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Neuraltherapie

Die Neuraltherapie und ihre am häufigsten angewandte Form, die Quaddeltherapie wurde von den Brüdern Ferdinand und Walter Huneke Anfang des letzten Jahrhunderts entwickelt. Es handelt sich um eine Regulations- und Umstimmungstherapie, die manchmal auch als "europäische Form der Akupunktur" bezeichnet wird. Im Gegensatz zur Akupunktur jedoch werden bei der Neuraltherapie Medikamente (Lokalanästhetika) in die Haut (Quaddeltherapie) oder in andere Körperorgane injiziert, um so blockierte Heilungsvorgänge wieder in Gang zu bringen.

Störfelder im Körper machen krank
Die Neuraltherapie basiert auf der Erkenntnis, dass bestimmte Störfelder oder Herde im Körper zu krankhaften Erscheinungen durchaus an ganz anderen Körperstellen führen können und dass die Behandlung dieser Störfelder mit örtlichen Betäubungsmitteln eine manchmal überraschend schnelle Heilung bewirkt. 60-80% Prozent dieser Störfelder befinden sich im Kopfbereich (chronisch entzündete Rachenmandeln, Narben nach Entfernung der Rachenmandeln, schadhafte Zähne, wurzeltote Zähne, chronische Zahnwurzelinfekte, Zahnreste nach Zahnentfernungen, Nasennebenhöhlen, Narben im Kopfbereich, auch Trommelfellnarben bei Kindern nach Einlagen von Paukenröhrchen oder Trommelfelldurchstechungen, andere Ohrprobleme und so weiter). Daher ist für die Diagnose des Neuraltherapeuten oft eine Panorama-Röntgenaufnahme des Zahn-Kieferbereichs, das sogenannte Orthopantomogramm (OPG), Teil der Behandlung.

Andere Störfelder können sich in Eierstöcken oder Prostata befinden, auch die Narbe nach einem Dammschnitt kann Probleme zum Beispiel im Unterbauch verursachen. Ein für die Therapeuten sicherlich recht neues Störfeld sind die neuerdings so beliebten Bauchnabelpiercings.

Kriminalistisches Gespür erforderlich
Der Therapeut sucht bei seiner Arbeit die "Störfelder" im oder am Körper, die ähnlich wie Stromstöße einen dauernden Reiz abgeben, der den Menschen im Ganzen anfällig werden lässt für einfache funktionelle Störungen bis hin zu ernsthaften chronischen Beschwerden. Mit der Neuraltherapie werden die Störfelder mit ihren Blockaden aufgelöst und die natürlichen Regulationsmechanismen wieder in Gang gesetzt. Dabei müssen die Störfelder selbst nicht unmittelbar am Ort der Beschwerden liegen. Ein typisches Beispiel für die Entfernung von Störfeld und Symptom ist des Bericht eines der Brüder Huneke über Schulterschmerzen bei einem Patienten, die durch Behandlung einer Narbe am Unterschenkel geheilt wurden. Weil diese Heilung auch innerhalb von Sekunden spürbar war, nennt man ein derartiges Ereignis auch Sekundenphänomen.

Zur Suche der Störfelder benötigt der Therapeut eine genaueste Anamnese und eine exakte Untersuchung. Dabei sind seine Hände unverzichtbar, mit denen er Verdickungen der Haut und Unterhaut sowie Verhärtungen der Muskulatur aufspürt.

Bei den verwendeten lokalen Betäubungsmitteln handelt es sich meist um Procain oder Lidocain, es werden je nach Therapeut jedoch auch Homöopathika und andere, pflanzliche Mittel beigegeben.

Die Neuraltherapie wird eingesetzt zur

  • örtlichen Behandlung von Schmerzpunkten

  • Behandlung über Reflexzonen, was bei Organschmerzen wie z.B. Magen- und Nierenschmerzen hilfreich ist

  • Ausschaltung von Störfeldern (Narbenunterflutungen)

  • Segmenttherapie, das heißt Schmerzbehandlung in Nervenverläufen z.B. Zervikal-, Thorakal-, Lumbal- und Sakralsegmenten zur Behandlung von Bandscheibenschmerzen, Ischiasschmerzen oder Lumbagoschmerzen.

Neben den tiefen Injektionen in Nervenverteilzentren (Ganglien), die zum Beispiel zur Behandlung der Trigeminusneuralgie erfolgen, oder auch der Anspritzung von Eierstöcken, Prostata oder Schilddrüse, wird überwiegend die Quaddeltherapie eingesetzt, bei der die Lokalanästhetika ausschließlich in die Haut injiziert werden.

Wann kann oder darf die Neural- und Quaddeltherapie nicht eingesetzt werden?
Bei chronischen Leiden, die bereits zu einer dauerhaften Funktionsschädigung der betroffenen Körperteile geführt haben, kann keine Heilung erfolgen, jedoch ist eine Schmerzlinderung möglich.

Bei manchen Herzrhythmusstörungen, auch bei Herzmuskelschwäche, Blutgerinnungsstörungen, bei der Muskelerkrankung Myasthenia gravis und bei schweren Erkrankungen wie fortgeschrittener Multipler Sklerose oder Nierenschwäche darf die Neuraltherapie in ihrer Gesamtheit nicht eingesetzt werden, wobei im Einzelfall nach Diagnose des Arztes eine reine Quaddeltherapie möglich sein kann.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 17.09.2007
 
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