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Werbung macht Kinder dick

Kinderärzte fordern Werbebeschränkungen im TV

Werbung beeinflusst schon die Ernährung von Kindern

Werbung beeinflusst schon die Ernährung von Kindern
(Quelle: DAK/Wigger)

Die Zahl der stark übergewichtigen Kinder in Deutschland nimmt seit den 1980er Jahren stetig zu. Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen der steigenden Adipositasrate und der Fernsehwerbung. Kinder, die fernsehen, gucken im Jahr etwa 20.000 bis 40.000 TV-Spots. Gut die Hälfte davon preist Süßwaren, Limonaden und Knabberartikel an.

Auch bei kleinen Kindern wirkt TV-Werbung schon, denn im Alter unter sechs Jahren bilden sich Ernährungsvorlieben erst noch aus. „Wir beobachten sogar die Tendenz, dass die Firmen und Hersteller immer jüngere Altersgruppen ansprechen“, berichtet Prof. Dr. Berthold Koletzko, Leiter der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Diese Strategie scheint erfolgreich zu sein, denn die Verankerung bestimmter Marken und Produkte schon bei 2- bis 5-Jährigen kann die Ess- und Trinkgewohnheiten langfristig prägen. „Dies geschieht leider nicht im Sinne einer gesundheitsfördernden Ernährung“, bedauert Koletzko. „Werbung preist eben nicht das frische Obst an, sondern Produkte, die kaum wertvolle Inhaltsstoffe für Wachstum, Entwicklung und Gesundheit liefern und stattdessen viel zu viel Zucker, Fett und Salz enthalten.“

In über 200 Erhebungen und Studien, u.a. der Weltgesundheitsorganisation und der American Academy of Paediatrics, finden sich klare Belege für die Wirksamkeit von Werbung, die sich an Kinder richtet. Schwerwiegendster Beweis für die Effektivität der zielgruppenorientierten Reklame ist die Adipositasrate bei Kindern, die an das Ausmaß der Fernsehwerbung, dem die Kinder und Jugendlichen ausgesetzt sind, gekoppelt ist.

Koletzko setzt sich deshalb für eine Werbebeschränkung ein. „Medienerziehung allein reicht für einen kritischen Umgang mit Werbung nicht aus. Kinder entwickeln nur langsam und allmählich bis zu einem Alter von etwa elf Jahren die Reife, sich mit einer Werbebotschaft auseinanderzusetzen.“ Unter acht Jahren könnten Kinder den „überredenden“ Charakter von Werbung meist nicht erfassen, unter 4-Jährige könnten noch nicht mal zwischen Programm und Reklame unterscheiden.

Die DGKJ unterstützt daher das durch die deutsche Bundesregierung im Nationalen Aktionsplan IN FORM formulierte Ziel, auf Werbung, die sich an Kinder unter zwölf Jahren richtet, zu verzichten und fordert eine baldige Umsetzung. In Schweden und Norwegen ist an Kinder unter zwölf Jahren gerichtete Werbung bereits generell untersagt.

Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ): Werbung schauen macht Kinder dick. Kinderärzte fordern Werbebeschränkungen. 20. Oktober 2010

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 23.11.2010
 
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