Tipp

Teilnarkose (Regionalanästhesie)

Durch eine Teilnarkose lassen sich Schmerzen bei Zahnbehandlungen vermeiden

Durch eine Teilnarkose lassen sich Schmerzen bei Zahnbehandlungen vermeiden
(Foto: BananaStock)

Als Teilnarkose werden verschiedene Narkosemethoden bezeichnet, bei denen nur bestimmte Teile des Körpers betäubt werden. Im Gegensatz zur Vollnarkose bleibt das Bewusstsein der zu betäubenden Person dabei erhalten. Die Teilnarkose dient dazu, schmerzfreie Operationen zu ermöglichen. Es gibt verschiedene Arten der Teilnarkose.


Örtliche Betäubung (Lokalanästhesie)

Eine örtliche Betäubung kann ohne vorbereitende Maßnahmen durchgeführt werden und wird für gewöhnlich vom behandelnden Arzt selbst vorgenommen. Dabei werden spezielle Betäubungsmittel, so genannte Lokalanästhetika, nach vorheriger Desinfektion mithilfe einer Spritze unter die Haut oder die Schleimhaut gebracht. Da die betäubende Wirkung sehr schnell eintritt, wird in der Regel nur der erste Einstich wahrgenommen. Nach wenigen Minuten ist der betäubte Bereich schmerzunempfindlich. Spürt man dennoch etwas von dem Eingriff, sollte der Arzt darauf hingewiesen werden. Die Betäubung wird dann verstärkt. In speziellen Fällen wird das Betäubungsmittel nicht gespritzt, sondern auf anderem Wege an die Stelle des Eingriffs gebracht. Beispielsweise kann das Auge auch durch Augentropfen mit narkotisierender Wirkung betäubt werden.

Anwendungsgebiete der Lokalanästhesie

Die örtliche Betäubung wird vor allem für kleinere Eingriffe an der Haut oder den Schleimhäuten verwendet. So werden häufig Warzen, kleinere oberflächliche Tumoren oder Wunden unter örtlicher Narkose behandelt. Auch beim Zahnarzt findet die Lokalanästhesie oft Anwendung.

Komplikationen und Risiken

Komplikationen können auftreten, wenn das Betäubungsmittel in den Blutkreislauf gerät. Das Risiko hierfür ist jedoch sehr gering. Da einige Menschen allergisch auf bestimmte lokale Betäubungsmittel reagieren, kann es bei ihnen zu allergischen Reaktionen kommen. Bei einer Teilnarkose im Mundraum besteht außerdem die Gefahr, dass man sich selbst auf die Zunge oder in die Wange beißt. Daher sollte in diesen Fällen so lange nichts gegessen werden, bis die Betäubung nachgelassen hat. In der Schwangerschaft stellt eine örtliche Betäubung in der Regel kein Problem dar.

Alternativen zur örtlichern Betäubung

Alternativ können zum Teil betäubende Hautcremes anstelle von Spritzen eingesetzt werden, was sich besonders für oberflächliche Eingriffe bei Kindern eignet. Generell ist es meistens auch möglich, Eingriffe unter Vollnarkose vorzunehmen. Weiterhin kann die Schmerzempfindlichkeit alternativ oder ergänzend durch Hypnose beeinflusst werden.


Leitungsanästhesie

Bei der Leitungsanästhesie werden gezielt einzelne Nerven oder Nervenbündel mithilfe von lokalen Betäubungsmitteln (Lokalanästhetika) betäubt. Anders als eine örtliche Betäubung, wird diese Art der Teilnarkose üblicherweise von speziell ausgebildeten Narkoseärzten (Anästhesisten) durchgeführt. Dabei werden kleine Vorräte eines langfristig wirkenden Betäubungsmittels in die Nähe jener Nerven gespritzt, die betäubt werden sollen.

Um herauszufinden, wo die entsprechenden Nerven liegen, werden sie vor der Narkose mit einem Nervenstimulator angeregt. Dieser sendet schwache, schmerzlose Stromstöße aus und sorgt dafür, dass es beispielsweise an der Hand oder am Fuß zu einem Zucken kommt. Erst wenn so die richtige Stelle für die Teilnarkose ermittelt wurde, wird das Betäubungsmittel verabreicht. Etwa zehn bis 20 Minuten später ist die Region, die über die betäubten Nerven versorgt wird, schmerzunempfindlich und die dazugehörigen Muskeln sind erschlafft. Nun kann ein Eingriff begonnen werden, ohne dass dem Operierten dabei Schmerzen entstehen. Im Anschluss hält die Betäubung noch für kurze Zeit an. In einzelnen Fällen ist eine weitere Nachbehandlung nötig, die individuell mit dem Arzt besprochen wird.

Spinal- und Periduralanästhesie (PDA)

Spezielle Formen der Leitungsanästhesie sind die Spinal- und Periduralanästhesie, umgangssprachlich auch als "Rückenmarksbetäubung" bezeichnet. Bei dieser "zentralen Leitungsanästhesie" sind die gleichen vorbereitenden Maßnahmen notwendig, wie bei einer Vollnarkose. So sollte am Tag des Eingriffs möglichst sechs Stunden vor der Betäubung nichts mehr gegessen werden und auch das Trinken trüber Flüssigkeiten wie Saft oder Milch ist in diesem Zeitraum nicht möglich. Zwei Stunden vor dem Eingriff muss zusätzlich auch auf das Trinken klarer Flüssigkeiten verzichtet werden. Am Tag der Narkose sollte man außerdem nicht mehr rauchen. Ob und welche Medikamente eingenommen werden dürfen sowie andere individuelle Besonderheiten werden im Vorfeld mit dem Anästhesisten abgeklärt. Auch muss der Missbrauch von Drogen dem Anästhesisten mitgeteilt werden, da dies für die richtige Dosierung des Betäubungsmittels von Bedeutung sein kann. Unter Umständen müssen zusätzliche Untersuchungen wie ein Elektrokardiogramm (EKG), ein Lungenfunktionstest oder bestimmte Laboruntersuchungen durchgeführt werden.

Nach dem Eingriff dauert es etwa drei bis vier Stunden, bis die Wirkung der Narkose nachgelassen hat. Für diesen Zeitraum sollte man liegen bleiben und steht für gewöhnlich noch unter ärztlicher Beobachtung. In den 24 Stunden nach der Betäubung ist es nicht erlaubt Auto zu fahren, an laufenden Maschinen zu arbeiten und Alkohol zu trinken.

Wer vor dem Eingriff Angst hat und ihn nicht bewusst erleben möchte, kann sich zusätzlich ein Schlafmittel verabreichen lassen. So bekommt man nur sehr wenig von der Operation mit, ist aber nicht gänzlich ohne Bewusstsein wie bei einer Vollnarkose.

Anwendungsgebiete der Leitungsanästhesie

Die Leitungsanästhesie kommt immer dann zum Einsatz, wenn größere Regionen wie Arme oder Beine betäubt werden sollen. Werden Nerven im Arm- und Schulterbereich betäubt, spricht man auch von Plexusanästhesie. Spinal- oder Periduralanästhesie werden meistens bei Operationen am Unterleib sowie im Bein- und Hüftbereich eingesetzt. Beispiele hierfür sind verschiedene urologische Eingriffe, Leistenbruchoperationen, ein Kaiserschnitt oder die Entfernung von Krampfadern.

Komplikationen und Risiken der Leitungsanästhesie

Bei der Leitungsanästhesie besteht das Risiko, dass Blutergüsse oder Infektionen an der Stelle des Einstichs auftreten können. Zudem ist es möglich, dass nach einer Spinal- oder Periduralanästhesie Gehirnflüssigkeit austritt, was zu Kopfschmerzen führen kann. Das Risiko dafür ist jedoch sehr gering. Außerdem können Betäubungsmittel mit lang anhaltender Wirkung zu Problemen beim Wasserlassen führen. In diesen Fällen muss zeitweilig ein Blasenkatheter angelegt werden. Gelegentlich kommt es zu Kreislaufstörungen und bei Allergikern zu Überreaktionen des Immunsystems. Das Risiko von Nervenverletzungen beim Einstich gilt als äußerst gering.

Alternativen zur Leitungsanästhesie

Die Leitungsanästhesie kann oft auch mit einer Vollnarkose kombiniert werden. Dadurch lassen sich Operationsschmerzen nach dem Erwachen aus der Vollnarkose direkt lindern. Zudem lässt sich die Schmerzempfindlichkeit alternativ beziehungsweise ergänzend durch Hypnose beeinflussen.


In der Hausarzt-Expertenrat können Sie persönliche Fragen zum Thema Teilnarkose direkt an unsere Experten richten.

Quellen:
Online-Informationen des Bundesverbands für Ambulantes Operieren, Bonn: http://www.operieren.de (Stand: August 2009)
Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie (DGH), Coesfeld: http://www.hypnose-dgh.de (Stand: August 2009)

 

Autor: Christian Emmerling 
Letzte Änderung am: 12.10.2009
 
Tipp