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Leberkrebs

Krebserkrankungen der Leber (dunkel gefärbtes Organ) werden oft erst in einem späten Stadium erkannt
(Quelle: LifeArt)

Der Begriff Leberkrebs fasst alle bösartigen Geschwulsterkrankungen der Leber zusammen. Die häufigste Form ist das Leberzellkarzinom (hepatozelluläres Karzinom, abgekürzt: HCC). Man unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Leberkrebs. Der primäre Leberkrebs entsteht aus den eigenen Zellen der Leber, der sekundäre bezeichnet Lebermetastasen. Lebermetastasen sind Tochtergeschwülste bösartiger Tumoren anderer Organe, die in die Leber gestreut haben.

In Deutschland ist das Leberzellkarzinom eine seltene Krebserkrankung  knapp zwei Prozent aller bösartigen Tumoren sind in der Leber lokalisiert. Allerdings steigt die Rate der Neuerkrankungen an. Das liegt zum einen daran, dass Leberzirrhosen aufgrund des gestiegenen Alkoholkonsums zunehmen. Zum anderen steigt in den westlichen Ländern die Zahl der Hepatits-Erkrankungen. Dabei trifft es Männer beinahe doppelt so häufig wie Frauen. Weltweit steht Leberkrebs an fünfter Stelle der häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen.


Was sind die Ursachen von Leberkrebs?

Welche Ursachen genau für die Entstehung von Leberkrebs verantwortlich sind, ist bislang noch nicht eindeutig geklärt. Bestimmte Risikofaktoren erhöhen jedoch die Wahrscheinlichkeit, ein Leberzellkarzinom zu entwickeln, besonders, wenn mehrere dieser Faktoren vorliegen.

Weltweit ist die Erkrankungsrate in Gebieten, in denen Hepatitis B stark verbreitet ist, besonders hoch. Hepatitis B scheint also einer der Risikofaktoren für die Entstehung von Leberkrebs zu sein. Eine Leberzirrhose entsteht meist aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums. Er zerstört die Leberzellen und führt zu irreparablen Schäden. Häufig ist die Leberzirrhose die Vorstufe zu Leberkrebs. Neben den beiden Hauptrisikofaktoren Hepatitis B und Leberzirrhose können weitere Faktoren zur Entwicklung von Leberkrebs beitragen:

  • Hepatitis C
  • angeborene oder erworbene Eisenspeicherkrankheit
  • Vergiftungen mit Schimmelpilzgiften (Aflatoxine)
  • Stoffwechselerkrankungen wie Alpha-1-Antitrypsinmangel

Was sind die Symptome von Leberkrebs?

Die Symptome von Leberkrebs treten meist erst im fortgeschrittenen Stadium auf und sind sehr uncharakteristisch. Deshalb werden sie häufig erst sehr spät richtig gedeutet. Es gibt jedoch eine Reihe von Anzeichen, die auf Tumoren der Leber hinweisen können. Dazu gehören:

  • Ständige Bauchschmerzen, vor allem im Oberbauch
  • Gelbfärbung von Haut und Augen
  • Durchfall
  • Schwarzer, stark riechender Stuhl ("Teerstuhl")
  • Gewichtsabnahme, häufig trotz zunehmenden Bauchumfangs
  • Allgemeines Schwächegefühl

Treten die genannten Beschwerden über einen gewissen Zeitraum auf, empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Zwar können die Symptome auch andere, harmlose Ursachen haben, es ist aber ratsam, die Chance auf eine frühe Diagnose zu nutzen.


Wie wird Leberkrebs diagnostiziert?

Die Diagnose von Leberkrebs beginnt mit einer ausführlichen Besprechung der Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dann folgt eine körperliche Untersuchung. Größe und Beschaffenheit der Leber sowie Verfärbungen von Haut und Augen deuten dabei bereits auf eine mögliche Lebererkrankung hin.

Bildgebende Diagnose-Verfahren

Mit der Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) lassen sich Veränderungen an den Organen feststellen. Durch 3-D-Bilder erlauben Computertomographie (CT) und Magnetresonanz-Tomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, einen noch genaueren Einblick. Bei beiden Verfahren können zusätzlich Röntgenkontrastmittel gegeben werden, um die Organe besser darzustellen.

Darmspiegelung (Koloskopie)

Die Darmspiegelung (Koloskopie) wird angewendet, um vor Therapiebeginn auszuschließen, dass es sich bei dem Leberkrebs um Metastasen eines Darmkrebses handelt. Eine Darmspiegelung erfolgt über den After in den Dick- und Dünndarm. Hier kann eine kleine Gewebeprobe des Darms entnommen werden (Biopsie). Das entnommene Gewebe lässt sich anschließend unter dem Mikroskop eingehend untersuchen.

In einigen Fällen empfiehlt sich die Röntgenaufnahme der Gefäße (Angiographie), beispielsweise, um die Gefäßversorgung der Leber genauer zu untersuchen.


Wie lässt sich Leberkrebs therapieren?

Primäre Tumoren des Leberkrebs werden in der Regel zunächst operativ entfernt. Je nach Klassifikation des Tumors kann die Leber dabei teilweise oder vollständig entfernt werden. Wird die Leber vollständig entnommen, ist eine Lebertransplantation nötig.

Teilentfernung (Hepatektomie)

Bei der Teilentfernung der Leber wird der Tumor mit dem umliegenden gesunden Lebergewebe entfernt. Funktioniert die Leber normal, kann der zurückgebliebene Teil die Funktion der gesamten Leber übernehmen. Ist die Leberfunktion beispielsweise durch eine Leberzirrhose schon beeinträchtigt, ist das nicht mehr gewährleistet. In diesem Fall, bei Pfortader-Hochdruck (portale Hypertension) und im fortgeschrittenen Stadium des Leberkrebs empfiehlt sich die vollständige Entnahme der Leber.

Lebertransplantation

Wird die gesamte Leber mitsamt des Tumors entfernt, übernimmt eine eingesetzte Spenderleber die Leberfunktion. Normalerweise wird eine vollständige Entfernung vorgenommen, wenn der Leberkrebs bereits über 50 Prozent der Leber eingenommen hat oder wenn eine Leberzirrhose oder Pfortader-Hochdruck vorliegen. Voraussetzung für die Transplantation ist allerdings ein guter körperlicher Zustand, da vor allem die Zeit danach für den Körper sehr belastend ist. So müssen einige Zeit Medikamente eingenommen werden, die die Immunabwehr hemmen. Sie sollen verhindern, dass der Körper das fremde Organ nicht abstößt. In dieser Phase besteht erhöhte Infektionsgefahr.

Lokale Tumorkontrolle

Ist es nicht möglich, den Tumor in einer Operation zu entfernen, bieten sich verschiedene Verfahren an, um das Wachstum des Leberkrebses zu bremsen. Das gängigste Verfahren ist die Verödung mit hochprozentigem Alkohol (perkutane Äthanolinstillation). Dieser wird durch die Bauchdecke direkt in die schmerzunempfindliche Leber gespritzt und soll den Tumor veröden.

Wärmebehandlungen lassen sich ebenfalls zur Verödung des Tumors einsetzen. Dies geschieht entweder durch Radiohochfrequenzen (Radiofrequenz-Thermoablation) oder durch heiße Kochsalzlösung. Bei der Lipiocistherapie wird das Kontrastmittel Lipiodol mit radioaktiver Flüssigkeit versehen und in die Leber gespritzt.

Chemotherapie

Konnten durch die Operation nicht alle Krebsherde entfernt werden, empfiehlt sich der Einsatz von Medikamenten, die die Zellteilung hemmen. Diese Zellgifte, die Zyostatika, verändern die Erbinformationen im Zellkern, sodass sich die Zellen nicht mehr teilen können. Obwohl die Zyostatika eher auf die sich unkontrolliert teilenden Krebszellen wirken, werden auch gesunde Zellen beeinflusst. Deshalb treten bei einer Chemotherapie eine Reihe von Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Magen-Darm-Störungen, Schleimhautentzündungen, Haarausfall und Schwächegefühl auf.


Welchen Verlauf hat Leberkrebs?

Die meisten Fälle von Leberkrebs werden erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Je früher er allerdings diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen von Leberkrebs, auch bei einer Neubildung. Eine regelmäßige Tumornachsorge ist daher sehr wichtig.


Wie kann man Leberkrebs vorbeugen?

Da die Früherkennung eine bedeutende Rolle beim Verlauf von Leberkrebs spielt, empfehlen sich regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und ausreichender Bewegung hilft der Vorbeugung einer Vielzahl von Krankheiten. Es ist ratsam, auf übermäßigen Alkoholkonsum zu verzichten, da er die Hauptursache für Leberzirrhosen ist. Eine Impfung schützt außerdem vor Hepatitis B.


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Quellen:
Die blauen Ratgeber der Deutschen Krebshilfe: Krebs der Leber und Gallenwege. (Stand: Januar 2008)
Kurzgefasste Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Chirurige: Primäre Leberkarzinome. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 032/018 (Stand: Oktober 2003)
Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.: www.krebsgesellschaft.de (Stand: Juni 2008)

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 10.08.2009
 
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