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Leukämie

Eine Leukämie führt unter anderem zu einem Mangel an weißen Blutkörperchen

Eine Leukämie zeichnet sich unter anderem durch Auffälligkeiten im Blutbild aus
(Quelle: LifeArt)

Unter Leukämie versteht man eine bösartige Erkrankung des Blut bildenden Systems des menschlichen Körpers. Im Volksmund wird die Leukämie daher auch als Blutkrebs bezeichnet.

Der Begriff Leukämie bedeutet "weißes Blut". Er wurde von Robert Koch geprägt und stammt daher, dass bei der Leukämie vermehrt weiße Blutkörperchen gebildet werden. Diese entarteten Zellen sind nicht funktionstüchtig und hindern die gesunden Zellen an ihrer Hauptaufgabe, nämlich der Abwehr von Infekten. Außerdem verdrängen sie die übrigen Zellen im Knochenmark.

Das Blut bildende System

Die Zellen des menschlichen Bluts werden in erster Linie im Knochenmark hergestellt, welches sich im Inneren aller größeren Knochen befindet. Weitere Orte der Blutbildung und Prägung der Blutzellen sind die Milz, die Lymphknoten und der Thymus - ein Organ, das sich oberhalb des Herzens befindet, ab dem Jugendalter nicht mehr benötigt wird und verkümmert.

Im Knochenmark werden die Zellen der drei so genannten Zellreihen hergestellt: Die Reihe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und der Blutplättchen (Thrombozyten). Alle diese Zellen entstehen aus zunächst unreifen Stammzellen, die im Knochenmark gebildet werden. Über mehrere Entwicklungsstufen reift jede Stammzelle letztendlich zu einer spezialisierten Zelle heran, die ganz bestimmte Aufgaben und Funktionen hat. So sind die Erythrozyten für den Transport von Sauerstoff im Körper zuständig. Die Leukozyten dienen in erster Linie der Immunabwehr und die Thrombozyten der Blutgerinnung. Die Blutzellen werden ständig nachgebildet und vom Knochenmark in das Blut ausgeschwemmt.

Bei der Leukämie ist das Gleichgewicht von Blutzellen, die verbraucht werden und absterben, und solchen, die nachgebildet werden, gestört. Es kommt zu einer exzessiven Produktion von unnützen, nicht funktionsfähigen Zellen, den so genannten Blasten. Hierdurch werden zu wenig gesunde Zellen hergestellt, es kommt so zu unterschiedlichen Symptomen wie zur herabgesetzten Immunabwehr.

Formen der Leukämie

Je nach Typ der entarteten Zellen unterscheidet man myeloische und lymphatische Leukämien. Die myeloischen Leukämien (Myelon: griechisch Mark) betreffen die Vorläuferzellen der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Bei den lymphatischen Leukämien sind die Vorläuferzellen der Lymphozyten betroffen. Diese bilden eine spezielle Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind. Sie werden weiter in B- und T-Lymphozyten unterteilt.

Je nach dem Verlauf unterteilt man Leukämien in akute und chronische Formen. Insgesamt ergeben sich so vier Hauptformen der Leukämie: Die akut myeloische Leukämie (AML), die chronisch myeloische Leukämie (CML), die akut lymphatische Leukämie (ALL) und die chronisch lymphatische Leukämie (CLL).

Wer ist betroffen?

In Deutschland gibt es pro Jahr etwa 10.000 neu auftretende Fälle von Leukämie. Während die ALL die häufigste bösartige Erkrankung des Kindesalters darstellt, wird die CLL auch als "Alters-Leukämie" bezeichnet. Die AML und CML treten vorwiegend im Erwachsenenalter auf. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.


Was verursacht Leukämie?

Es sind wenige Risikofaktoren bekannt, die eine Leukämie hervorrufen oder ihre Entstehung begünstigen können. Hierzu zählen ionisierende Strahlen, also radioaktive und Röntgenstrahlen in hohen Dosierungen. Außerdem können Lösungsmittel wie Benzol, chemische Mittel wie Pflanzenschutzmittel und Medikamente, welche die Zellteilung hemmen (Zytostatika) Leukämien auslösen. Die genannten Stoffe können in hohen Dosen Änderungen am Erbgut der Zellen hervorrufen, sodass diese in der Folge bösartig entarten.

Verschiedene Faktoren werden als mögliche Auslöser von Leukämien diskutiert. Hierzu zählen genetische Faktoren und Viren. Auch ein ungenügendes Training des Immunsystems im Kindesalter durch übertriebene Hygiene könnte eine Rolle spielen. Außerdem erhöht jahrelanges Zigarettenrauchen das Risiko, an Leukämie zu erkranken.


Wie äußert sich die Leukämie?

Die Symptome bei den Leukämien sind sehr vielfältig. Im Gegensatz zu anderen Krebsarten, die sicht- und fühlbare Tumoren bilden, ist dies bei Leukämien die Ausnahme. In selteneren Fällen können die Vergrößerung der Lymphknoten oder der Milz einen Hinweis auf die Grunderkrankung geben. Typischer sind jedoch Veränderungen des Blutbilds und hieraus resultierende Symptome. Die massive Produktion untauglicher Blasten im Knochenmark führt zu einer Verdrängung der funktionstüchtigen Blutzellen vor allem bei den akuten Leukämieformen. Der folgende Mangel an gesunden weißen Blutkörperchen (Leukozyten) bewirkt eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte und Entzündungen. Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die für den Transport von Sauerstoff im Körper zuständig sind, werden ebenfalls verdrängt. Es kommt zu Symptomen der Anämie wie Blässe, allgemeiner Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Kälteempfindlichkeit und Schlafstörungen.

Durch den Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) ist die Blutgerinnung gestört. Die Betroffenen bekommen leichter blaue Flecken, Zahnfleisch- oder Nasenbluten treten häufig ohne entsprechende äußere Ursache auf. Einige Betroffene zeigen so genannte B-Symptome wie Fieber und Nachtschweiß.


Diagnose der Leukämie

Eine gründliche Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) durch den Arzt ist der erste wichtige Schritt zur Diagnose der Leukämie. Es folgt eine eingehende körperliche Untersuchung. Das Blutbild gibt sehr wichtige Hinweise zur Diagnose der Leukämie. Liegen die Zahlen der weißen und roten Blutkörperchen und der Blutplättchen im normalen Bereich, ist eine Leukämie sehr unwahrscheinlich.

Besteht der Verdacht auf eine Leukämie, erfolgt die weitere Diagnose in den meisten Fällen im Krankenhaus. Vom Blut kann ein Ausstrich angefertigt werden, der im Labor beurteilt wird. Hierdurch kann man in vielen Fällen die typischen Blasten nachweisen.

Ein Ausstrich einer Probe des Knochenmarks dient der genauen Diagnose des Leukämie-Typs. Bei der Knochenmark-Punktion wird in örtlicher Betäubung aus dem Beckenknochen eine kleine Menge Knochenmark entnommen. Diese Entnahme ist wenig schmerzhaft. Die Knochenmark-Probe wird in spezialisierten Laboren vom Arzt untersucht, sodass der genaue Typ der Leukämie festgelegt wird, der von grundlegender Bedeutung für die Therapie ist.

Bei der so genannten zytogenetischen Untersuchung wird das Erbgut der Leukämiezellen betrachtet. Bei der CML ist in vielen Fällen ein charakteristisch verändertes Chromosom nachweisbar, das so genannte Philadelphia-Chromosom. Wird dieses Chromosom nachgewiesen, ist dies entscheidend für die Therapie.

Vor allem bei den akuten Leukämien können die Hirnhäute (Meningen) befallen sein. In diesen Fällen wird durch eine Lumbalpunktion Gehirnflüssigkeit (Liquor) zur Diagnostik entnommen. Die kaum schmerzhafte Lumbalpunktion erfolgt aus dem Rückenmarkskanal in der Wirbelsäule.

Um festzustellen, ob die Leukämie im Körper sichtbare Veränderungen hervorgerufen hat, kann ein so genanntes Staging durchgeführt werden. Hierzu zählen in erster Linie Röntgenaufnahmen, Ultraschall-Untersuchungen und eine Computertomographie des Brust- und Bauchbereichs.


Wie behandelt man die Leukämie?

Die Leukämie wird in erster Linie durch Chemotherapie behandelt. Hierbei werden Medikamente verwendet, welche die Vermehrung der bösartigen Zellen hemmen (Zytostatika). Da die Medikamente als Tabletten oder direkt ins Blut verabreicht werden, wirken sie im gesamten Körper, also auch auf gesunde Zellen. Dementsprechend treten Nebenwirkungen wie beispielsweise Haarausfall und Übelkeit auf. Die Verträglichkeit der Zytostatika wird jedoch stetig besser, Nebenwirkungen können sehr gut gemildert werden. Viele der Nebenwirkungen sind reversibel. Beispielsweise wachsen die Haare nach einer Chemotherapie fast in allen Fällen nach.

Seltener als die Chemotherapie wird Bestrahlung zur Behandlung der Leukämie eingesetzt. Wenn bei der CML das Philadelphia-Chromosom nachgewiesen wurde, wird außerdem mit dem Medikament Interferon behandelt, das Einfluss auf das Immunsystem hat.

Neuere Behandlungsmethoden halten Einzug in die Behandlung der Leukämie, beispielsweise Antikörper-ähnliche Stoffe (Zytokine), Antikörper oder Signalübertragungshemmer. In einigen Fällen werden Knochenmark oder Stammzellen transplantiert, um die Leukämie zu behandeln. Die jeweiligen Zellen können von Spendern stammen oder auch von den Erkrankten selbst, wenn die Stammzellen untersucht wurden und gesund sind.

Um bestimmte Symptome bei einer Leukämie zu behandeln, kann es notwendig sein, rote Blutkörperchen und Thrombozyten zu übertragen oder Medikamente zu verabreichen, welche die Bildung von weißen Blutkörperchen ankurbeln (G-CSF: granulocyte colony stimulating factor).


Wie ist der Verlauf der Leukämie?

Die Leukämie ist grundsätzlich heilbar, wobei der Verlauf wesentlich vom Typ der Erkrankung und vom Lebensalter des Erkrankten abhängt.

Die akuten Leukämien verlaufen kürzer und heftiger als die chronischen Formen, sprechen aber auch schnell auf die Behandlung an. Erfolgt eine Therapie, beträgt die Überlebenswahrscheinlichkeit nach fünf Jahren etwa 50 Prozent bei der AML und 70 Prozent bei der ALL. Unter Kindern beträgt die Fünf Jahres-Überlebensrate bei den akuten Leukämien 95 Prozent.

Bei der CML beträgt die Fünf Jahres-Überlebensrate bei optimaler Therapie bis zu 60 Prozent.

Die CLL verläuft häufig schleichend über viele Jahre, ohne dass eine Therapie notwendig wird.

Todesursache bei vielen Leukämie-Erkrankten sind Infekte, die nicht durch Medikamente beherrscht werden können.


Wie kann man vorbeugen?

Der Erkrankung an Leukämie kann man in begrenztem Maße dadurch vorbeugen, dass man auslösende Faktoren meidet. Beispielsweise sollten zu häufige Röntgenuntersuchungen vermieden werden, da jede Untersuchung auch eine Strahlenbelastung darstellt. Auch Rauchen sollte vermieden werden. Ein sicherer Schutz vor der Erkrankung an Leukämie ist nicht bekannt.


Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Leukämie haben, können Sie diese in der Hausarzt-Expertenrat stellen.

Quellen:
Online-Informationen der Deutschen Krebshilfe. Leukämie bei Erwachsenen. Die Blauen Ratgeber Nr. 20 (Stand: November 2007)
Epidemiologisches Krebsregister Niedersachsen: Krebs in Niedersachsen 2004, S. 58 f.
Gesenhues S., Ziesché R: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban&Fischer, München 2003
Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie:Akute lymphoblastische (ALL) und akute myeloische (AML) Leukämie im Kindesalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 025/014 (Stand: Mai 2008)

 

Autor: Dr. Ulrike Hennings 
Letzte Änderung am: 30.06.2009
 
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