Tipp

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)

 Besprechung der Diagnose Gebärmutterhalskrebs

Die Diagnose Gebärmutterhalskrebs sollte ausführlich mit der Frauenärztin besprochen werden
(Quelle: DAK/Wigger)

Der Gebärmutterhals (Zevix) ist der untere Teil der Gebärmutter (Uterus) und reicht ein kleines Stück in die Scheide (Vagina) hinein. Da hier die Schleimhäute von Scheide und Gebärmutterhals aufeinander treffen, kommt es relativ häufig zu meist harmlosen Zellveränderungen (Dysplasien). Bleibt eine Dysplasie unbehandelt, kann sich im Laufe der Zeit daraus jedoch Gebärmutterhalskrebs entwickeln. Aus diesem Grund wird Frauen ab dem zwanzigsten Lebensjahr dringend empfohlen, jährlich zur Krebsvorsorge zu gehen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 6.500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Damit ist das Zervixkarzinom die dritthäufigste gynäkologische Tumorerkrankung. Im Frühstadium wird Gebärmutterhalskrebs häufig schon bei jüngeren Frauen festgestellt. Das Durchschnittsalter beträgt etwa 35 Jahre. Von Tumoren im fortgeschrittenen Stadium sind dagegen meist Frauen ab 60 betroffen.

Wie wird Gebärmutterhalskrebs verursacht?

In den meisten Fällen geht ein Zervixkarzinom auf eine frühe Infektion mit so genannten humanen Papilloma-Viren (HPV) zurück. Von den zahlreichen verschiedenen HPV-Typen sind insbesondere die Typen 16 und 18 an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt.

Übertragen werden die Viren in erster Linie durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, meist schon in jungen Jahren. Man geht davon aus, dass bis zu 80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen mindestens einmal im Leben mit humanen Papilloma-Viren in Kontakt kommen. Die Infektion verläuft meist unbemerkt und heilt innerhalb eines Jahrs von selbst wieder aus. In maximal zehn Prozent der Fälle entwickeln sich Krankheitssymptome, die ebenfalls meist lange unbemerkt bleiben. Bei einem Teil der Frauen mit Symptomen entsteht dann Gebärmutterhalskrebs.

Neben einer HPV-Infektion gibt es weitere Risikofaktoren, die zur Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beitragen. Dazu zählt insbesondere das Rauchen, wodurch sich das Gebärmutterhalskrebs-Risiko um bis zu 60 Prozent erhöht. Hinzu kommt ungeschützter Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern sowie Infektionen mit Herpes simplex und Chlamydien. Ob auch die Langzeiteinnahme der Anti-Baby-Pille das Gebärmutterhalskrebs-Risiko erhöht, ist noch nicht abschließend geklärt.

Wie äußert sich Gebärmutterhalskrebs?

Zu Beginn macht Gebärmutterhalskrebs meist keine eindeutigen Beschwerden. Erste unspezifische Hinweise können ein anhaltender wässriger Ausfluss oder Blutungen außerhalb der Regel sein. Kommt es zu Symptomen wie Bauch- und Rückenschmerzen, unerklärlichem Gewichtsverlust und unentwegter Nachtschweiß, hat der Tumor oft bereits auf benachbarte Organe wie Harnblase, Harnwege oder Enddarm übergegriffen.

Wie wird Gebärmutterhalskrebs festgestellt?

Das wichtigste Diagnoseverfahren ist der so genannte Pap-Abstrich. Dabei handelt es sich um eine Zellprobe, die mit einem speziellen Spatel vom Gebärmutterhals abgestrichen und dann in einem Labor untersucht wird. Der Pap-Abstrich gehört zur jährlichen gynäkologischen Krebsvorsorgeuntersuchung und kann ab dem 20. Lebensjahr kostenlos in Anspruch genommen werden.

Ergibt der Abstrich einen Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs oder auf einen Tumor im Frühstadium, lässt sich durch eine Gewebeprobe (Biopsie) oder die Entnahme eines Gewebekegels (Konisation) klären, ob es sich um gutartige oder bösartige Zellveränderungen handelt. Im Fall von bösartigen Zellveränderungen muss dann das Erkrankungsstadium ermittelt werden. Dabei wird das Frühstadium (In-situ-Karzinom) von den Schwerestadien eins bis vier unterschieden.

Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie, Magnetresonanztomographie, Röntgen sowie die Spiegelung von Gebärmutter, Darm und Blase können hinzugezogen werden, um den Umfang des Tumors sowie seine mögliche Ausdehnung auf benachbarte Organe abzuklären.

Wie wird Gebärmutterhalskrebs behandelt?

Wird Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium (In-situ-Karzinom) festgestellt, reicht in vielen Fällen eine Konisation des erkrankten Gewebes aus. Dabei wird der betroffene Gewebebereich kegelförmig aus dem Gebärmutterhals entfernt. Zugleich wird meist die Gebärmutter ausgeschabt (Abrasio).

Ist der Krebs bereits fortgeschritten, muss das betroffene Gewebe komplett entfernt werden. Dabei werden abhängig vom Erkrankungsstadium meist die Gebärmutter, die dazu gehörenden Lymphknoten sowie ein Teil der Scheide entfernt. Haben Frauen noch einen Kinderwunsch, reicht es im frühen Stadium eins unter Umständen aus, eine Konisation durchzuführen und nur den Gebärmutterhals zu entfernen (Trachelektomie). Auch versucht man bei Frauen vor den Wechseljahren nach Möglichkeit die Eierstöcke zu erhalten.

In weit fortgeschrittenen Stadien kann eine Operation mit einer Strahlentherapie oder Chemotherapie kombiniert werden. Ziel ist es dann, die weitere Ausdehnung des Tumors zu stoppen und die Beschwerden zu verringern.

Verlauf

Wird Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium festgestellt (In-situ-Karzinom), besteht eine nahezu 100-prozentige Heilungschance. Selbst in frühen Tumorstadien kann der Tumor mittels Operation und/oder Strahlentherapie noch in etwa 80 Prozent der Fälle besiegt werden. Hat der Tumor bereits auf andere Organe übergegriffen, sinken die Heilungschancen allerdings deutlich.

Häufig kommt es nach einer erfolgreichen Behandlung zu einem Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv). Deshalb wird auf die Nachsorge großes Gewicht gelegt. Ziel ist es, das Wiederauftreten rechtzeitig zu entdecken. Außerdem gilt es, mögliche Nebenwirkungen einer Operation oder Strahlen- und Chemotherapie zu behandeln. Allgemein wird empfohlen, in den ersten drei Jahren nach der Behandlung vierteljährlich zur Nachsorge zu gehen. Später genügt es meist, sich halbjährlich oder jährlich untersuchen zu lassen.

Kann man Gebärmutterhalskrebs vorbeugen?

Der beste Schutz vor Gebärmutterhalskrebs besteht darin, sich vor einer Infektion mit humanen Papilloma-Viren (HPV) zu schützen - am besten mit Kondomen. Wichtig ist außerdem, die jährliche Krebsvorsorge mit einem Pap-Abstrich in Anspruch zu nehmen. Haben junge Frauen ungeschützten Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern, empfiehlt sich ein gelegentlicher Pap-Abstrich auch schon vor dem 20. Lebensjahr.

Darüber hinaus gibt es zwei Impfstoffe. Der eine schützt gezielt vor einer Infektion mit den HPV-Typen 16 und 18. Der andere wirkt zusätzlich gegen die HPV-Typen 6 und 11, die Feigwarzen (Kondylome) verursachen können. Für einen vollständigen Impfschutz müssen drei Injektionen innerhalb eines halben Jahrs erfolgen.

Gesichert ist, dass die so genannte HPV-Impfung in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren weitgehend vor Gebärmutterhalskrebs schützt. Ob die Schutzwirkung länger anhält, ist noch nicht geklärt. In jedem Fall ersetzt eine Impfung nicht die gynäkologische Krebsvorsorge mit einem Pap-Abstrich, da in etwa einem Drittel aller Fälle andere HPV-Typen als 16 und 18 an der Entwicklung eines Gebärmutterhalskrebses beteiligt sind.

Empfohlen wird die Impfung Mädchen und jungen Frauen im Alter von 12 bis 17 Jahren. Für diesen Personenkreis übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen auch die Kosten der Impfung.


Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Gebärmutterhalskrebs haben, können Sie sich an die Experten der Frauenarzt-Expertenrat auf der Gesundheitsberatung wenden.

Quellen:
Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Diagnostik und Therapie des Zervixkarzinoms. AWMF-Leitlinien-Register Nr.: 032/033 (Stand 05/2004)
Robert Koch Institut (Hg.): Gebärmuttererkrankungen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes Heft 37. Berlin 2007

 

Autor: Peter Gelhard 
Letzte Änderung am: 17.07.2012
 
Tipp