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Mandelentzündung (Angina tonsillitis)

 Untersuchung beim Arzt auf Mandelentzündung

Eine Mandelentzündung kann der Arzt leicht feststellen
(Quelle: BananaStock)

Eine Mandelentzündung (Angina tonsillitis) ist eine Entzündung der Gaumen- oder Rachenmandeln. Die Mandeln sind Teil des lymphatischen Systems des Körpers, das wiederum wichtige Funktionen für das Immunsystem und das blutbildende System im Knochenmark übernimmt.

Mandelentzündungen werden meistens durch Streptokokken ausgelöst. Streptokokken sind Bakterien, die besonders häufig bei Kindern und Jugendlichen Infektionen auslösen. Deshalb sind meist Kinder und Jugendliche von einer Mandelentzündung betroffen. Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. In den feucht-kalten Jahreszeiten treten Mandelentzündungen gehäuft auf.

Neben der Mandelentzündung lösen Streptokokken zahlreiche andere Infektionskrankheiten aus, beispielsweise Scharlach oder das Pfeiffersche Drüsenfieber.


Welche Ursachen hat eine Mandelentzündung?

Mandelentzündungen treten akut oder chronisch auf. Für beide Formen ist eine Infektion mit Streptokokken verantwortlich. Streptokokken befinden sich auf der Haut, auf Schleimhäuten und im Darm. Ist das Immunsystem geschwächt, können sie sich ausbreiten und Infektionen verursachen. Durch Streptokokken verursachte Mandelentzündungen treten deshalb häufig in den feucht-kalten Jahreszeiten auf.

Die chronische Mandelentzündung entsteht meist, wenn vorangegangene akute Mandelentzündungen nicht vollständig ausgeheilt sind. Häufig sind die Symptome der akuten Mandelentzündungen so gering gewesen, dass sie nicht behandelt wurden. Gelegentlich führt das zu einem chronischen Verlauf. In Folge dessen vernarben die Mandeln.


Symptome einer Mandelentzündung

Eine akute Mandelentzündung beginnt plötzlich und wird in der Regel von Fieber und allgemeinem Schwächegefühl begleitet. Das charakteristischste Symptom einer Mandelentzündung sind Halsschmerzen, vor allem beim Schlucken.

Meist sind die Mandeln angeschwollen und sehr druckempfindlich. Die Lymphknoten sind häufig ebenfalls angeschwollen und von außen ertastbar. Beim Sprechen klingt die Stimme gedämpft. Bei geöffnetem Mund sieht man von innen die geröteten und geschwollenen Mandeln. Sie sind in schweren Fällen mit Eiter belegt.

Im Gegensatz zur akuten zeigen sich bei der chronischen Mandelentzündung keine oder nur leichte Beschwerden. Schluckbeschwerden treten in verminderter Form auf. Fieber und Unwohlsein kommen nicht vor. Über einen längeren Zeitraum kann sich Mundgeruch entwickeln.


Wie wird eine Mandelentzündung diagnostiziert?

Nach einem Gespräch über die Krankheitsgeschichte mit dem Arzt (Anamnese) folgt eine Inspektion des Mund- und Rachenraums. Hier zeigen sich erste Hinweise auf eine Mandelentzündung. Bei einer chronischen Mandelentzündung sind die Vernarbungen der Mandeln deutlich sichtbar. Mandeln und Lymphknoten werden von außen abgetastet. In der Regel reichen diese sichtbaren Zeichen für die Diagnose einer Mandelentzündung aus.

In unklaren Fällen oder zum Ausschluss anderer Krankheiten werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Dies geschieht in der Regel aber erst, wenn die Mandelentzündung nach einigen Tagen nicht abgeheilt ist.


Wie wird eine Mandelentzündung therapiert?

Eine akute Mandelentzündung bei Erwachsenen heilt normalerweise nach einigen Tagen von allein ab. Es empfehlen sich lediglich Medikamente und Maßnahmen, die die Beschwerden lindern. Körperliche Schonung, am besten Bettruhe, steht dabei im Mittelpunkt. Fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente können bei Bedarf eingesetzt werden. Es ist sinnvoll, alle Getränke und Speisen zu vermeiden, die die entzündeten Mandeln zusätzlich reizen.

Bei Kindern und Jugendlichen werden immer Antibiotika eingesetzt. Dies gilt auch bei eitrigen Mandelentzündungen, da sich die Bakterien im Körper ausbreiten und weitere Störungen wie Herz- und Nierenkrankheiten hervorrufen können. Der am häufigsten verwendete Wirkstoff ist Penicillin. Mögliche Nebenwirkungen von Penicillin sind Magen-Darm-Störungen und allergische Reaktionen.

Chronische Mandelentzündung: Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie)

Die bei der Therapie einer akuten Mandelentzündung angewendeten Maßnahmen zeigen bei einer chronischen Mandelentzündung keine Wirkung. Deshalb werden die Mandeln operativ entfernt. Eine Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie) ist deshalb wichtig, weil sich die Entzündungen in andere Organe ausbreiten können und dort schwere Krankheiten hervorrufen können.

Eine Mandelentfernung ist frühestens ab dem vierten Lebensjahr empfehlenswert, da die Mandeln eine wichtige Funktion bei der Ausbildung des Immunsystems haben. Die Operation gehört zu den Standard-Verfahren und verläuft meist komplikationslos. Bis etwa 14 Tagen danach kann es zu Blutungen kommen, vereinzelt ist das Geschmacksempfinden kurzzeitig gestört.


Welchen Verlauf hat eine Mandelentzündung?

Eine akute Mandelentzündung heilt mit der richtigen Behandlung in der Regel nach ein bis zwei Wochen komplikationslos ab. Bei immer wieder auftretenden Mandelentzündungen besteht die Gefahr, dass sich eine chronische Mandelentzündung entwickelt. Deshalb ist es ratsam, gemeinsam mit dem Arzt abzuklären, ob eine Entfernung der Mandeln sinnvoll ist.

Die chronische Mandelentzündung kann unbehandelt zu einer Reihe von Folgeerkrankungen führen, beispielsweise zu Rheumatischem Fieber, Reaktiver Arthritis (Morbus Reiter) und Blasen- und Nierenentzündungen.


Mandelentzündung: die richtige Vorbeugung

Häufig auftretende Mandelentzündungen sind ein Zeichen für ein geschwächtes Immunsystem. Deshalb ist es ratsam, die Abwehr zu stärken. Eine gesunde Lebensweise mit einer ausgewogenen und vitaminreichen Ernährung, körperlicher Bewegung und wenig Stress unterstützt den Körper bei der Abwehr von Krankheiten.


Quellen:
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007
Reinert, R.: Streptokokken-Infektionen. Aktuelle Aspekte zur Diagnostik, Prophylaxe und Therapie. Uni-Med, Bremen 2007
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Chronische Tonsillitis. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 017/024 (Stand: Juni 2001)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI): Streptokokken (Gruppe A) Infektionen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 048/008 (Stand: 1996)

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 17.07.2012
 
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