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Vollnarkose (Allgemeinanästhesie)

Eine Vollnarkose findet unter intensiver medizinischer Überwachung statt

Eine Vollnarkose findet unter intensiver medizinischer Überwachung statt
(Foto: DAK/Scholz)

Vollnarkose bezeichnet einen vorübergehenden und kontrolliert herbeigeführten Zustand der Bewusstlosigkeit. Eine Vollnarkose dient dazu, die Schmerzempfindlichkeit des ganzen Körpers auszuschalten. So ist es möglich, verschiedene Operationen vorzunehmen, ohne Betroffenen dabei Schmerzen zu bereiten. In der Fachsprache wird die Vollnarkose als Allgemeinanästhesie bezeichnet.


Vorbereitung auf eine Vollnarkose

Zur Vorbereitung auf eine Vollnarkose darf mindestens sechs Stunden vor der Betäubung nichts mehr gegessen werden. Auch auf das Trinken trüber Flüssigkeiten wie Milch oder Saft muss man in diesem Zeitraum verzichten. Tee, Wasser und andere klare Getränke dürfen in der Regel nur in den letzten zwei Stunden vor der Behandlung nicht mehr getrunken werden. Am Tag der Narkose sollte man außerdem nicht mehr rauchen. Ob und welche Medikamente eingenommen werden dürfen und andere individuelle Besonderheiten sollten im Vorfeld mit dem Anästhesisten abgeklärt werden. Auch der Missbrauch von Drogen sollte dem Anästhesisten mitgeteilt werden, da dies für die richtige Dosierung des Betäubungsmittels von Bedeutung sein kann. In einigen Fällen müssen zusätzliche Untersuchungen wie ein Elektrokardiogramm (EKG), ein Lungenfunktionstest oder bestimmte Laboruntersuchungen durchgeführt werden.


Ablauf einer Vollnarkose

Eine Vollnarkose wird von speziellen Narkoseärzten, den Anästhesisten, vorgenommen. Dabei wird zunächst ein Schlafmittel in die Armvene gespritzt. Bereits nach kurzer Zeit tritt die betäubende Wirkung ein und führt zu einem tiefen Schlaf sowie einer Lähmung der Muskulatur. Da auch die Atemmuskulatur gelähmt wird, erhalten Betäubte eine künstliche Beatmung. Bei kürzeren Eingriffen reicht dafür eine Atemmaske aus, für längere Eingriffe wird ein Beatmungsschlauch in die Luftröhre eingeführt. Zusammen mit der Luft wird gleichzeitig auch ein betäubendes Gas verabreicht, um die Narkose aufrecht zu erhalten. Während des Eingriffs überwacht der Anästhesist verschiedene Körperwerte wie Blutdruck, Herzrhythmus sowie den Sauerstoffgehalt im Blut und sorgt so für einen sicheren und reibungslosen Ablauf der Narkose.


Wie fühlt sich eine Vollnarkose an?

Nach einer Vollnarkose bleibt eine Erinnerungslücke aus der Zeit der Betäubung zurück. Man bekommt während dieser Zeit also nichts mit und träumt auch nicht, da man sich während der Vollnarkose in einem Zustand der Bewusstlosigkeit befindet. Nach dem Erwachen fühlt man sich für gewöhnlich für einige Stunden benommen und schläfrig. Daher ist es nach einer Vollnarkose auch nicht erlaubt, selbst Auto zu fahren, an laufenden Maschinen zu arbeiten oder Alkohol zu trinken. Nach Möglichkeit sollte man in den folgenden 24 Stunden nicht alleine sein.


Anwendungsgebiete der Vollnarkose

Die Vollnarkose kommt besonders häufig bei Operationen im Bauchraum zum Einsatz. Denn dort laufen viele Nerven und Nervenbündel zusammen, wodurch eine vollständige Unterdrückung aller Schmerzreize mithilfe einer Teilnarkose oft nicht möglich ist. Auch wenn die Wirkung einer Teilnarkose an anderen Stellen des Körpers nicht tief genug reicht, um einen schmerzfreien Eingriff sicherzustellen, findet die Vollnarkose Anwendung.


Komplikationen und Risiken einer Vollnarkose

Mögliche Komplikationen nach einer Vollnarkose sind Übelkeit und Erbrechen, sowie Heiserkeit, die durch den Beatmungsschlauch verursacht wird. Selten kommt es in Folge einer Vollnarkose zu Blutdruck- oder Herzrhythmusstörungen und vorübergehender Verwirrtheit. Vielen Menschen ist außerdem der Gedanke sehr unangenehm, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren und möglicherweise nicht mehr aus der Narkose zu erwachen. Das Risiko an einer Narkose zu sterben ist jedoch äußerst gering. Generell ist das Risiko für Zwischenfälle, beispielsweise bei der Beatmung, für Kindern und ältere Menschen etwas erhöht. Auch in der Schwangerschaft können Schwierigkeiten auftreten.


Alternativen zur Vollnarkose

In einigen Fällen können Eingriffe auch mithilfe einer Teilnarkose schmerzfrei durchgeführt werden. Bestimmte Operationen können jedoch nur unter Vollnarkose stattfinden. Eine weitere Alternative beziehungsweise Ergänzung zur Vollnarkose bietet in einigen Fällen die Hypnose, mit deren Hilfe sich ebenfalls Schmerzempfindlichkeit und Bewusstsein verändern lassen.


In der Hausarzt-Expertenrat können Sie persönliche Fragen zum Thema Vollnarkose direkt an unsere Experten richten.

Quellen:
Online-Informationen des Bundesverbands für Ambulantes Operieren, Bonn: http://www.operieren.de (Stand: August 2009)
Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie (DGH), Coesfeld: http://www.hypnose-dgh.de (Stand: August 2009)

 

Autor: Christian Emmerling 
Letzte Änderung am: 12.10.2009
 
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