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Milzbrand

 Der Milzbranderreger kann nur in Speziallabors festgestellt werden

Der Milzbranderreger kann nur in Speziallabors festgestellt werden
(Quelle: dynamic graphics value)

Milzbrand (Anthrax) ist eine weltweit verbreitete, bakterielle Infektionskrankheit. Sie befällt vor allem pflanzenfressende Nutztiere, insbesondere Paarhufer. Eine Übertragung auf Menschen ist möglich, aber sehr selten. In Deutschland wurde 1994 der letzte Fall von Hautmilzbrand beim Menschen gemeldet.

Milzbrand ist vor allem in warm-feuchten Regionen der Welt verbreitet, in Südeuropa, im Nahen Osten, in Asien, Nordafrika und Südamerika. Betroffen sind dort oft Nutztiere, die auf sumpfigen Böden und in Überschwemmungsgebieten weiden.

Seinen Namen verdankt der Milzbrand dem Umstand, dass sich bei erkrankten Tieren die Milz schwarz färbt und wie verbrannt aussieht.

Infektionswege des Milzbrands

Verursacher des Milzbrands ist das Bakterium Bacillus anthracis. Es kommt vor allem im Blut infizierter Tiere vor sowie in bluthaltigen Körperflüssigkeiten, Organen, Knochen und Häuten. Der Milzbranderreger findet sich auch in Böden wieder, allerdings meist in Konzentrationen, die für Menschen ungefährlich sind. An der Luft kann der Erreger höchst widerstandsfähige Sporen (=Dauerformen) bilden und über Jahrzehnte unbeschadet überleben.

Ein gewisses Infektionsrisiko haben Menschen, die berufsmäßig mit Tierprodukten wie Fellen und Knochen zu tun haben, oder in der Tiermedizin beziehungsweise in der Viehwirtschaft arbeiten. Eine Übertragung von Menschen zu Mensch ist sehr unwahrscheinlich. Zur Infektion ist eine sehr hohe Dosis an Erregern notwendig.

Übertragen wird Milzbrand meist durch direkten Hautkontakt mit infizierten Tieren oder erregertragenden Tiermaterialien. Aus diesem Grund ist der so genannte Hautmilzbrand mit einem Anteil von etwa 90 Prozent die häufigste Form. Deutlich seltener findet der Erreger über die Lunge Eingang in den menschlichen Körper, wenn große Mengen Sporen eingeatmet werden. In der Folge kann der so genannte Lungenmilzbrand auftreten. Noch seltener ist der Darmmilzbrand, der durch den Verzehr von unzureichend gekochtem Fleisch infizierter Tiere verursacht wird.

Wie äußert sich Milzbrand?

Je nach Eintrittspforte des Erregers entwickeln sich unterschiedliche Formen des Milzbrands.

Der Hautmilzbrand macht sich ein bis drei Tage nach der Infektion zunächst durch eine Schwellung an der Eintrittsstelle des Erregers bemerkbar, die innerhalb kurzer Zeit eine Pustel bildet. Nach zwei bis sechs Tagen entwickelt sich daraus ein meist schmerzloses Geschwür, das von einem schwarzen Schorf bedeckt ist ("Milzkarbunkel") Ohne Behandlung setzt der Erreger bald Giftstoffe frei, die meist hohes Fieber, Benommenheit und Herz-Kreislaufprobleme hervorrufen. Breitet sich die Entzündung aus, droht eine Blutvergiftung, die tödlich enden kann.

Beim Lungenmilzbrand treten die Symptome ein bis sechs Tage nach dem Einatmen einer großen Menge von Erregersporen auf. Erste Anzeichen sind oft Müdigkeit, ein trockener Husten und Brustschmerzen. Innerhalb weniger Stunden, manchmal erst nach zwei bis vier Tagen, kommt es plötzlich zu hohem Fieber, Schüttelfrost, blutigem Husten und Atemproblemen. Unbehandelt droht eine schwere Blutvergiftung.

Der Darmmilzbrand verursacht zunächst Bauchschmerzen und Blähungen. Rasch folgen blutige Durchfälle, eine Bauchfellentzündung sowie allgemeine Schocksymptome bis hin zum Herz-Kreislaufversagen.

In allen drei Fällen ist schnelle Behandlung außerordentlich wichtig.

Wie wird Milzbrand diagnostiziert?

Der Milzbranderreger kann nur von Speziallabors nachgewiesen werden, die besondere Sicherheitskriterien erfüllen. Dies geschieht meist durch die Anzüchtung des Erregers, der mittels eines Abstrichs oder einer Blut- beziehungsweise Gewebeprobe gewonnen wird.

Wie wird Milzbrand behandelt?

Da es sich beim Milzbrand um eine bakterielle Infektionskrankheit handelt, muss eine Behandlung mit Antibiotika erfolgen. Am effektivsten wirkt meist Penicillin, das eine Woche lang eingenommen wird. Beim Lungen- und Darmmilzbrand wird das Antibiotikum (meist Ciprofloxacin oder Doxycyclin) häufig zunächst intravenös verabreicht.

Verlauf

Unbehandelt führt der Hautmilzbrand in fünf bis zwanzig Prozent der Fälle zum Tod. Wegen des raschen Fortschreitens der Infektion beim Lungenmilzbrand ist hier eine frühzeitige Gabe von Antibiotika besonders wichtig.Bei einer rechtzeitigen Behandlung mit einem Antibiotikum lassen sich alle drei Formen des Milzbrands im Allgemeinen gut behandeln und vollständig heilen.

Wie kann man vorbeugen?

Eine Impfung gegen Milzbrand ist nicht möglich, da es noch keinen wirksamen Impfstoff gibt. Ist jemand nachweislich mit infizierten Tieren oder infektiösem Tiermaterial in Kontakt gekommen, kann eine vorbeugende Antibiotika-Therapie erwogen werden. Sie erstreckt sich im gegebenen Fall über einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten.

Milzbrand als Biowaffe?

Aufgrund der Fähigkeit des Erregers, widerstandfähige Sporen zu bilden, eignen sich Milzbrandbakterien als Waffe eines terroristischen "Bioangriffs". Fachleute halten eine flächendeckende Infektion größerer Gebiete allerdings für schwer durchführbar. Die Milzbrandsporen müssen eine ganz bestimmte Größe haben, um infektiös zu sein. Sind sie zu klein, werden sie wieder ausgeatmet, sind sie zu groß, gelangen sie nicht bis in die Lunge.

Dagegen ist die Infektion Einzelner oder auch kleiner Gruppen durch das Verschicken von Milzbrandsporen etwa in Briefumschlägen vergleichsweise einfach möglich. Bei Verdacht auf einen Kontakt mit dem Erreger ist es ratsam, möglichst umgehend das jeweils zuständige Gesundheitsamt anzurufen. Von hier aus kann die Behandlung durch einen einschlägig erfahrenen Arzt rasch eingeleitet werden.


Weitere Fragen zum Thema Mizbrand können Sie zum Beispiel in der Labormedizin-Expertenrat oder in der Hausarzt-Expertenrat stellen.

Quellen:
RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Milzbrand (Anthrax). Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: August 2003))

 

Autor: Peter Gelhard 
Letzte Änderung am: 15.01.2009
 
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