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Hormonähnliche Substanz aus Plastikflaschen im Urin nachweisbar

Neue Erkenntnisse zur umstrittenen Industriechemikalie Bisphenol A

Besonders für Kinder ist die Unbedenklichkeit von BPA in Trinkflaschen noch umstritten

Besonders für Kinder ist die Unbedenklichkeit von BPA in Trinkflaschen noch umstritten
(Foto: BananaStock)

Die Industriechemikalie Bisphenol A (BPA), die bei der Herstellung von Plastikflaschen verwendet wird, lässt sich im Urin nachweisen. In einer Studie zeigten amerikanische Wissenschaftler, dass die Konzentration des Stoffs mit hormonähnlicher Wirkung im Urin deutlich ansteigt, wenn aus Polycarbonat-Flaschen getrunken wird.

BPA ist eine Chemikalie, die in der Kunststoffindustrie als Grundsubstanz für Polycarbonat-Plastik dient. Polycarbonat kommt unter anderem bei der Produktion von Trinkflaschen zum Einsatz. Aus früheren Studien ist bereits bekannt, dass sich BPA aus Plastikflaschen lösen und in Getränke gelangen kann. Durch Erhitzen, wie bei Babyfläschchen üblich, wird besonders viel BPA freigesetzt. Die Forscher um Karin B. Michels von der Harvard School of Public Health konnten nun erstmals zeigen, dass die Konzentration der Chemikalie im Urin von Testpersonen nach einer einwöchigen Versuchszeit deutlich erhöht ist. Die 77 Teilnehmer der Studie tranken eine Woche lang alle kalten Getränke ausschließlich aus Polycarbonat-Flaschen und gaben regelmäßig Urinproben ab. Das Resultat: die BPA-Konzentration im Urin der Probanden war um 69 Prozent gestiegen.

Zwar wird BPA vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in den verbrauchsüblichen Mengen als unbedenklich eingestuft, das Umweltbundesamt (UBA) stellt dies dagegen in Frage. Denn verschiedene Untersuchungen belegen den schädlichen Einfluss des hormonähnlichen Stoffs auf die Geschlechtsentwicklung von Tieren und geben Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang mit menschlichen Krankheiten. Am 30. und 31. März 2009 veranstaltete das UBA einen Workshop, in dem das Thema neu diskutiert wurde. Die Ergebnisse der Gespräche sowie weitere Studien bleiben aber zunächst abzuwarten.

Weitere Informationen zum Thema:

In der Hausarzt-Expertenrat können Sie persönliche Fragen zum Thema direkt an unsere Experten richten.

Pressemitteilung der Harvard School of Public Health: BPA, Chemical Used to Make Plastics, Found to Leach from Polycarbonate Drinking Bottles Into Humans. 21. Mai 2009
Online-Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Berlin: www.bfr.de (Stand: Mai 2009)
Online-Informationen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), Parma, Italien: www.efsa.europa.eu (Stand: Mai 2009)
Online-Informationen des Deutschen Bundetags, Berlin: www.bundestag.de (Stand: Mai 2009)

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 13.07.2009
 
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