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Nahrungsmittelunverträglichkeit (Nahrungsmittelintoleranz)

Bei Nahrungsmittelunverträglichkeit muss oft auf eine Reihe von Lebensmitteln verzichtet werden

Bei Nahrungsmittel-
unverträglichkeit muss oft auf eine Reihe von Lebensmitteln verzichtet werden
(Foto: BananaStock)

Nahrungsmittelunverträglichkeit bedeutet, dass einzelne Bestandteile bestimmter Nahrungsmittel vom Körper nicht richtig verarbeitet und aufgenommen werden können. Viele Menschen in Deutschland leiden an einer Intoleranz gegen Nahrungsmittelbestandteile. Am häufigsten treten Fruktoseunverträglichkeit und Laktoseintoleranz auf, seltener Histaminintoleranz und eine Unverträglichkeit gegen Gluten (Zöliakie). Daneben gibt es außerdem die krankheitsbedingte unspezifische Nahrungsmittelunverträglichkeit, bei der nicht klar festgestellt werden kann, welche Stoffe unverträglich sind.

Nahrungsmittelunverträglichkeit und Nahrungsmittelallergie

Obwohl auch Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie bestimmte Nahrungsmittel nicht "vertragen", sind Nahrungsmittelunverträglichkeit und Nahrungsmittelallergie zwei verschiedene Erkrankungen. Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit ist der Körper nicht in der Lage, bestimmte Stoffe zu verarbeiten und aufzunehmen, während bei einer Nahrungsmittelallergie das Immunsystem überreagiert. Eine Nahrungsmittelallergie kann sich daher durch heftige allergische Reaktionen äußern, was bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit nicht der Fall ist. Eine Ausnahme bildet hier die Histaminintoleranz, bei der allergieähnliche (pseudoallergische) Reaktionen auftreten können.


Ursachen einer Nahrungsmittelintoleranz

Nahrungsmittelintoleranz kann verschiedene Ursachen haben. Generell sind die Unverträglichkeitsreaktionen auf Störungen von Enzymen zurückzuführen, die für die Spaltung oder Aufnahme bestimmter Nahrungsmittelbestandteile zuständig sind. Häufig sind diese Defekte angeboren, zum Teil können sie aber auch durch Krankheiten entstehen oder ernährungsbedingt sein. Die genauen Gründe für nicht-erbliche Formen der Nahrungsmittelintoleranz sind in vielen Fällen bis heute noch nicht geklärt.


Symptome einer Nahrungsmittelunverträglichkeit

Fruktose- und Laktoseintoleranz äußern sich in erster Linie durch Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Bei Zöliakie kommen außerdem Symptome wie Vitamin- und Eisenmangel, ein allgemeines Krankheitsgefühl, Blutarmut (Anämie) oder Ödeme hinzu. Die Histaminunverträglichkeit ähnelt symptomatisch eher einer Allergie und zeigt sich unter anderem durch Hautrötungen, Quaddelbildung, Atemnot, Juckreiz und Herzrhythmusstörungen.


Diagnose einer Nahrungsmittelunverträglichkeit

Je nach Art der Unverträglichkeit kommen verschiedene Untersuchungen zur Diagnose in Frage. Beispielsweise lassen sich Fruktose- und Laktoseintoleranz relativ einfach anhand eines Wasserstoffatemtests feststellen. Die Diagnose einer Histaminintoleranz kann mithilfe einer histaminfreien Diät oder durch einen Provokationstest erfolgen. Das Vorliegen einer Zöliakie lässt sich mittels Gewebeentnahme (Biopsie) aus dem Dünndarm diagnostizieren. Zusätzlich können in bestimmten Fällen außerdem Stuhlproben sowie Blut- oder Gentests bei der Diagnose einer Nahrungsmittelunverträglichkeit hilfreich sein.

IgG-Antikörpertests werden seit langer Zeit durchgeführt und müssen oft auch von Betroffenen selbst bezahlt werden. In aktuellen Studien konnte jedoch nachgewiesen werden, dass diese Tests nicht für die zuverlässige Diagnose einer Nahrungsmittelintoleranz oder -allergie geeignet sind.


Therapie einer Nahrungsmittelintoleranz

Zur Therapie von Fruktose-, Laktose-, und Glutenunverträglichkeit muss teilweise oder vollständig auf die Aufnahme der unverträglichen Stoffe verzichtet werden. Gleiches gilt auch für die Histaminintoleranz, allerdings lassen sich hier akute pseudoallergische Symptome durch spezielle Medikamente lindern.


Verlauf einer Nahrungsmittelunverträglichkeit

Sofern eine Nahrungsmittelunverträglichkeit rechtzeitig erkannt wird, lässt sich durch eine entsprechende Diät in den meisten Fällen ein weitgehend beschwerdefreier Verlauf erreichen. Wenn eine Nahrungsmittelintoleranz allerdings zu spät erkannt wird, können Betroffene – insbesondere Kinder – dauerhafte Schäden davontragen.


Vorbeugen einer Nahrungsmittelintoleranz

Da eine Nahrungsmittelintoleranz oft angeboren ist und andere Ursachen bislang unklar sind, lässt sich einer Nahrungsmittelintoleranz nicht vorbeugen.


In der Hausarzt-Expertenrat können Sie persönliche Fragen zum Thema Nahrungsmittelunverträglichkeit direkt an unsere Experten richten.

Quellen:
Kasper H.: Ernährungsmedizin und Diätetik. Elsevier, München 2009
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2004
F.A. Brockhaus Gesundheit (Hrsg.): Der Brockhaus Gesundheit. F.A. Brockhaus Gesundheit, Leipzig 2006
Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI): Keine Empfehlung für IgG- und IgG4-Bestimmungen gegen Nahrungsmittel. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/028 (Stand: Oktober 2009)

 

Autor: Christian Emmerling 
Letzte Änderung am: 14.06.2010
 
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