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Magengeschwür (Ulcus ventriculi)

Das Magengeschwür ist in Europa eine der häufigsten Erkrankungen des Magen-Darmtrakts. Es handelt sich dabei um eine klar umgrenzte Wunde der Magenschleimhaut, die den Magen von innen auskleidet. Magengeschwüre treten bei Männern häufiger auf als bei Frauen und meist nach dem 40. Lebensjahr.

Wie entsteht ein Magengeschwür?

Bei den meisten Menschen mit einem Magengeschwür kann im Magen-Darmtrakt das Bakterium Helicobacter pylori festgestellt werden. Das Bakterium löst zunächst eine Entzündung der Magenschleimhaut aus. Besteht diese über lange Zeit und kommen weitere Reize wie Nikotinkonsum oder Belastungen durch Medikamente hinzu, kann sich ein Magengeschwür bilden.

Auch Stress und psychische Belastungen können den Magen so stark reizen, dass ein Geschwür entsteht. Hoher Stress erhöht die Säureproduktion des Magens, was Schäden hervorrufen kann. Schmerzmittel und entzündungshemmende Mittel, wie sie etwa bei Rheuma gegeben werden, können ebenfalls Auslöser sein. Der so genannte Stressulkus kann sich auch durch große Operationen, nach Unfällen oder schwere Verbrennungen entwickeln.

Welche Beschwerden macht ein Magengeschwür?

Typische Beschwerden bei einem Magengeschwür sind Schmerzen, Drücken und Brennen in der Magengegend. Die Beschwerden treten vor allem nach dem Essen auf. Oft stellen Betroffene stärkere Schmerzen nach dem Genuss von Alkohol oder dem Verzehr von kurz gebratenen Speisen fest. Beides gilt als so genannter "Säurelocker", das heißt, die Säureproduktion des Magens wird stärker als normal angeregt. Dies verursacht dann die Schmerzen im Bereich des Geschwürs, da es wie eine offene Wunde auf die Säure reagiert.

Seltener treten Rückenschmerzen oder Schmerzen im Unterbauch als Hinweis auf ein Magengeschwür auf. Bestehen hier über längere Zeit Beschwerden, für die es keine Erklärung gibt, sollte ein Magengeschwür in Betracht gezogen werden.

Wie wird ein Magengeschwür festgestellt?

Die Art und Häufigkeit der Schmerzen sowie der Zeitabstand zu den Mahlzeiten geben oft erste Hinweise auf ein Magengeschwür. Um sicherzugehen, sollte bei begründetem Verdacht eine Magenspiegelung (Gastroskopie) vorgenommen werden. Dabei werden in der Regel auch die Speiseröhre und der Zwölffingerdarm mit untersucht.

Eine Spiegelung des Magens führt in der Regel ein Facharzt für Innere Erkrankungen (Internist) oder ein Facharzt für Magen-Darmerkrankungen (Gastroenterologe) durch. Dabei kann der Arzt nicht nur das Geschwür beurteilen, sondern auch eine Gewebeprobe (Biopsie) der Magenschleimhaut entnehmen. So kann schnell untersucht werden, ob das Bakterium Helicobacter pylori das Geschwür verursacht hat. Anhand der Gewebeprobe kann auch untersucht werden, ob es sich bei den Veränderungen der Magenschleimhaut um ein gutartiges Geschwür handelt oder ob Magenkrebs (Magenkarzinom) vorliegt.

Die Behandlung eines Magengeschwürs

Ist die Ursache des Magengeschwürs das Bakterium Heliocobacter pylori, wird mit einem Antibiotikum behandelt, das die Bakterien abtötet. Zusätzlich können Medikamente eingenommen werden, welche die Produktion der Magensäure herabsetzen beziehungsweise die Magenschleimhaut vor vermehrter Magensäure schützen (Protonenpumpenhemmer oder Antazida). Sie werden in der Regel vor den Mahlzeiten genommen.

Sind keine Bakterien beteiligt, wird vor allem mit säurehemmenden Mitteln therapiert. Falls die Beschwerden nach mehreren Wochen nicht nachlassen, ist es ratsam, eine erneute Magenspiegelung vornehmen zu lassen. Magengeschwüre, die nicht auf Medikamente reagieren, müssen gegebenenfalls operiert werden. Dabei wird ein Teil des Magens entfernt. Die Operation von Magengeschwüren ist allerdings selten nötig.

Verlauf

Wenn ein Magengeschwür nicht behandelt wird, kann sich eine Blutung (Ulkusblutung) entwickeln. Bei einer leichten Blutung des Geschwürs lässt sich Blut im Stuhl nachweisen. Bei einer sehr ausgeprägten Blutung besteht die Gefahr zu verbluten. In der Folge erbrechen die Erkrankten Mageninhalt, der vom Aussehen her Kaffeesatz gleicht. Der Stuhl kann dann teerfarben sein.

Auch der Magenausgang kann bei einem Magengeschwür durch Anschwellen der Schleimhaut eingeengt werden (Pylorusstenose). Ein Magengeschwür kann außerdem durchbrechen, sodass Mageninhalt in den Bauchraum gelangt (Perforation). In einem solchen Fall spannt sich der Bauch bretthart und es treten schlagartig sehr starke Oberbauchschmerzen auf.

Bei einem Eindringen des Geschwürs in Nachbarorgane (Penetration) wie der Bauchspeicheldrüse, der Milz, oder der Leber kann das Geschwür mit diesen Organen verkleben. Bei Komplikationen muss in jedem Fall schnell ein Krankenhaus oder ein Arzt aufgesucht werden.

Verläuft ein Magengeschwür aufgrund einer Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori ohne weitere Komplikationen, sollten Medikamente und eine schonende Lebensweise nach einigen Wochen eine deutliche Besserung erzielen. Oftmals wird eine erneute Magenspiegelung nach sechs Wochen empfohlen. So kann der Arzt beurteilen, ob das Geschwür abheilt.

Die Dauer der Heilung hängt von der Größe und Tiefe des Geschwürs ab sowie von den Lebensumständen des Betroffenen. Viel Stress, Ärger und Unruhe erschweren die Heilung.

Wie kann man vorbeugen?

Es empfiehlt sich, Magenschmerzen nicht mit Schmerzmitteln selbst zu behandeln, da sie ein mögliches Magengeschwür verschlimmern können. Bei einem empfindlichen Magen ist es ratsam, Nikotin, Alkohol, sehr scharfe Speisen und bestimmte Medikamente zu meiden. Müssen über einen längeren Zeitraum Schmerzmittel wegen einer anderen Erkrankung genommen werden, sollten Medikamente verschrieben werden, welche die Magenschleimhaut schützen.

Weitere Fragen zum Thema Magengeschwür können Sie in der Magen-Darm-Expertenrat auf der Gesundheitsberatung stellen.

Quellen:
Gerd Herold (Hrsg.): Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2005

 

Autor: Peter Gelhard 
Letzte Änderung am: 10.08.2009
 
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