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Lymphome

Die Aufnahmen aus einer Computertomographie zeigen das Ausmaß der Tumor-Ausbreitung

Die Aufnahmen aus einer Computertomographie zeigen, wie weit sich die Tumoren schon ausgebreitet haben
(Quelle: gloeckchen/PIXELIO)

Lymphome sind Lymphknotenvergrößerungen, deren Ursache verschiedene Krankheiten sein können. Man unterscheidet gutartige entzündliche (benigne) und bösartige (maligne) Lymphome.

Die Lymphknoten sind ein Teil des körpereigenen Immunsystems und über den gesamten Körper verteilt. In ihnen bildet sich ein bestimmter Typ weißer Blutkörperchen, die Lymphozyten. Lymphozyten sind Abwehrzellen, die bei Entzündungen vermehrt gebildet werden. Dabei schwellen die Lymphknoten in der betroffenen Körperregion an.

Ein gutartiges Lymphom ist demnach eine natürliche und wichtige Abwehreaktion auf Krankheiten oder Verletzungen. Im Gegensatz dazu entwickelt sich ein bösartiges Lymphom aufgrund entarteter Zellen.

Bösartige Lymphknotenschwellungen werden unterteilt in Hodgkin-Lymphome und Non-Hodgkin-Lymphome. Maligne Lymphome sind eine vergleichsweise selten auftretende Krebsart. Die meisten Erkrankungen mit dem Non-Hodgkin-Lymphom treten zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr auf, beim Hodgkin-Lymphom liegt das durchschnittliche Erkrankungsalter bei etwa 40 Jahren.


Welche Ursachen haben Lymphome?

Gutartige Lymphome sind eine Abwehrreaktion des Körpers. Treten Entzündungen im Körper auf, produzieren die in der entsprechenden Körperregion liegenden Lymphknoten vermehrt Lymphozyten. Dabei schwellen sie an. Die häufigste Ursache für Lymphknotenschwellungen sind Erkältungskrankheiten, aber auch andere Infektionskrankheiten lösen eine Vergrößerung der Lymphknoten aus:

Die genauen Ursachen für die Entstehung eines bösartigen Lymphoms sind bislang nicht eindeutig geklärt. Man vermutet einen Zusammenhang mit bestimmten Virusinfektionen wie dem Epstein-Barr-Virus, welches das Pfeifersche Drüsenfieber auslöst. Etwa die Hälfte der Betroffenen trägt dieses Virus in sich.

Ursächlich für alle Krebserkrankungen ist eine Entartung von Körperzellen. Die Zellen vermehren sich ungebremst und breiten sich als Tumor aus. Lymphome können sich über das lymphatische System im ganzen Körper verteilen. Verschiedene Risikofaktoren für ihre Entstehung sind:

  • Bereits aufgetretene Lymphome innerhalb der Familie
  • Chronische Magenschleimhautentzündungen, verursacht durch das Heliobacter pylori
  • Radioaktive Bestrahlung
  • Immunschwächekrankheiten wie AIDS
  • Chemikalien und Umweltgifte

Welche Symptome haben Lymphome?

Gutartige Lymphome äußern sich durch eine Vergrößerung der Lymphknoten. Die Lymphknoten schwellen an und werden häufig druckempfindlich.

Auch bösartige Lymphome zeigen sich zunächst durch Lymphknotenvergrößerungen, vor allem an Hals, in den Achselhöhlen und in der Leiste. Die Milz ist häufig größer und angeschwollen. Weitere Symptome des bösartigen Lymphoms sind sehr vielfältig, da die Krebszellen an verschiedenen Stellen des Körpers Tumoren bilden können. Die Beschwerden richten sich nach dem Sitz des Tumors. Folgende Anzeichen können auf maligne Lymphome hinweisen:

  • Andauerndes Schwächegefühl
  • Blutarmut
  • Vermehrte Infektionsanfälligkeit
  • Schwellungen und Druckschmerzen unklarer Herkunft
  • Starke Gewichtsabnahme
  • Vermehrtes nächtliches Schwitzen

Ein typischer Hinweis auf das Hodgkin-Lymphom sind Schmerzen der befallenen Lymphknoten nach Alkoholkonsum.


Wie werden Lymphome diagnostiziert?

Gutartige Lymphknotenschwellungen erfordern normalerweise keine Therapie und keine Diagnose. Sie sind lediglich ein (positives) Zeichen für eine Erkrankung. Die folgenden Diagnose- und Therapiekriterien gelten deshalb für bösartige Lymphome.

Nach einem Gespräch über die Krankheitsgeschichte (Anamnese) folgt die körperliche Untersuchung. Dabei werden auch Milz und Leber abgetastet, da sie sich häufig vergrößern. Zusätzlich lassen sich durch eine Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) oder eine Röntgenaufnahme Veränderungen dieser Organe sicher feststellen. Auch Veränderungen der Blutwerte können Hinweise auf ein bösartiges Lymphom geben. Zur Sicherung der Diagnose wird wenn möglich eine Gewebeentnahme (Biopsie) der Lymphknoten durchgeführt.

Ausbreitungsgrad feststellen

Um einen Behandlungsplan festzulegen, ist es unabdingbar, das genaue Ausmaß der Tumorverbreitung zu kennen. Je nach Art und Schwere des Tumors werden dabei verschiedene Untersuchungen durchgeführt:

Hodgkin-Lymphome können nach der Ann-Arbor-Stadienklassifikation der Weltgesundheitsbehörde WHO in vier Stadien eingeteilt werden:

Stadium I: Befall einer einzelnen Lymphknotenregion
Stadium II: Zwei oder mehr Lymphknotenregionen auf einer Seite des Zwerchfells sind befallen
Stadium III: Zwei oder mehr Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells sind befallen
Stadium IV: Diffuser Organbefall von mindestens einem nicht-lymphatischen Gewebe, beispielsweise Knochenmark oder Leber


Wie lassen sich Lymphome therapieren?

Die Behandlung der verschiedenen Lymphom-Formen ist sehr unterschiedlich. Vor allem Non-Hodgkin-Lymphome lassen sich nicht mit einem Standard-Verfahren therapieren. Die Therapiemethoden sind deshalb individuell unterschiedlich.

Niedrig maligne Non-Hodgkin-Lymphome

Bei den niedrig malignen Non-Hodgkin-Lymphomen ist eine Behandlung nicht zwingend erforderlich. Im Gegensatz zu den meisten anderen Krebsarten gilt ein möglichst frühzeitiger Behandlungsbeginn nicht als heilungsfördernd. Nehmen die Beschwerden zu, empfiehlt sich in der Regel zunächst eine Chemotherapie. Häufig wird sie mit einer Antikörpertherapie kombiniert.

Die Rückfallquote ist bei den niedrig malignen Non-Hodgkin-Lymphomen sehr hoch: Nach einigen Jahren kommt es in vielen Fällen zu einem neuen Krankheitsschub. Dennoch lässt es sich mit einem solchen wenig aggressiven Lymphom gut und größtenteils beschwerdefrei leben.

Bei der noch relativ neuen Radioimmuntherapie wird ein Antikörper mit radioaktiven Teilchen versehen und per Infusion verabreicht. Die radioaktive Strahlung wird so in den Tumor "eingeschleust" und zerstört ihn.

Hoch maligne Non-Hodgkin-Lymphome

Auch bei hoch malignen Non-Hodgkin-Lymphonen wird eine Chemotherapie mit einer Antikörpertherapie kombiniert. Die Behandlung erfolgt allerdings sofort und intensiver. Je nach Schwere und Form des Lymphoms folgt anschließend noch eine Strahlentherapie.

Kommt es zum Rückfall, wird in der Regel eine Eigenstammzelltransplantation durchgeführt. Auch die Transplantation von fremden Stammzellen ist möglich.

Hodgkin-Lymphome

Hodgkin-Lymphome lassen sich mit einer Chemotherapie ebenfalls gut behandeln. Je nach Stadium und Schwere der Erkrankung dauert sie zwischen zwei und acht Monaten. Im Anschluss folgt noch eine Strahlentherapie. Auch die Transplantation von eigenen Stammzellen ist möglich.

In einigen Fällen tritt etwa 15 bis 20 Jahre nach der Therapie ein Rückfall oder andere Krebsarten auf.


Welchen Verlauf haben Lymphome?

Die Heilungschancen von bösartigen Lymphomen sind sehr unterschiedlich. Die Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie werden häufig als sehr belastend empfunden, klingen aber nach Ende der Behandlung wieder vollständig ab. Eine regelmäßige Nachsorge ist wichtig, da sich Rückfälle nicht ganz ausschließen lassen.


Kann man Lymphomen vorbeugen?

Das bösartige Lymphom hat keine Vorstufe, deshalb gibt es auch keine Maßnahmen zur Früherkennung. Die anfangs teilweise sehr unspezifischen Symptome sind für die meisten Menschen zunächst kein Grund, einen Arzt aufzusuchen. Wenn Beschwerden allerdings über einen gewissen Zeitraum immer wieder auftreten, ist es ratsam, sich ärztlich untersuchen zu lassen. Je eher bösartige Lymphome erkannt werden, desto günstiger ist die Prognose.


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Quellen:
Online-Informationen des Universitätsklinikum Ulm: www.uniklinik-ulm.de (Stand: Dezember 2007)
Online-Informationen des Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: www.krebsinformationsdienst.de (Stand: November 2005)
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 10.08.2009
 
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