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Krätze (Skabies)

 Krätzmilben werden über gemeinsam benutzte Textilien oder Geschlechtsverkehr übertragen

Krätzmilben werden über gemeinsam benutzte Textilien oder Geschlechtsverkehr übertragen
(Quelle: DAK)

Bei der Krätze (Skabies) handelt es sich um eine hochansteckende Hauterkrankung beim Menschen. Sie wird durch den Befall der Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei) verursacht und führt zu einem starken Juckreiz, der vor allem nachts verstärkt auftritt.

Nach dem Infektionsschutzgesetz gehört die Krätze zwar nicht zu den in jedem Einzelfall meldepflichtigen Krankheiten. Da jedoch häufig Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Kinder- und Jugendheime sowie Alteneinrichtungen betroffen sind, muss das zuständige Gesundheitsamt bei Auftreten oder Verdacht der Krätze unverzüglich verständigt werden.


Infektionswege der Krätze

Krätzmilben gehören zu den so genannten parasitären Spinnentieren. Übertragen werden sie vor allem durch engen Hautkontakt mit befallenen Personen, etwa beim Geschlechtsverkehr oder bei der Betreuung pflegebedürftiger Menschen. Auch beengte und hygienisch nicht einwandfreie Wohnverhältnisse sowie der gemeinsame Gebrauch von nicht ausreichend gereinigten Kleidungsstücken, Handtüchern, Bettwäsche und anderen Textilien tragen zur Verbreitung der Krätze bei.

Übertragen wird die Krätze meist durch befruchtete Weibchen. Sie sind 0,3 bis 0,5 mm groß und bohren sich innerhalb einer halben Stunde in die Hornschicht der Haut, um dort bis zu ein Zentimeter tiefe Gänge zu "graben", wo sie ihre Eier ablegen.

Außerhalb des menschlichen Körpers können Krätzmilben je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit bis zu 14 Tagen überleben. Unterhalb zwölf Grad und oberhalb 50 Grad kann die Lebensdauer der Parasiten deutlich verkürzt werden.


Wie äußert sich die Krätze?

Wenige Tage, nachdem die Milbenweibchen ihre Eier unter die Haut gelegt haben, schlüpfen aus ihnen sechsbeinige Larven. Die Larven wandern dann zur Hautoberfläche, wo sie sich zu achtbeinigen so genannten Nymphen weiterentwickeln. Aus den Nymphen gehen dann entweder männliche oder weibliche Tiere hervor. Die Gesamtentwicklungszeit eines Männchens dauert neun bis vierzehn Tage, Weibchen benötigen bis zur Geschlechtsreife bis zu drei Wochen.

Bis sich nach einem Befall erste Symptome an der Haut zeigen, vergehen im Schnitt vier Wochen. Zunächst macht sich die Bohrtätigkeit der Weibchen durch Brennen und Juckreiz bemerkbar, vor allem nachts unter der warmen Bettdecke. Bald zeigt die Haut an den betroffenen Stellen stecknadelgroße, rötliche Erhebungen, die einzeln oder flächig auftreten können.

Vorzugsweise befallen werden die Fingerzwischenräume, die Handgelenke, die Ellenbogen, die Leistenregion sowie die äußeren Geschlechtsorgane. In manchen Fällen breitet sich die Krätze auch am ganzen Körper aus - abgesehen vom Gesicht, das nur selten betroffen ist.

Verkrusten sich die Hauterhebungen, ist das ein Hinweis auf die besonders hochansteckende Form der Scabies norvegica.

In vielen Fällen kommt es nach den ersten Hautreaktionen zu einem allergischen Hautausschlag, der von den Ausscheidungen der Krätzmilben und der Zersetzung abgestorbener Tiere herrührt. Der Ausschlag zeigt sich bevorzugt rund um die Brustwarzen und am Handrücken.

Bei Menschen mit einer geschwächten Körperabwehr breitet sich die Krätze oft besonders schnell aus. Auch äußern sich die Symptome oft heftiger. Kratzen kann den Juckreiz deutlich verstärken.


Die Diagnose der Krätze

Die typischen Hauterscheinungen der Krätze genügen dem erfahrenen Hautarzt (Dermatologen) meist schon, mithilfe einer starken Lupe den Krätzmilbenbefall zu erkennen. Zudem können die Milbengänge mittels einer Spezialflüssigkeit eingefärbt und sichtbar gemacht werden. Mit einem Skalpell lassen sich die Milbengänge auch öffnen, um die Milben identifizieren zu können.


Die Behandlung der Krätze

Zur Behandlung der Krätze kommen verschiedene Wirkstoffe infrage, die entweder als Salbe, Emulsion oder Spray aufgetragen werden. Häufig verwendet werden die Wirkstoffe Hexachlorcychohexan, die Organochlorverbindung Lindan als Salbe oder Emulsion sowie S-Bioallethrin als Spray. Da die Wirkstoffe starke Nebenwirkungen haben können, sollte ein Krätzmilbenbefall nicht auf eigene Faust, sondern stets unter ärztlicher Aufsicht behandelt werden.

Die sichtbar betroffenen Stellen werden besonders intensiv mit dem Antikrätzemittel therapiert, doch wird grundsätzlich der ganze Körper (mit Ausnahme des Gesichts) in die Behandlung einbezogen. Das Präparat wird gewöhnlich vor dem Zubettgehen aufgetragen. In der folgenden Nacht beziehungsweise den folgenden Nächten muss die Behandlung wiederholt werden.

Es empfiehlt sich, an jedem Morgen die Nacht- und Bettwäsche, Handtücher und Körperwäsche zu wechseln. Waschen bei 60°C reicht aus. Bei der Anwendung eines Ganzkörpersprays genügt nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt unter Umständen eine einmalige Behandlung.

Menschen, die mit Betroffenen in engem Hautkontakt getreten sind, sollten sich stets ebenfalls behandeln lassen, auch wenn sich bei ihnen noch keine Symptome zeigen.


Verlauf

Fachgerecht behandelt ist die unmittelbare Ansteckungsgefahr der Krätze oft schon nach einem Tag gebannt. Manchmal müssen jedoch mehrere Tage mit wiederholten Behandlungen, mitunter sogar mehrere Wochen vergehen, ehe keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Wer nach einem überstandenen Befall in eine Gemeinschaftseinrichtung zurückkehren möchte, braucht ein ärztliches Attest, das die Milbenfreiheit bescheinigt.

Das endgültige Abheilen der befallenen Hautbereiche kann einige Wochen dauern, auch wenn keine Ansteckungsgefahr mehr besteht.


Wie kann man vorbeugen?

Eine Vorbeugung der Krätze im engeren Sinn ist nicht möglich, zumal jeder gesunde Mensch befallen werden kann. Ist ein Krätzmilbenbefall diagnostiziert, ist es dagegen unbedingt ratsam, engen Hautkontakt mit dem betroffenen Menschen zu vermeiden und in dessen unmittelbaren Umgebung entsprechende Vorsichtsmaßnahmen (Waschen der Bett- und Körperwäsche etc.) zu ergreifen.


Bei weiteren Fragen zum Thema Krätze wenden Sie sich doch einfach an die Experten der Hausarzt-Expertenrat.

Quellen:
Merkblatt für Ärzte: Krätzmilbenbefall (Skabies). Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: Januar 2002)
Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Skabies. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/052k (Stand 01/2006)

 

Autor: Peter Gelhard 
Letzte Änderung am: 27.10.2008
 
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