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Kindergärten

Kindergarten - das Lexikon (1) erklärt uns:

"Kindergarten, Einrichtung zur Förderung der Entwicklung drei- bis sechsjähriger Kinder bis zum Beginn der Schulpflicht. Im Kindergarten findet sich das Kind entweder in einer Gruppe seiner eigenen Altersstufe oder in einer altersgemischten Gruppe. Es lernt neue Formen der Interaktion kennen, und in vielerlei Art werden seine Fähigkeiten angeregt."

Nach §24 SGB VIII hat in Deutschland (außer Bayern) ab 1.1.1996 jedes Kind vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens. Der Besuch des Kindergartens ist freiwillig aber kostenpflichtig.

Träger der Kindergärten können sehr unterschiedlich sein: es gibt Kindergärten in öffentlicher Trägerschaft (Gemeinden und Städte), in Trägerschaft der Kirchen oder Wohlfahrtsverbände und private Träger, wie zum Beispiel Betriebe und Vereine. Es gibt einige grundsätzliche Unterschiede in den Kindergärten die in der Regel auf verschiedene pädagogische Konzepte beruhen.

(1) Brockhaus, die Enzyklopädie,1996


"Normaler" Kindergarten

In einem "normalen" städtischen Kindergarten beträgt die Gruppenstärke bis zu 25 Kindern in einer Gruppe, die meist von einer Erzieherin und einer Kinderpflegerin betreut werden. Häufig ist auch eine Vorpraktikantin dabei.

Im "normalen" Kindergarten bieten der Jahreskreis mit den Jahreszeiten, religiöse Feiertage und Geburtstage den Rahmen für den Tagesablauf. Es wird gebastelt, gespielt und es werden Ausflüge gemacht.

Viele Kindergärten setzen auch verschiedene Medien ein - Hörkassetten und Kindersendungen im Fernsehen gehören hier und da zum Tagesprogramm - Internet und PC werden hier und da zum "spielen" angeboten.

Das Kind entscheidet meist selbst, ob es lieber rennen, turnen, basteln oder sich ausruhen will. Ein vorgegebener Tagesrhythmus steht nicht im Vordergrund des Tagesablaufes.

Für einen normalen Kindergartenplatz zahlen die Eltern etwa zwischen € 50 bis € 200 im Monat plus Essens- und Bastelgeld (abhängig vom Bundesland und der Anzahl der Geschwister, die gleichzeitig in den Kindergarten gehen). Bei Sozialhilfeempfängern und "Geringverdienern" übernimmt das Sozialamt auf Antrag die Kindergartenkosten.


Montessori-Kindergarten

Das Konzept stammt von der italienischen Ärztin und Pädagogin Maria Montessori (1870-1952). Montessori ging davon aus, dass sich ein Kind nach einem inneren Plan entwickelt und nicht durch Belehrungen von außen. Das widerspricht dem heutigen Trend, Kindern möglichst viel Anregungen und Ziele von Außen zu geben.

Hilf mir, es selbst zu tun.

Prinzipien der Montessori-Pädagogik sind:

  • Die Schulung der Wahrnehmungsfunktionen
    Montessori wählt bestimmtes Arbeitsmaterial aus im Hinblick auf die Fähigkeit des Kindes, die Welt erst sinnlich, später auch begrifflich zu erfassen. Das Kind soll dabei seine Beobachtungsgabe, sein Zuordnungs- und Unterscheidungsvermögen üben und so vom konkreten Schauen zum abstrakten Denken gelangen.

  • Programmierte Vorbereitung durch die Erzieherin
    Übung, Präzision und Vervollkommnung durch die Aktivität des Kindes. Durch die programmierte Vorbereitung durch die Erzieherin übt das Kind den Umgang mit dem Material und erreicht damit durch zunehmende Präzision die Vervollkommnung seines sinnlichen Erfahrungsraumes. Montessori sieht diesen Prozess als Voraussetzung für die Entwicklung zwischenmenschlicher, persönlicher Fähigkeiten an.

  • Die vorbereitete Umgebung
    Maria Montessori versteht darunter eine den Bedürfnissen der Kinder angepasste Umgebung mit geregelten Anreizen im abgestuften Material.

  • Sensitive Perioden
    Im Alter bis 6 Jahren zeigt das Kind eine außergewöhnliche Sensibilität für bestimmte Lernprozesse. Diese Abschnitte bezeichnet Montessori als die sogenannten sensitiven Perioden und die Gesamtentwicklung von 0 bis 6 Jahren als formative Periode. In dieser Zeit werden Umweltreize aufgenommen, absorbiert und miteinander in Beziehung gesetzt.

  • Entdeckungen und Entwicklungen
    Durch Beobachtung des normalisierten Kindes und Erforschen seiner normalen, natürlichen Entwicklung glaubt Montessori, die "Pädagogik vom Kinde aus" aufzeigen zu können. Das Ziel ihrer Pädagogik ist deshalb eine neue Menschheit, die ihr Leben meistern kann.

  • Der neue Lehrer
    Montessori versteht unter dem Lehrer bzw. der Lehrerin vorrangig den Beobachter, der den Lernprozess des Kindes verfolgt und, wenn nötig, in Kommunikation mit dem Kind tritt. Er muss auf das Kind hören, wenn es sagt: "Hilf mir, es selbst zu tun".

Freiarbeit
... ist das Kernstück der Montessoripädagogik. Die Kinder wählen nach eigener Entscheidung, womit sie sich beschäftigen. Dann bestimmt das Kind weitgehend selbst den Arbeitsrhythmus und die Beschäftigungsdauer und auch, ob es allein oder mit einem Partner arbeiten, spielen oder lernen möchte. Diese freie Entscheidung führt zu einer Disziplin, die von innen kommt und nicht vom Erzieher gemacht wird. Die besonderen Spielmaterialien erlauben es dem Kind mit allen Sinnen Erfahrungen zu machen. Allerdings gilt ein Kritikpunkt der Tatsache, dass dieses Spielmaterial vom Kind nicht kreativ eingesetzt werden darf, sondern nur dem hierfür vorgesehen Zweck dienen sollen.

Montessori-Kindergärten verlangen meist etwas höhere Beiträge als andere Kindergärten.


Waldorf-Kindergarten

Im Waldorf-Kindergarten dominieren Naturmaterialien wie Zauberwolle, Kastanien, Muscheln und Baumholzscheiben als Spielzeug. Diese "Rohstoffe" sollen die Kinder anregen, kreativ mit natürlichen Dingen ihren Geist, Körper und Seele zu entwickeln. Mal sind die Kastanien das Essen, was Mama für Papa gekocht hat und mal sind sie die Geldstücke, mit der Frau Müller beim Einkaufen bezahlt ...

Abgeschirmt von zu vielen Reizen und dem verfrühten Umgang mit Technik und Medien sollen die Kinder sich kreativ und frei entwickeln können.

Die Erzieherinnen erledigen am Vormittag "Hausarbeit" - sie nähen, kochen, backen, bereiten das gemeinsame Frühstück vor und überlassen es den Kindern, ob diese sich daran beteiligen oder sich lieber in einer der Spielnischen zurückziehen wollen.

Jeder Wochentag hat seinen eigenen festen rhythmischen Ablauf, an einem Wochentag mit Wasserfarben malen, Singen, Eurythmie (einer tänzerischen Gymnastik), und jeder Tag hat sein besonderes vollwertiges, frisch im Kindergarten zubereitetes Frühstück - mal gibt's Milchreis, dann selbstgebackene Brötchen oder Brot, Müsli, usw. Nicht nur der Tages- und Wochenrhythmus, sondern auch der Jahresrhythmus wird im Waldorfkindergarten gepflegt. Im Sommer wird Marmelade für das Frühstück eingekocht und im Frühjahr der Garten bestellt.

Im Waldorfkindergarten werden Geburtstage und die religiösen christlichen Feiertage festlich begangen und zelebriert - hinzu kommen "Waldorf-"eigene Festivitäten zum Beispiel Weihnachten.

Gegner der Waldorfpädagogik werfen den Erziehern vor, weltfremd zu sein, weil diese Plastikspielzeug und Medien aus dem Kindergarten verbannen und im Kindergarten eine "heile Welt" vorgegaukelt wird.

Elternmitarbeit ist sehr gefragt und notwendig, denn die weitaus meisten Waldorfkindergärten sind Elterninitiativen (gemeinnützige Vereine).

Die Beiträge sind in der Regel höher als in anderen Kindergärten - aber die Beiträge sind einkommensabhängig gestaffelt.


Integrativer-Kindergarten

Im Integrativen-Kindergarten werden körper- und mehrfachbehinderte Kinder sowie nicht behinderte Kinder gemeinsam gefördert. Der Leitgedanke des integrativen Kindergartens lautet:

Gemeinsam sind wir stark.

In einer integrativen Gruppe, die in der Regel von zwei Erzieherinnen und einer Kinderpflegerin betreut wird, werden neben zehn nicht behinderten fünf behinderte Kinder betreut. Dazu zählen etwa Kinder mit Down-Syndrom oder mit körperlichen Behinderungen. Jede Gruppe muss aufgrund ihrer personellen Besetzung entscheiden, wie viele und welche behinderte Kinder sie aufnehmen kann.

In den integrativen Kindergärten sollen die Kinder vor allem Toleranz und Hilfsbereitschaft lernen.

Je nach Bedarf kommen Therapeuten (Ergotherapeuten oder Logopäden) in die Einrichtung.

Mitarbeit der Eltern ist in den meisten integrativen Kindergärten sehr wünschenswert.

Hier wird meist nur der übliche Kindergartenbeitrag bezahlt. In vielen Kommunen übernimmt die Stadt den Transport der behinderten Kinder zum Kindergarten und wieder zurück.


Heilpädagogischer-Kindergarten

Heilpädagogische Kindergärten sind Einrichtungen für behinderte, entwicklungsverzögerte und verhaltensauffällige Kinder. Hier steht die Therapie im Vordergrund. Pro sechs bis zehn Kinder gibt es zwei besonders qualifizierte Erzieherinnen (Heil- oder Sonderpädagogen), sowie eine Pflegekraft. Zusätzliche kommen Logopäden und Ergotherapeuten nach Bedarf regelmäßig in die Einrichtung.

Im Heilpädagogischen Kindergarten gibt es meist gemeinsamen Mahlzeiten, Förder- und Therapieangebote wie z.B. Heilpädagogisches Reiten, Schwimmen oder Turnen, Gruppenaktivitäten wie Ausflüge, Sing- und Spielkreise und natürlich auch Freispielphasen statt. Für jedes Kind wird in Zusammenarbeit mit dem Elternhaus ein individueller Förderplan erstellt.

Fahrdienste holen und bringen die Kinder. Das Jugendamt übernimmt alle Kosten.


Wald-Kindergarten

Der Ursprung der Idee des Wald-Kindergartens liegt in Dänemark, wo es solche Einrichtungen seit Anfang der siebziger Jahre gibt. Das Motto lautet: "Raus an die frische Luft und viel Natur".

Die Natur ist unser Spielmaterial.

Im Kindergarten unter freiem Himmel spielt sich alles im Wald ab. Die Kinder laufen, spielen und basteln dort, wie in einem anderen Kindergarten auch. Zum Waldkindergarten gehört kein festes Haus, denn die Kinder sind bei Wind und Wetter draußen. Nur für extreme Witterung, wie Sturm oder Gewitter, gibt es eine Hütte oder einen Bauwagen zum Unterstellen. Ansonsten zählt: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.

Die Betreuung der etwa 15-köpfigen Gruppe wird von staatlichen anerkannten Erzieherinnen übernommen, die mit einem Mobiltelefon für Notfälle und einem Erste-Hilfe-Kasten ausgerüstet sind.

Obwohl die Wald-Kindergärten keinen integrativen Schwerpunkt haben, fühlen sich gerade entwicklungsverzögerte und verhaltensauffällige Kinder ohne Wände und räumliche Eingrenzung sehr wohl und haben hier sehr gute Chancen für ihre Entwicklung.

Die Beiträge für den Wald-Kindergarten liegen meist gering über dem von normalen Kindergarten, weil es sich hier in der Regel um eine Elterninitiative handelt.


Bewegungs-Kindergarten

Kinder werden in der aktuellen Gesellschaft und in modernen Lebensräumen motorisch zu wenig angeregt und gefordert. Der Bewegungs-Kindergarten versucht dieses Entwicklungsdefizit auszugleichen. Vielfältig gestaltete motorische Aktivität ist eine wichtige Grundlage im Bewegungskindergarten. Psychomotorik ist in diesen Einrichtungen deshalb fester Bestandteil. Raumgestaltung und auf Bewegung ausgerichtete Pädagogik sind ineinander verflochten.

Rennen, springen, laufen ...

Im Bewegungs-Kindergarten rennen, springen und laufen die Kinder hauptsächlich. Natürlich sind auch Rückzugsmöglichkeiten zum Basteln und malen gegeben, Schwerpunkt aber ist der Spaß an der Bewegung und Sport.

Im Bewegungs-Kindergarten gibt es viele Angebote, bei denen die Kinder sich frei entscheiden können, was sie machen wollen. Diese Angebote sind nach psychomotorischen Gesichtspunkten ausgewählt (Mattenrutschen, Hängematten, Flitzerampen, Höhlenschaukeln). Es geht dabei nicht um verordnetes Turnen, sondern um eine Veränderung der Lebenswelt von Kindern: Weg von der Sitzgesellschaft und zurück zum freien und bewegungsreichem Spielen.

Viele Bewegungs-Kindergärten sind einem Turnverein angeschlossen und haben auch zum Ziel, Kleinkinder frühzeitig an den Sport heranzuführen, damit dieser ein lebensbegleitendes Element wird.

Die Kindergarten-Beiträge liegen im üblichen Rahmen.


Kinderhort

Kinderhort, Schulhort oder Hort
Der Kinderhort ist ein "Kindergarten" für Schulkinder. Diese gehen unmittelbar nach der Schule in den Hort, bekommen dort eine warme Malzeit, können hier Hausaufgaben machen und sich ausruhen und dann gemeinsam mit den anderen Nachmittagskindern spielen.
In den meisten Kinderhorten gibt es eine qualifizierte Hausaufgabenbetreuung.
Der Kinderhort ist in der Regel auch in den Schulferien - und dann ganztags - geöffnet.

Einige Grundschulen haben einen Schulhort, der von 7 bis 18 Uhr geöffnet ist. So können berufstätige Eltern sicher sein, dass das Kind, auch wenn Unterricht ausfällt, immer gut betreut ist.

Der Kinderhort ist besonders hilfreich für berufstätige Mütter.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 06.09.2012
 
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