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Bösartige Lungentumoren

Bösartige Lungentumoren
Es gibt noch andere bösartigen Lungentumoren neben den Bronchialkarzinomen.

  • Pleuramesotheliome

  • Karzinoide

  • Sarkome


Pleuramesotheliome

Das Pleuramesotheliom ist ein bösartiger bindegewebiger Tumor, der nicht direkt aus Lungen- oder Bronchialgewebe, sondern aus Zellen des Rippenfells entsteht. Er unterscheidet sich vom Lungenkrebs, dem Bronchialkarzinom, durch:

  1. eine unterschiedliche Erkrankungsentstehung,

  2. ein unterschiedliches Wachstumsverhalten,

  3. eine unterschiedliche Lebenserwartung,

  4. eine unterschiedliche Therapie.

Pleuramesotheliome wachsen oftmals flächig entlang des Rippenfells und greifen auf das Mittelfell (Mediastinum), das Zwerchfell und die Brustwand über. Fernmetastasen sind dagegen selten.

Gewebetypen und Stadieneinteilung
Hinsichtlich des Gewebetyps unterscheidet man:

  • Epitheliale Pleuramesotheliome,

  • Sarkomatöse Pleuramesotheliome,

  • Gemischförmige Pleuramesotheliome.

Auch das Pleuramesotheliom wird gemäß TNM-Stadium nach UICC eingeteilt in T1, T2, T3 oder T4, in N1, N2 oder N3 sowie in M0 oder M1. Diese wiederum werden in die Tumorstadien I bis IV zusammengefasst.

Risikofaktoren

  • Asbest:
    Deutlich größer als beim Bronchialkarzinom ist der Einfluss von Asbest. Der überwiegende Anteil von Pleuramesotheliomen ist auf die schädigende Einwirkung von Asbestfasern zurückzuführen. Daher gilt es als Signaltumor für Asbestkontakt, selbst wenn die Quelle der Asbestexposition unklar bleibt. Der Tumor entwickelt sich sehr spät, oft erst 30 bis 40 Jahre nach der Asbestexposition.

  • Andere Faktoren:
    Strahlung und genetische Faktoren sind selten Auslöser der Erkrankung, Rauchen spielt vermutlich keine Rolle.

Beschwerden
Die Symptome eines Pleuramesothelioms sind vergleichbar mit denen eines Bronchialkarzinoms, am häufigsten sind Schmerzen im Brustwandbereich und Luftnot durch einen begleitenden Rippenfellerguss.

Diagnostik
Im Rahmen der Diagnostik kommen ebenfalls die gleichen Methoden zur Anwendung wie beim Bronchialkarzinom, die entscheidende diagnostische Methode zur Sicherung des Gewebetyps ist aber nicht die Bronchoskopie, sondern die Rippenfellpunktion mit Biopsieentnahme bzw. die Rippenfellspiegelung (Thorakoskopie) mit Biopsieentnahme.

Therapie
Die Therapie besteht bei günstigsten Voraussetzungen im Tumorstadium T1 in einer Operation, der so genannten radikalen Pleuro-Pneumonektomie. Damit eine Pleuro-Pneumonektomie durchgeführt werden kann, müssen bestimmte Voraussetzungen vorliegen. Auf Grund des Umfanges dieses Eingriffs (Entfernung von einem Lungenflügel samt umgebendem Rippenfell und den gleichseitigen mediastinalen Lymphknoten sowie oftmals noch Anteilen der Brustwand, der Rippen, des Zwerchfells und des Herzbeutels), dem erheblichen Komplikationsrisiko und der trotzdem noch hohen Rezidivrate wird er nur selten durchgeführt.

Die in den letzten Jahren in einigen Zentren nach der Operation zusätzlich verabreichte photodynamische Therapie der Rest-Thoraxhöhle hat eine hohe Sterblichkeitsrate (insbesondere Infektionen und Herzinfarkte) und wird noch nicht routinemäßig eingesetzt. Eine Bestrahlungstherapie ist angesichts der oft breiten Tumorausdehnung schwierig und ohne gesicherten Einfluss auf die Gesamtlebenszeit. Gelegentlich wird sie trotzdem zur Schmerzbekämpfung durchgeführt. Auch die Ergebnisse der Chemotherapie sowie der Immuntherapie (Interferon gamma) sind enttäuschend. Letztendlich bleibt es daher oft allein bei unterstützenden Maßnahmen wie Schmerzstillung und Entlastung und Verklebung von begleitenden Rippenfellergüssen (Pleurodese).

Heilungsaussichten
Die Prognose der Pleuramesotheliome ist mit und ohne Therapie schlecht, auch eine radikale Operation verlängert die Überlebenszeit durchschnittlich nur um einige Monate. Epitheliale Pleuramesotheliome haben eine günstigere Prognose. Die mittlere Überlebenszeit beträgt je nach Tumorstadium etwa 5 bis 18 Monate, ein Langzeitüberleben kommt insbesondere beim epitheloiden Typ gelegentlich vor, eine Heilung ist extrem selten.

Als Operationsvoraussetzungen beim Pleuramesotheliom sind heutzutage weitgehend anerkannt:

  1. Epitheloider Gewebetyp,

  2. Patient unter 50 Jahren

  3. Kein Tumorbefall der mediastinalen Lymphknoten.

Diagnostisch wird vor einer Operation neben den auch beim Bronchialkarzinom üblichen Staging-Untersuchungen eine Spiegelung des Brustraumes (Thorakoskopie) und eine Spiegelung des Bauchraumes (Laparoskopie) gefordert.


Karzinoide

Karzinoide machen ungefähr 4% aller Lungentumoren aus. Das Karzinoid ist wie das Bronchialkarzinom ein lungeneigener Tumor, der aber von einer speziellen Zelle, der neuroendokrinen Kulschitzky-Zelle des Bronchialepithels, ausgeht. Karzinoide sind in ihrem Wachstumsverhalten unterschiedlich aggressiv (von fast gutartig bis extrem bösartig). Sie metastasieren nicht selten in angrenzende Lymphknoten. Fernmetastasen in anderen Organen kommen aber seltener vor als beim Bronchialkarzinom.

Beschwerden
Die Symptome eines Bronchuskarzinoids sind vergleichbar mit denen eines Bronchialkarzinoms.

Diagnostik
Im Rahmen der Diagnostik kommen ebenfalls die gleichen Methoden zur Anwendung wie bei einem Bronchialkarzinom. Bronchoskopisch imponiert des Karzinoid typischerweise als rötlicher, kugeliger, polypenartiger und bei Berührung stark blutender Tumor. Es wächst häufiger (~ in 80%) als die übrigen Lungentumoren direkt in den großen Bronchien.
Die sichere Abgrenzung von anderen Lungentumoren ist aber auch in diesem Fall nur mittels Gewebeentnahme möglich. Darüber hinaus werden die üblichen Staging-Untersuchungen eingesetzt, einschließlich der Untersuchung anderer Organe und der Herz-Kreislauf-Lungenfunktionsdiagnostik.

Therapie
Die Therapie besteht wie beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom nach Möglichkeit in einer Operation entsprechend den vorgegebenen anatomischen Unterteilungen (z. B. Lobektomie, Bilobektomie). Auf eine Bestrahlungstherapie spricht das Karzinoid in der Regel wenig an. Auch die Ergebnisse der Chemotherapie sowie der Immuntherapie (Interferon gamma) sind schlecht.

Heilungsaussichten
Nach radikaler Entfernung ist die Prognose gut. Die 5-Jahres-Überlebens-Rate beträgt etwa 80% und liegt damit deutlich höher als die von Bronchialkarzinomen. Selbst bei metastasierendem Bronchuskarzinoid liegt die 5-Jahres-Überlebens-Rate noch bei etwa 20%.


Sarkome

Sarkome sind Tumoren, die vom Weichteilgewebe ihren Ausgang nehmen. Innerhalb der Lunge können entarten:

  • Bindegewebszellen,

  • Knorpelzellen oder

  • glatte Muskelzellen.

Symptome und Diagnostik
Beschwerdebild und diagnostische Maßnahmen sind vergleichbar dem Bronchialkarzinom.

Therapie
Die Operation ist die Therapie der Wahl. Nichtoperable Sarkome werden mit Bestrahlungstherapie und / oder Chemotherapie behandelt.

Heilungsaussichten
Die Prognose ist schlecht. Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt insgesamt nur 5 bis 25%.


Lungenmetastasen

Neben Bronchialkarzinomen und anderen Tumoren kann die Lunge kann in ihrer Funktion auch beeinträchtigt werden durch:

  • Lungenmetastasen von Lungentumoren und

  • Lungenmetastasen von Nicht-Lungentumoren.


Lungenmetastasen - Ausgangstumor in der Lunge

Handelt es sich bei dem Ausgangstumor um einen lungeneigenen Tumor (Bronchialkarzinom) und finden sich neben dem primären Bronchialkarzinom bereits weitere Lungenmetastasen, so werden weder der Primärtumor noch die Lungenmetastase operiert, da sich in vielen Untersuchungen herausgestellt hat, dass die Lebenserwartung operierter Patienten gegenüber der Lebenserwartung nicht-operierter Patienten nicht verbessert wird.

Ausnahmen
Einzig wenn die Metastase(n) im selben Lungenlappen wie der Ausgangstumor gelegen ist (sind), wird eine Operation angestrebt, da dann die Lebenserwartung deutlich höher und sogar eine Heilung möglich ist.
Abweichungen von dem beschriebenen Vorgehen ergeben sich gelegentlich in akuten Notfallsituationen, die den Arzt zum Handeln zwingen. So würde eine Metastasenblutung, die mit anderen Maßnahmen nicht zum Stillstand gebracht werden kann, operiert werden, sofern der Patient operationsfähig ist und nach der Operation noch eine akzeptable Lebensqualität und Lebensdauer zu erwarten ist.


Lungenmetastasen - Ausgangstumor in anderen Organen

Wenn Lungenmetastasen von Nicht-Lungentumoren, zum Beispiel Darmkrebs, Nierenkrebs, Brustkrebs usw., vorliegen, ist eine operative Entfernung der Metastasen zu erwägen.

Voraussetzungen
Voraussetzungen zur Metastasenentfernung sind:

  • Der Ausgangstumor (Primärtumor) ist vollständig entfernt oder zerstört worden.

  • Es liegen keine weiteren Metastasen in anderen Organen vor.

  • Die Metastase(n) sitzt (sitzen) an Stellen, die gut operiert werden können (nicht im Bereich der Lungenwurzel).

  • Der Patient ist von Seiten seiner Lungenfunktion und seines Herz-Kreislaufzustandes operabel.

  • Es bestehen keine anderen Therapiealternativen. Ist ein Tumor beispielsweise gut durch Chemo- oder Hormontherapie behandelbar, so würde man zunächst diese Therapieform versuchen).

Operationsdurchführung
Im Gegensatz zu primären Bronchialkarzinomen, das heißt, zu in der Lunge selbst entstandenen Tumoren, werden Lungenmetastasen lungengewebesparend operiert, das heißt, der Operateur entfernt nach Möglichkeit nur die Metastase und nicht den gesamten Lungenlappen. Ein betroffener Patient muss sich jedoch darüber im Klaren sein, das im Falle einer bereits metastasierten Krebserkrankung (bis auf einige wenige spezielle Krebserkrankungen wie zum Beispiel Lymphknotenkrebs oder Hodenkrebs) die Chancen auf eine vollständige Heilung sehr gering sind.

Heilungsaussichten
Durch eine vollständige Entfernung der Lungenmetastasen und des Ausgangstumors kann im Einzelfall eine Heilung erreicht werden.
Ein betroffener Patient muss sich jedoch darüber im Klaren sein, das im Falle einer bereits metastasierten Krebserkrankung - bis auf einige wenige spezielle Krebserkrankungen, wie zum Beispiel Lymphknoten- oder Hodenkrebs abgesehen - die Chancen auf eine vollständige Heilung sehr gering sind.


Tumoren des Mittelfells

Typische Tumoren des Mittelfellraumes (Mediastinum) sind:

  • Thymusdrüsentumoren (Thymome),

  • Speiseröhrentumoren (Ösophaguskarzinome) und

  • Lymphknotenkrebs (Lymphome).

Sie entstehen aber nicht innerhalb der Lunge aus lungeneigenen Zellen oder aus Rippenfellzellen.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 28.01.2008
 
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