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Morbus Bechterew

Bewegung im Wasser kann den Verlauf von Morbus Bechterew positiv beeinflussen

Bewegung im Wasser kann den Verlauf von Morbus Bechterew positiv beeinflussen
(Foto: Photodisc)

Morbus Bechterew beschreibt eine Erkrankung der Wirbelsäule und deren benachbarten Gelenken. Morbus Bechterew, auch Spondylitis Ankylopoetica oder Spondylitis Ankylosans genannt, tritt zu etwa 90 Prozent bei Männern auf und wird den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises zugeschrieben. Intervallartig treten Entzündungsschübe auf, die meist sehr schmerzhaft sind. Nach den jeweiligen Entzündungsschüben entsteht an den betroffenen Gelenken eine Bewegungseinschränkung. Das Krankheitsbild Morbus Bechterew macht sich in 80 Prozent der Fälle erstmals zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr bemerkbar. Die entzündlichen Intervalle variieren unter den Betroffenen sehr deutlich, insgesamt trifft es etwa 0,5 Prozent aller Menschen. Morbus Bechterew verläuft chronisch und führt in der Regel zu einer Versteifung der Wirbelsäule.


Welche Ursachen können zu Morbus Bechterew führen?

In bis zu 95 Prozent der Erkrankungen an Morbus Bechterew kann ein Zusammenhang mit einem so genannten Gewebetyp, dem so genannten HLA-B 27, angenommen werden. Dies wäre ein genetischer Ursprung. Hinzu kommt, dass auch Erreger aus dem Urogenitalbereich oder dem Magen-Darm-Trakt (Klebsiellen, Chlamydien) als Auslöser für Morbus Bechterew zugeordnet werden.


Welche Symptome verursacht Morbus Bechterew?

Ein Entzündungsschub bei Morbus Bechterew beginnt oft mit tiefliegenden Rückenschmerzen, häufig nachts. Auch Schmerzen am Kreuzbein-Darmbein-Gelenk (Ileosakralgelenk) und an Sehnen und Muskelansätzen im Gesäßbereich sind typische Symptome bei Morbus Bechterew. Als Hauptsymptom gilt die Bewegungseinschränkung. Rund 20 Prozent der Betroffenen klagen über Fersenschmerzen, manche über Schmerzen in den Knien. Die Hauptsymptome beziehen sich jedoch auf den Bereich der Wirbelsäule. Im Verlauf der Entzündungsschübe entstehen nach und nach Verknöcherungen derjenigen Anteile, die zuvor entzündlich befallen waren, Bandscheiben, kleine Wirbelgelenke, die Kanten der Wirbelkörper und das Ileosakralgelenk. Morbus Bechterew verläuft meist aufsteigend, sodass sich im Lauf der Jahre die Wirbelsäule durch Kalkeinlagerungen verknöchert und schließlich bis zur Halswirbelsäule hinauf unbeweglich wird und zusätzlich verkrümmt. Ist die Brustwirbelsäule beeinträchtigt, sind oft die Rippengelenke der Brustwirbel betroffen. Dies kann zu Einschränkungen der Atmung führen, oft kommt es zur Buckelbildung im Bereich der Brustwirbelsäule.


Wie wird Morbus Bechterew diagnostiziert?

Bei Morbus Bechterew lassen sich die entzündlichen Prozesse an den knöchernen Strukturen sehr gut auf dem Röntgenbild erkennen. Kann man zudem einen positiven HLA-B27-Wert bestimmen, gilt die Diagnose bereits als gesichert. Darüber hinaus arbeitet die Wissenschaft weiterhin an einer Ursachenforschung. Ein fortgeschrittener Morbus Bechterew lässt die Wirbelsäule derart versteifen und verwachsen, dass sie auf einem Röntgenbild einer Bambusstange ähnlich sieht.


Wie verläuft die Therapie bei Morbus Bechterew?

Bei der Therapie von Morbus Bechterew wird zwischen der Therapie während der Entzündungsphase und der Therapie in der so genannten "schubfreien Zeit" unterschieden. Die ärztliche Therapie sieht in einer akuten Phase meist eine Behandlung mit entzündungshemmenden Mitteln (Antiphlogistika) und Schmerzmitteln (Analgetika) vor, während zwischen den Schüben die physikalische Therapie äußerst wichtig ist, um den verschiedenen Bewegungseinschränkungen entgegenzuwirken. Hierzu zählt intensive Krankengymnastik, ein regelmäßig selbständig durchgeführtes Eigenprogramm, aber auch Bewegung im Wasser und noch viele andere Therapieformen können den Verlauf von Morbus Bechterew positiv beeinflussen und das Fortschreiten verlangsamen. Bei ausgeprägten Verformungen der Wirbelsäule und Buckelbildung kann auch eine aufrichtende Operation manchmal nicht umgangen werden.


Wie ist der Krankheitsverlauf von Morbus Bechterew?

Während der Anfangsphase von Morbus Bechterew sind oft nur die Ileosakralgelenke betroffen. Im Laufe der Zeit weitet sich die Symptomatik mit den wiederholten Schüben auf die Lendenwirbelsäule aus. Im jahrelangen Verlauf breiten sich Kalkeinlagerungen und Entzündungen ansteigend über die Brustwirbelsäule aus, wo auch die Beweglichkeit des Brustkorbs oft eingeschränkt wird. Atemprobleme können entstehen, weil die Lunge nicht ausreichend belüftet werden kann. Zum Schluss versteift dann die Halswirbelsäule. Auch ein Übergreifen der Entzündungen auf die Schultergelenke ist möglich, wonach mit einer Bewegungseinschränkung der Arme zu rechnen ist.


Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen an die Experten im Expertenrat für Muskel- und Gelenkbeschwerden auf dem Portal gesundheitsberatung.de.


Quellen:
Niethard, F., Pfeil, J.: Orthopädie. Thieme Verlag, Stuttgart 2005
Hees, H., Sinowatz, F.: Allgemeine und spezielle Pathologie. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 1996

 

Autor: Christian Fiala 
Letzte Änderung am: 01.09.2009
 
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