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Listeriose

Besonders Schwangere sollten eine Listeriose-Infektion vermeiden

Besonders Schwangere sollten eine Listeriose-Infektion vermeiden
(Foto: fStop)

Die Listeriose ist eine seltene, weltweit verbreitete Infektionskrankheit. Sie wird durch eine bestimmte Bakterienart, die so genannten Listerien, ausgelöst.


Verbreitung und Vorkommen
Ursachen einer Listeriose
Symptome einer Listeriose
Diagnose einer Listeriose
Therapie einer Listeriose
Verlauf einer Listeriose
Wie kann man einer Listeriose vorbeugen?

Verbreitung und Vorkommen

Aufgrund der weiten Verbreitung der Listerien ist der Mensch ihnen beinahe täglich ausgesetzt. Die Infektion führt bei gesunden Erwachsenen in den meisten Fällen jedoch nicht zur Erkrankung, da ein funktionsfähiges Immunsystem die Bakterien sehr schnell beseitigt. So erkrankten im Jahr 2006 in Deutschland nur etwa 500 Menschen an einer Listeriose.

Ist das Immunsystem eines Menschen aber geschwächt, kann sich eine Listeriose entwickeln. Diese kann teilweise sogar lebensbedrohlich sein. Die Beschwerden reichen von leichtem Fieber und Kopfschmerzen bis hin zu einer Blutvergiftung (Sepsis) und einer Entzündung der Hirnhäute (Meningitis).


Ursachen einer Listeriose

Die Listeriose ist auf eine Infektion mit Listerien zurückzuführen. Unter den sieben unterschiedlichen Listerien-Arten sind hauptsächlich die so genannten Listeria monocytogenes für den Menschen gefährlich. Es handelt sich um sehr widerstandsfähige Bakterien, die sich bei Temperaturen zwischen -0,4 und +45 Grad Celsius, also auch bei Kühlschranktemperaturen, vermehren können.

Listerien können praktisch überall in der Umwelt überleben. Sie kommen im Erdboden, auf Pflanzen und in Abwässern vor. Häufig befallen sie auch Tiere.

Der Mensch nimmt die Bakterien vor allem durch den Verzehr verunreinigter pflanzlicher und tierischer Lebensmittel auf. Zu ihnen zählen ungewaschene Salate, Rohmilchprodukte und Rohwurstprodukte wie Mett-, Teewurst und Salami. Auch Milchprodukte wie Käse, insbesondere die Käserinde, können Listerien enthalten.

Man kann sich aber auch durch direkten Hautkontakt mit infizierten Tieren oder listerienhaltiger Erde anstecken. Besonders betroffen sind in diesem Zusammenhang Berufsgruppen wie Metzger, Veterinäre und Landwirte.

Während der Schwangerschaft ist auch das ungeborene Kind gefährdet. Die Listerien können das Kind sowohl über den Blutkreislauf der Mutter als auch über den Geburtskanal erreichen. Das Neugeborene kann sich ebenso während der Geburt im Geburtskanal anstecken.

Zwischen der Aufnahme der Bakterien und dem Auftreten erster Beschwerden (Inkubationszeit) vergehen zwischen drei und 70 Tage (durchschnittlich drei Wochen).


Symptome einer Listeriose

Die Symptome einer Listeriose sind vor allem abhängig vom Immunsystem der Betroffenen und der Menge der aufgenommen Bakterien (Infektionsdosis). Bei einem gesunden Erwachsenen treten meist keine Beschwerden auf, sodass die Infektion häufig unentdeckt bleibt. Selten bemerken die Betroffenen leichtes Fieber.

Nach Hautkontakt mit listerienhaltiger Erde oder infizierten Tieren können an der Kontaktstelle kleine Pusteln entstehen.

Eine größere Rolle spielt die Listeriose für abwehrgeschwächte Menschen wie:


Bei diesen Personen geht die Listeriose häufig mit Erbrechen, Durchfall, Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen einher. Schreitet die Infektion voran, können eine Blutvergiftung (Sepsis) und häufig auch eine eitrige Hirnhautentzündung (Meningitis) entstehen. Die Betroffenen fühlen sich schwer krank und benommen. Sie leiden an hohem Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und gelegentlich auch an Krampfanfällen. Treten Lähmungen oder Gangstörungen auf, hat sich die Infektion auch auf Teile des Gehirns ausgebreitet (Enzephalitis).

Für Schwangere und ihr ungeborenes Kind ist die Listeriose besonders gefährlich. Die schwangeren Frauen können neben grippeähnlichen Beschwerden auch eine Blasenentzündung und vorzeitige Wehen entwickeln. Hat sich das Kind im Mutterleib infiziert, kann es zu einer Fehl-, Früh- oder Totgeburt kommen. Lebende Neugeborene sind häufig in einem sehr schlechten Zustand, da sie den Listerien ohne ein funktionsfähiges Immunsystem schutzlos ausgeliefert waren. Sie sind benommen und leiden hauptsächlich an Atemnot, Erbrechen, Krämpfen und zahlreichen Haut- und Schleimhautgeschwüren. In über 50 Prozent der Fälle versterben sie meist noch innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt. Im Überlebensfall können geistige Entwicklungsstörungen auftreten.


Diagnose einer Listeriose

Erste Hinweise auf eine Listeriose gewinnt der Arzt aus der ausführlichen Befragung des Betroffenen zur Krankheitsgeschichte und zu den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Die anschließende körperliche Untersuchung kann weitere Anhaltspunkte für eine Listeriose liefern. Da sich hinter den Beschwerden aber auch zahlreiche andere Infektionskrankheiten verbergen können, ist der Arzt bei der Diagnose auf zusätzliche Laboruntersuchungen angewiesen.

Listerien lassen sich in verschiedenen Körpersäften und -ausscheidungen wie Hirnflüssigkeit (Liquor), Blut, Magensaft, Fruchtwasser, Mekonium (erster Stuhl eines Neugeborenen, auch "Kindspech") und dem Rachenabstrich nachweisen. In manchen Fällen erkennt der Arzt bereits unter dem Mikroskop kurze, stäbchenförmige Bakterien. Sichern lässt sich die Diagnose einer Listeriose allerdings nur durch eine Anzüchtung der Listerien auf speziellen Nährböden (Kultur).


Therapie einer Listeriose

Die Listeriose wird mit Antibiotika behandelt. Kombiniert werden Amoxicillin und Gentamycin. Bleibt die Heilung aus, erfolgt ein zweiter Versuch mit Cotrimoxazol. In Frage kommen weiterhin Chloramphenicol, Makrolide und Vancomycin. Eine ausreichend lange Therapie über mindestens 14 Tage ist unbedingt empfehlenswert.

Da die eindeutige Diagnose einer Listeriose einige Tage in Anspruch nimmt, wird die Therapie häufig erst zeitlich verzögert aufgenommen. Lässt sich ein ernsthafter Verlauf erkennen, kann mit der Therapie auch schon bei dem Verdacht auf eine Listeriose begonnen werden, um die Chancen auf eine Heilung zu verbessern.


Verlauf einer Listeriose

Der Verlauf einer Listeriose ist abhängig vom Immunsystem des Betroffenen. Ein funktionsfähiges Immunsystem schützt meist vor einer ernsthaften Erkrankung. Die Infektion wird unbemerkt bekämpft. Auch Schwangere erholen sich meist relativ schnell.

Menschen mit einem deutlich geschwächten Immunsystem hingegen können ernsthafte Beschwerden wie eine Blutvergiftung und eine Meningitis entwickeln. In fortgeschrittenen Fällen versterben bis zu 30 Prozent der Betroffenen, Neugeborene sogar in über 50 Prozent.


Wie kann man einer Listeriose vorbeugen?

Eine Impfung gegen die Listeriose gibt es bis heute nicht. Da die Bakterien aber sehr empfindlich auf Hitze reagieren, spielt die Verarbeitung der Lebensmittel eine besondere Rolle, um einer Listeriose vorzubeugen. Jegliches Erhitzen beispielsweise in Form von Kochen, Braten oder Pasteurisieren tötet die Listerien ab. Es genügen häufig schon zwei Minuten bei Temperaturen über 60 Grad Celsius. Zudem ist zu empfehlen, sich vor dem Kochen die Hände zu waschen. Lebensmittel, die nicht weiter verarbeitet werden, sollten nicht zusammen mit Fleisch gelagert werden. Man sollte sie auch nicht auf derselben Arbeitsfläche zubereiten.

Besonders für Schwangere ist es empfehlenswert, weder Rohmilch, Rohmilcherzeugnisse, Weichkäse, rohes oder halbrohes Fleisch noch rohen oder halbrohen Fisch zu verzehren. Salate, Obst und Gemüse sollten immer gründlich gewaschen werden. Auch vakuumverpackte Lebensmittel wie Räucherlachs können Listerien enthalten und sollten gemieden werden.

Bei der Gartenarbeit empfiehlt es sich insbesondere für Schwangere, Handschuhe zu tragen. Der enge Kontakt zu Nutz- und Haustieren sollte möglichst gemieden werden oder zumindest sollten die Hände und sonstigen Kontaktstellen danach gründlich gereinigt werden.

Werden die Listerien direkt, beispielsweise aus dem Blut, der Hirnflüssigkeit oder den Abstrichen von Neugeborenen nachgewiesen, ist der Arzt zu einer Meldung an die zuständigen Gesundheitsämter verpflichtet.



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Quellen:
Marre, R., Mertens, Th., Trautmann, M., Zimmerli, W.: Klinische Infektiologie. Urban & Fischer, München 2008
Darai, G., Handermann, M., Hinz, E., Sonntag, H.-G.: Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer Verlag, Heidelberg 2003
Pschyrembel, W.: Klinisches Wörterbuch. De Gruyter Verlag, Berlin 2007
Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: http://www.rki.de (Stand: 01.03.2003; 2006)

 

Autor: Yvonne Leupold 
Letzte Änderung am: 20.05.2009
 
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