronaren Herzkrankheit gilt die Arteriosklerose. Sie wird im Volksmund auch "Arterienverkalkung" genannt. Hier lagert sich an der Innenseite der Gefäße fettbeladenes Material ab, in das sich später Kalk einlagert. Die Arterien verengen sich und der Blutstrom wird behindert. Das Gewebe, das von den Arterien mit Blut versorgt wurde, wird nun von der Blutzufuhr abgeschnitten. Wenn dieser Zustand über einen längeren Zeitraum anhält, stirbt das Gewebe ab.

Auch wenn sich eine Arteriosklerose in allen Arterien des Körpers bilden kann, tritt sie überwiegend in den Gefäßen des Herzens sowie der Hals- und der Bauchschlagader auf. Sind die Herzgefäße betroffen, spricht man von der Koronaren Herzkrankheit.

Bereits in den Arterien von Kindern sind Fettablagerungen zu finden. Diese vermehren sich im Laufe der Zeit. Zu Problemen führen sie jedoch erst etwa ab dem zweiten Lebensjahrzehnt. Unter dem Einfluss von Risikofaktoren wie

wachsen die Ablagerungen zu arteriosklerotischen Plaques heran und behindern zunehmend die Durchblutung der Gefäße.

Als weitere Risikofaktoren für die Koronare Herzkrankheit gelten:

  • Übergewicht (Adipositas)
  • eine Störung des Fettstoffwechsels / erhöhte Cholesterinwerte
  • eine Störung des Zuckerstoffwechsels (Diabetes mellitus, "Zuckerkrankheit")
  • Bewegungsmangel

Die meisten Risikofaktoren der Koronaren Herzkrankheit basieren auf ungesunden Lebensgewohnheiten, die oft schon seit dem Kindes- und Jugendalter praktiziert werden.

Symptome der Koronaren Herzkrankheit

Hauptsymptom der Koronaren Herzkrankheit ist die Angina Pectoris. Sie macht sich bemerkbar durch plötzlich auftretende und anhaltende, starke Schmerzen hinter dem Brustbein oder in der linken Brustseite. Die Schmerzen können in den linken Arm, den Unterkiefer, Hals oder in den Oberbauch ausstrahlen. Hinzu kommen Beklemmungsgefühle oder auch Todesangst. Die Schmerzen werden durch eine Durchblutungsstörung des Herzens ausgelöst und deuten auf eine Engstelle (Stenose) in den Gefäßen hin.

Weitere Symptome der Koronaren Herzkrankheit sind:

  • unterschiedlich schwere Herzschmerzen,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche: das Herz ist nicht in der Lage, eine ausreichende Menge Blut durch den Körper zu pumpen)
  • Herzinfarkt und
  • der plötzliche Herztod (Tod nach plötzlichem Herzversagen).

Diagnose der Koronaren Herzkrankheit: Anamnese, Elektrokardiogramm, Echokardiographie

Bei der Diagnose der Koronaren Herzkrankheit führt der Arzt zunächst eine ausführliche Befragung (Anamnese) des Betroffenen durch. Er versucht die Art und Häufigkeit der Anfälle einer Herzenge zu beurteilen. Fragen nach bekannten Herzerkrankungen in der Familie dienen dem Arzt dazu, die individuellen Risikofaktoren abzuklären. Außerdem gehört zur Diagnose eine Blutdruckmessung und die Erstellung eines Elektrokardiogramms (EKG), mit dessen Hilfe typische Auffälligkeiten festgestellt werden können.

  • Belastungs-EKG:
    Hierbei werden alle elektrischen Aktivitäten des Herzens während einer körperlichen Belastung aufgezeichnet. Das Elektrokardiogramm kann wertvolle Hinweise zur Sauerstoffversorgung des Herzmuskels geben.
  • Langzeit-EKG:
    Bei einem Langzeit-EKG wird der Erkrankte über 24 Stunden hinweg mit einem tragbaren Aufzeichnungsgerät verbunden. Die Aufzeichnungen werden später ausgewertet und mit dem Arzt besprochen. Auch das Langzeit-EKG kann wertvolle Hinweise zu Durchblutungsstörungen des Herzmuskels unter alltäglichen Bedingungen geben.
  • Ultraschalluntersuchung des Herzmuskels (Echokardiogramm):
    Mit Ultraschallwellen können Narben am Herzen sichtbar gemacht werden. Durchblutungsstörungen können bei einer Stressechokardiographie (Echokardiogramm unter Belastung) festgestellt werden.

Therapie der Koronaren Herzkrankheit: Medikamente oder Operation (Bypass-Operation, Koronar-Angioplastie mit Koronarstent)

Ziel der Therapie der Koronaren Herzkrankheit ist es, die verengten Herzkranzgefäße zu erweitern. Hierdurch soll die Durchblutung und Versorgung des Herzmuskels verbessert werden. Nach einem Gespräch mit dem behandelnden Arzt kommen zwei Formen der Therapie in Frage:

Medikamentöse Therapie:
Acetylsalicylsäure, Clopidrogrel, Betablocker, ACE-Hemmer und Statine zur Senkung der Blutfettwerte (Cholesterinwerte) werden eingesetzt, um Angina Pectoris-Anfällen vorzubeugen. Bereits bestehende Beschwerden, beispielsweise Angina Pectoris, können mit Nitroglyzerin gelindert werden. Es wird als Spray oder in Form von Kapseln verordnet.

Operative Therapie
Als operative Maßnahmen zur Verbesserung der Durchblutung des Herzmuskels kommen eine Bypass-Operation und eine Koronar-Angioplastie in Frage. Nach einer Angioplastie wird meist ein Koronarstent eingebracht.

Bei einer Bypass-Operation werden die verengten Herzgefäße künstlich überbrückt. Hierzu verwenden die Ärzte in der Regel körpereigene Gefäße des Betroffenen.

Die Koronar-Angioplastie ist dazu geeignet, kleine Gefäßverengungen aufzuweiten. Hierzu führt der Arzt einen Ballonkatheter, einen sehr dünnen Schlauch aus Kunststoff, durch die Arterie. An der verengten Stelle bläst er den Ballon auf. Dadurch wird die Verengung gedehnt und der Blutstrom wieder möglich.

Ein Koronarstent ist ein medizinisches Implantat in Röhrenform. Ärzte bringen Koronarstents in die Herzkranzgefäße ein, um diese von innen abzustützen. Auf diese Weise wird ein erneuter Verschluss der Blutgefäße verhindert. Neben diesen nur stützenden Stents gibt es auch medikamenten-freisetzende Koronarstents, die Wirkstoffe abgeben, die einen Wiederverschluss der Gefäße zusätzlich verhindern.

Langfristig kann eine Änderung des Lebensstils dabei helfen, das Fortschreiten der Koronaren Herzkrankheit aufzuhalten. Gleichzeitig wird auch einem Herzinfarkt vorgebeugt.


Verlauf der Koronaren Herzkrankheit

Die Koronare Herzkrankheit ist eine chronische Erkrankung. Durch die fortschreitende Arteriosklerose verschlechtert sich manchmal die Krankheit im Laufe des Lebens. Gleichzeitig sinkt die Lebensqualität der Betroffenen.

Erste Anzeichen der Koronaren Herzkrankheit machen sich erst dann bemerkbar, wenn die Ablagerungen in den Arterien die Gefäße um mehr als die Hälfte verengen. Bei erhöhter Anstrengung wird das Herz nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Es kommt zu einem Engegefühl in der Brust - zur Angina Pectoris.

Ist die Koronare Herzkrankheit schon weit fortgeschritten, erhöht sich für Betroffene das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Durch die "verkalkten" Arterien kommt es dann zum kompletten Verschluss eines der Herzkranzgefäße oder eines davon abzweigenden Blutgefäßes. Ein Teil des Herzmuskels stirbt daraufhin durch Sauerstoffunterversorgung ab.


Vorbeugen vor einer Koronaren Herzkrankheit: Risikofaktoren vermeiden

Da sich die Risiken für Herzkrankheiten zum Großteil auf den persönlichen Lebensstil zurückführen lassen, können sie von den Betroffenen selbst beeinflusst werden. Dabei ist es wichtig, bereits bei Kindern und Jugendlichen gesunde Lebensgewohnheiten zu etablieren.

Doch auch Erwachsene, die wegen ihres Rauchverhaltens, ihres zu hohen Blutdrucks oder einer anderen Vorerkrankung zur Risikogruppe zählen, können noch handeln. Folgende Punkte sollten besonders beachtet werden:

  • eine ausgewogene Ernährung
  • angemessene körperliche Aktivitäten (Mitgliedschaft im Sportverein)
  • der Verzicht auf Zigarettenkonsum
  • Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen

Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen haben ab dem Alter von 35 Jahren im zweijährigen Turnus Anspruch auf eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung. Ziel dieser Untersuchungen ist es, häufig auftretende Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Denn wenn die Koronare Herzkrankheit oder deren Risikofaktoren beizeiten erkannt werden, kann der behandelnde Arzt rechtzeitig weitere Untersuchungen oder Behandlungen veranlassen. So lassen sich schädliche Folgen für die eigene Gesundheit abwenden oder verringern.


Sie haben noch weitere Fragen zu dem Thema Koronare Herzkrankheit? Dann wenden Sie sich an unsere Expertenrat.

Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen in unserem Wartezimmer "Selbsthilfeforum Herz und Kreislauf" aus.



Leiden Sie auch an einer Herzerkrankung? Auf www.patienten-erfahrungen.de - Ihrem Erfahrungsaustausch im Internet können Sie sich mit anderen Betroffenen und Angehörigen austauschen.

Quellen:
Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF (Hrsg.).: Herz in Gefahr? Ursachen, Prävention, Therapie, Ergebnisse der Herzkreislaufforschung. BMBF, Bonn/Berlin 2006
F.A. Brockhaus (Hrsg.).: Der Brockhaus Gesundheit. F.A. Brockhaus GmbH, Leipzig/Mannheim 2006
Hossmann, V. et al..: Gesunde Gefäße. Prävention und Heilung von Gefäßerkrankungen. Honos Verlag, Köln 2005
Robert Koch-Institut RKI (Hrsg.).: Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Koronare Herzkrankheiten und akuter Myokardinfarkt. Heft 33. RKI, Berlin 2006
Robert Koch-Institut RKI (Hrsg.).: Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gesundheit in Deutschland. RKI, Berlin 2006
Statistisches Bundesamt (Hrsg.).: Todesursachen in Deutschland 2006. Fachserie 12, Reihe 4. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2007

 

Autor: Jessica Schmid 
Letzte Änderung am: 11.12.2008
 
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