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Muttermilchzucker gegen Darminfektionen

Fucosyllactose erstmals in großem Maßstab künstlich hergestellt

Menschliche Muttermilch enthält die Zuckerart Fucosyllactose

Menschliche Muttermilch enthält die Zuckerart Fucosyllactose
(Foto: BananaStock)

Der rheinland-pfälzischen Jennewein Biotechnologie GmbH gelang mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erstmals die industrielle Herstellung einer Zuckerart, die normalerweise nur in menschlicher Muttermilch vorkommt. Der Mehrfachzucker namens Fucosyllactose senkt das Risiko für bestimmte Infektionskrankheiten und könnte in Zukunft eine wertvolle Ergänzung für Säuglingsersatznahrung sowie andere Lebensmittel darstellen.

Die infektionshemmende Wirkung von Fucosyllactose beruht auf der Ähnlichkeit zu bestimmten Zuckerketten, die sich natürlicherweise auf der Oberfläche menschlicher Zellen befinden. Viele Krankheitserreger docken an diese Oberflächenzucker an und können so die Zellen infizieren. Heften sich schädliche Darmbakterien oder -viren stattdessen an Fucosyllactose, werden sie mit der verdauten Nahrung wieder ausgeschieden. Denn anders als Haushaltszucker, Milchzucker (Laktose) oder Fruchtzucker (Fruktose) wird Fucosyllactose nicht in einzelne Bestandteile zerlegt und auch nicht vom Darm aufgenommen. So ließe sich zum Beispiel das Risiko von Infektionen mit Salmonellen oder dem Norovirus durch Fucosyllactose-haltige Nahrungsmittel senken. Gleichzeitig sorgt die Verringerung unnützer Darmbakterien für eine gesündere Darmflora.

Dass die Zuckerart vom Darm nicht aufgenommen wird, hat außerdem einen weiteren Vorteil: Der Kaloriengehalt von Nahrungsmitteln verändert sich durch den Zusatz von Fucosyllactose nicht. Dadurch lässt sich die Zuckerart bedenkenlos in Säuglingsersatznahrung verarbeiten, kann aber auch Erwachsenen in verschiedenen Lebensmitteln zugute kommen. Da es sich bei Fucosyllactose nicht um ein Medikament, sondern einen Nahrungsmittel handelt und somit kein pharmazeutisches Zulassungsverfahren nötig ist, könnten Konsumenten schon bald von der gesundheitsfördernden Wirkung des Muttermilchzuckers profitieren.

Weitere Informationen zum Thema:

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Pressemitteilung der Jennewein Biotechnologie GmbH: Natürlicher Schutz vor Infektionskrankheiten. 13. Oktober 2009

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 03.12.2009
 
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