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Läuse (Pediculidae)

Die Kopflaus wird leicht bei engem Kontakt wie in Kindergärten übertragen

Die Kopflaus wird leicht bei engem Kontakt wie in Kindergärten übertragen
(Quelle: BananaStock)

Läuse sind flügellose Insekten, die dauerhaft auf einem Wirt leben. Sie sind so genannte Ektoparasiten, das bedeutet, dass sie auf einem Wirt leben und sich von ihm ernähren.

Im medizinischen Sinne sind die Läuse der Familie Pediculidae relevant, die den Menschen als Wirt nutzen. Läuse ernähren sich vom Blut des Menschen und nutzen ihn als Brutplatz für die Fortpflanzung. Eine Laus verfügt über stechende und saugende Mundwerkzeuge, mit denen sie ein Speicheldrüsensekret in die Blutbahn des Wirts injiziert. Dieses enthält eine gerinnungshemmende Substanz, welche die Blutgerinnung verlangsamt. Auf diese Weise kann die Laus das Wirtsblut aufsaugen. Im Gegensatz zu anderen Insekten hat sie lediglich Punktaugen oder ist blind. Ihre drei Beinpaare sind als Klammerbeine ausgebildet, mit denen sie sich an der Körperbehaarung oder Kleiderfasern festhalten kann. Da Läuse mehrmals täglich das Blut ihres Wirts als Nahrung aufnehmen müssen, können sie ohne Wirt nicht lange überleben. Die Überlebensdauer ohne Nahrung unterscheidet sich geringfügig von Art zu Art.

Das befruchtete Ei einer Laus wird Nisse genannt und kann nur bei über 22 Grad Celsius überleben. Das Weibchen befestigt das Ei mit einer wasserunlöslichen, kleberähnlichen Substanz an Haaren oder Fasern. Die Entwicklung der Nisse über die Larve zur ausgewachsenen (adulten) Laus beträgt zwischen zwei und drei Wochen. Während dieser Zeit häutet sich das Tier drei Mal.


Welche Ursachen hat ein Lausbefall (Pedikulose)?

Der Mensch dient als Wirt für drei Arten von Läusen, welche als Kopflaus (Pediculus humanis captis), Filzlaus (Phthirus pubis) und Kleiderlaus (Pediculus humanus corbis) bezeichnet werden. Diese Läuse werden in der Regel durch engen Körperkontakt (von Haar zu Haar) übertragen, da sie weder fliegen noch springen können, um von Wirt zu Wirt zu gelangen.

Die Filzlaus ist vorwiegend an Scham- und Barthaaren, sowie Augenbrauen und Wimpern zu finden. Sie wird in der Regel über den Geschlechtsverkehr übertragen, unter Umständen auch über gemeinsam benutzte Handtücher, Rasierapparate oder Kleidungsstücke. Nach zwölf Stunden ohne Nahrung stirbt der Parasit.

Die Kleiderlaus bevorzugt raue Kleidungsfasern wie Wolle und kann sich vor allem bei mangelnden Hygienebedingungen ausbreiten. In einigen Fällen nutzt sie das Kopfhaar des Menschen als Brutplatz. Die Übertragung findet ebenfalls durch Kontaktinfektion, also durch engen Körperkontakt statt. Die Kleiderlaus ist wichtigster Überträger von Krankheitserregern, welche Infektionskrankheiten wie das Rückfallfieber auslösen.

Das Weibchen der Kopflaus befestigt seine Eier (Nissen) an einzelnen Haaren nahe der Kopfhaut. Eine ausgewachsene Kopflaus überlebt ohne Nahrung bei Zimmertemperatur nicht länger als zwei Tage. Die Kopflaus wird oft durch engen Kontakt wie in Kindergärten und Schule übertragen. Gemeinsam benutzte Kämme, Haarbürsten oder Mützen und Schals können ebenfalls ein möglicher Übertragungsweg sein. Ein Kopflausbefall hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, da normales Haarshampoo den Läusen nichts anhaben kann. In Deutschland überträgt die Kopflaus in der Regel keine Krankheiten.


Welche Symptome löst ein Lausbefall aus?

Die Stiche der Filzlaus äußern sich zunächst durch Rötungen und Reizungen der Haut an den Einstichstellen, vorwiegend im Genitalbereich. Kleine Bluttropfen, die durch die winzigen Hautverletzungen entstehen, können in der Unterwäsche des Betroffenen sichtbar sein.

Kleiderläuse werden meist durch Juckreiz in Folge der Stiche bemerkt. Diese Reaktion tritt in den Achselhöhlen, im Genitalbereich oder am Hosenbund auf. Die Kleiderläuse setzen sich an den Säumen und Nähten enganliegender Kleidungsstücke fest.

Ein Befall durch Kopfläuse äußert sich oft durch starken Juckreiz und punktförmige Schwellungen, vorwiegend hinter den Ohren, im Nacken und am Hinterkopf. Durch Kratzen als Reaktion auf den Juckreiz kann es zu Ekzemen und bakteriellen Infektionen kommen.


Wie wird ein Lausbefall diagnostiziert?

Treten die beschriebenen Symptome wie Juckreiz und schmerzenden Hautrötungen auf, wird die betroffene Körperregion auf Läuse und deren Eier abgesucht. Kopfläuse lassen sich durch sorgfältiges Auskämmen der feuchten Haare finden. Hierfür eignet sich ein so genannter Läusekamm, dessen Abstand zwischen den Zinken nicht größer als 0,2 Millimeter ist. Mit einem solchen Kamm lassen sich eventuelle Nissen und Läuse leichter vom Haar abstreifen. Die weißen Nissen sind gut am Haaransatz zu erkennen. Ein Befall durch Filzläuse lässt sich ebenfalls durch genaues Absuchen der betroffenen Hautpartien, gegebenenfalls mit einer Lupe, feststellen. Da Kleiderläuse sich eher in Kleiderfalten und an Säumen und Nähten der Kleidung aufhalten, müssen in solch einem Fall diese Stellen auf Läuse untersucht werden. Die Tiere lassen sich in der Regel mithilfe eines Vergrößerungsglases erkennen.


Wie kann man einen Lausbefall behandeln?

Generell werden bei einem Lausbefall Spülungen oder Reinigungslotionen angewendet, welche Nissen und erwachsene Läuse in Haaren, Kleidung oder Wäsche abtöten. Wie oft die Prozedur wiederholt werden muss, hängt von dem individuellen Befund ab. Um einer Infektion der durch den Juckreiz ausgelösten Kratzwunden vorzubeugen, sollte man vor allem kleinen Kindern die Fingernägel sehr kurz schneiden und gegebenenfalls in der Nacht Baumwollhandschuhe anziehen.

Die Behandlung bei einem Filzlausbefall sollte sich immer auch auf den Partner ausdehnen, beziehungsweise auf Personen, welche eventuell Handtücher und Ähnliches gemeinsam nutzen. Betroffene mit starker Körperbehaarung sollten Oberschenkel, Gesäß und Oberbauch ebenfalls behandeln. Bettwäsche, Handtücher und Kleidung sollten per Kochwäsche oder mit entsprechenden Mitteln gereinigt werden. Bei Verdacht auf einen Befall durch Filzläuse kann der behandelnde Arzt die betroffene Körperregion untersuchen und die nötigen Mittel zur Lausbekämpfung empfehlen. In der Apotheke sind spezielle Reinigungsmittel für Körper und Kleidung erhältlich.

Ein Befall durch Kleiderläuse lässt sich zum einen durch regelmäßiges Wechseln der Unterwäsche behandeln, zum anderen können die Läuse in Kleidung und Bettwäsche durch trockene Hitze oder Einfrieren abgetötet werden. Trocknen der Wäsche im Trockner bei über 60 Grad Celsius über die Dauer von einer Stunde tötet die Tiere ab und verhindert so eine weitere Fortpflanzung. Gegenstände wie Handtücher oder Waschlappen, die von mehreren Personen verwendet werden, sollten ebenfalls gereinigt werden. Zum anderen müssen die Kopfhaare mit einem entsprechenden Mittel oft mehrmals gewaschen und eingerieben werden. Ebenfalls hilft das regelmäßige Auskämmen der Haare mit einem Läusekamm, die festklebenden Nissen und erwachsene Läuse zu entfernen. Bei einem Befall durch Kopfläuse sollten immer auch Familienmitglieder behandelt, sowie Schule, Kindergarten und Freunde des Betroffenen informiert werden.

Bei Verdacht auf einen Befall durch Kopfläuse wird der Betroffene einer genauen Untersuchung unterzogen. Im Fall eines Lausbefalls sollten Personen im näheren Umfeld, vor allem bei engem Kontakt in Kindergärten oder Schulen ebenfalls untersucht werden. Kleidung, Bettwäsche und Handtücher sollten bei 60 Grad Celsius gewaschen werden. Gegenstände wie Plüschtiere oder Spielzeug, die eventuell nicht gewaschen werden können, können gut verpackt mit Kälte behandelt werden: In der Tiefkühltruhe sterben nach zwei Tagen Läuse und Nissen ab.


Welche Komplikationen können bei einem Lausbefall entstehen?

Ein Lausbefall löst oft einen starken Juckreiz aus, der zu häufigem Kratzen führt. In der aufgekratzten Haut können sich Bakterien ansammeln, die zu Entzündungen oder Ekzemen führen. Da Läuse warme Körperregionen bevorzugen, entsteht auch der Juckreiz an Orten, an denen sich Bakterien wohl fühlen und schnell vermehren.

Von den drei relevanten Lausarten ist die Kleiderlaus häufigster Überträger von Krankheiten. Zu den Krankheiten gehören das Rückfallfieber (Läuserückfallfieber), sowie das epidemische Fleckfieber und das wolhynische Fieber.


  • Läuserückfallfieber: Die Infektionskrankheit ist in den kälteren Regionen Afrikas, Asiens und Südamerikas verbreitet. Sie wird vorwiegend durch die Kleiderlaus übertragen, die ihren Wirt mit im Speichel enthaltenen Borrelien infiziert. Im Laufe einer Erkrankung kommt es zu einer Fieberperiode, die fünf bis sieben Tage andauert. Es kann bis zu zwei Rückfälle geben. Weitere Symptome sind Kopf-, Glieder- und Rückenschmerzen sowie Übelkeit, hohes Fieber und eine Milz- und Leberschwellung.
  • Epidemisches Fleckfieber: Diese Erkrankung wird durch Kleiderläuse übertragen und ist in Ost- und Südosteuropa verbreitet. Sie breitet sich vor allem unter schlechten hygienischen Bedingungen aus. Symptomatisch sind hohes Fieber, Sowie Kopf- und Gliederschmerzen. In einigen Fällen kommt es zu einer Milzschwellung. Ohne Behandlung kann ein Kreislaufkollaps in der zweiten Woche der Erkrankung zum Tod führen.
  • Wolhynisches Fieber: Die Kleiderlaus ist Überträger des Bakteriums Bartonella quintana, welches die Infektionskrankheit auslöst. Der Infekt äußert sich durch vier bis fünf Tage andauernde Fieberschübe. Heute sind weltweit nur Einzelfälle bekannt.

Kann man einem Lausbefall vorbeugen?

Dem Lausbefall an sich kann man nur schwer vorbeugen. Tritt an Orten wie Kindergärten oder Schulen ein Lausbefall auf, verbreiten sich zum Beispiel Kopf- und Kleiderläuse relativ schnell. Um einen erneuten Lausbefall zu vermeiden, ist wichtig, sich genau an die Angaben zur Anwendung der Läusebekämpfungsmittel zu halten.

Die Filzlaus wird häufig beim Geschlechtsverkehr übertragen. In einer Partnerschaft oder bei wechselnden Sexualpartnern sollte auf Hygiene geachtet werden. Auf den Geschlechtsverkehr mit erkrankten Personen sollte verzichtet werden.


Weitere Fragen zum Thema Lausbefall können Sie zum Beispiel in der Expertenrat für Kinderkrankeiten auf der Gesundheitsberatung oder in der Hausarzt-Expertenrat stellen.


Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie auch auf den Seiten der Deutschen Pediculosis Gesellschaft e.V.: www.pediculosis-gesellschaft.de

Quellen:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln: Kopfläuse… was tun?. (Stand: Oktober 2007)
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007
RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Kopflausbefall. Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: Juli 2007)

 

Autor: Sarah Liebigt 
Letzte Änderung am: 06.11.2008
 
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