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Leberzirrhose

 Rasche Ermüdung und Schwäche sind zwei Symptome bei Leberzirrhose

Rasche Ermüdung und ein chronisches Schwächegefühl sind zwei der Symptome einer Leberzirrhose
(Quelle:BananaStock)

Die Leberzirrhose ist das Endstadium verschiedener Lebererkrankungen. Dabei wird das chronisch entzündete Lebergewebe zunächst durch narbiges Bindegewebe ersetzt (Leberfibrose). Wird in dieser "Umbauphase" dessen Ursache nicht beseitigt, baut sich die Leber zusätzlich ab: Sie schrumpft und verhärtet sich. Deshalb wird Leberzirrhose umgangssprachlich auch als "Schrumpfleber" bezeichnet. Der bereits eingesetzte Abbauprozess ist nicht mehr rückgängig zu machen.

Die beim Erwachsenen etwa 1,5 bis zwei Kilogramm schwere Leber ist für verschiedene Stoffwechselvorgänge im Körper zuständig. Neben der Blutversorgung über Arterien und Venen verfügt die Leber über eine zusätzliche Vene, die Blut aus Magen, Darm, Milz und Gallenblase in die Leber transportiert, die Pfortader. Die Hauptaufgabe der Leber ist die Entgiftung. Vor allem die Giftstoffe, die über den Darm in das Blut gelangen, werden in der Leber "herausgefiltert". Bei der Schrumpfleber ist die Leber nicht mehr in der Lage, diese Stoffwechsel- und Entgiftungsprozesse durchzuführen. Sie verliert nach und nach ihre Funktionsfähigkeit.

Etwa 250 von 100.000 Menschen in den westlichen Ländern leiden an einer Leberzirrhose, wobei Männer doppelt so häufig betroffen sind wie Frauen.


Was sind die Ursachen von Leberzirrhose?

Die häufigsten Ursachen der Leberzirrhose sind Hepatits-Infektionen und Alkoholmissbrauch. Während Alkoholmissbrauch in den westlichen Ländern der Hauptgrund ist, dominieren Infektionen mit Hepatitis B, C und D als Ursache weltweit. Weitaus seltener sind andere Auslöser der Leberzirrhose. Dazu gehören:

  • Autoimmunerkrankung der Leber (biliäre Zirrhose)
  • Autoimmunhepatitis
  • Stoffwechselkrankheiten wie Hämochromatose, Wilson-Krankheit, Alpha-1-Antitrypsinmangel, Tyrosinose und Mukoviszidose
  • Lebervenenstauung bei chronischer Herzschwäche
  • Medikamente
  • Giftstoffe, zum Beispiel aus Schimmelpilzen

In einigen Fällen sind die genauen Ursachen der Leberzirrhose unklar. Sie werden als kryptogene Zirrhosen bezeichnet.


Was sind die Symptome von Leberzirrhose?

Die Vorstufe der Leberzirrhose ist die Leberfibrose. In diesem Stadium hat der Umbau des Lebergewebes bereits begonnen. Es treten aber keine Symptome auf. Die Beschwerden der Zirrhose zeigen sich meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium. Deshalb ist es ratsam, bei andauernden Symptomen einen Arzt aufzusuchen. Zu den häufigsten Anzeichen der Leberzirrhose gehören:

  • Chronische rasche Ermüdung
  • Allgemeines Schwächegefühl
  • Gewichtsabnahme, häufig trotz zunehmenden Bauchumfangs
  • Schmerzen im Oberbauch

Ein weiteres typisches Symptom von Leberzirrhose sind so genannte Gefäßspinnen: sternförmige Gefäßneubildungen im Bereich von Oberkörper, Gesicht und Hals. Auch Lacklippen und die Lackzunge sind ein Hinweis auf Leberzirrhose. Dabei sind Zunge und Lippen auffällig gerötet und glänzend. Die Handballen sind bei Leberzirrhose ebenfalls häufig gerötet. Außerdem tritt eine Gelbfärbung von Augen und Haut (Ikterus) und Juckreiz auf. Bei Männern kommt es oft zum Verlust von Bauch- und Brustbehaarung und der Potenz, Frauen leiden häufig unter Menstruationsstörungen.


Wie wird eine Leberzirrhose diagnostiziert?

Nach einem Gespräch über die Krankheitsgeschichte (Anamnese) folgt die körperliche Untersuchung. Veränderungen der Leber im fortgeschrittenen Stadium lassen sich bereits ertasten.

Eine Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) gibt Aufschluss über Größe, Form und Oberfläche der Leber. Auch Vergrößerungen von Pfortader und Milz, typische Begleiterscheinungen der Schrumpfleber, lassen sich erkennen. Um auszuschließen, dass sich bereits ein Leberkrebs entwickelt hat, wird häufig auch eine Leberbiopsie durchgeführt. Dabei wird etwas Lebergewebe entnommen und anschließend mikroskopisch untersucht.

Auch die Blutwerte zeigen Einschränkungen der Lebertätigkeit an. So können bestimmte Werte stark erhöht, andere sehr niedrig sein. Auch Hepatitis-Antikörper lassen sich im Blut nachweisen.


Wie lässt sich eine Leberzirrhose therapieren?

Da die Leberzirrhose die Folge verschiedener Krankheiten ist, gilt es, zunächst die ursächliche Erkrankung zu therapieren. Somit lässt sich ein Fortschreiten der Leberzirrhose verhindern. Im Vorstadium der Leberzirrhose, der Leberfibrose, kann der Umbau noch rückgängig gemacht werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Ursache für die Fibrose umgehend behandelt wird.

Grundlage jeder Therapie ist der absolute Verzicht auf Genussgifte wie Alkohol. Ist Alkoholismus die Ursache für die Leberzirrhose, ist eine Entziehungskur ratsam. Alkoholabstinenz erhöht die Wahrscheinlichkeit auf eine günstige Prognose. Medikamente werden auf das Nötigste beschränkt. Vitaminreiche Ernährung, erhöhte Eiweißzufuhr und eventuell die Gabe von Vitamin B und Folsäure sind ebenfalls Teil der Behandlung.

Lebertransplantation

Ist die Leber bereits so stark beeinträchtigt, dass sie ihre Funktionen nicht mehr ausführen kann, kann eine Spenderleber eingesetzt werden. Sind alle Voraussetzungen für eine Lebertransplantation erfüllt, wird die geschädigte Leber in einer Operation entnommen und das Spenderorgan eingesetzt. Damit der Körper das fremde Organ nicht abstößt, müssen in der Zeit nach der Lebertransplantation Medikamente eingenommen werden, die die Immunabwehr hemmen, damit das fremde Organ nicht abgestoßen wird. Je besser der körperliche Zustand zum Zeitpunkt der Transplantation ist, desto weniger Komplikationen treten auf.


Welchen Verlauf hat eine Leberzirrhose?

Die Veränderungen der Leberzirrhose sind nicht rückgängig zu machen. Trotzdem ist die Prognose günstig, je früher und effektiver sie behandelt wird. Auch eine Leber, die bereits zu 85 Prozent zerstört ist, kann ihre Funktionen noch wahrnehmen. Voraussetzung dafür ist, dass die Ursachen umgehend behandelt werden. Auch die Ernährungsumstellung und der Verzicht auf Alkohol und andere giftige Substanzen spielen dabei eine große Rolle. Gerade bei einer alkoholbedingten Schrumpfleber ist Alkohol-Abstinenz maßgeblich für den Verlauf.


Wie kann man Leberzirrhose vorbeugen?

Übermäßiger Alkoholgenuss ist in den westlichen Ländern die Hauptursache für Leberzirrhosen. Deshalb empfiehlt es sich, Alkohol nicht regelmäßig und nur in geringen Mengen zu konsumieren. Es ist ratsam, Medikamente nicht zu häufig und nach Rücksprache mit dem Arzt einzunehmen. Auch die Hepatitis B-Impfung ist sinnvoll, vor allem, wenn bereits eine Leberfibrose besteht.


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Quellen:
Piper, W.: Innere Medizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007
Online-Informationen des Universitätsklinikum Aachen: www.ukaachen.de (Stand: Dezember 2005)

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 09.10.2008
 
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