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Auslöser für Epilepsie und Migräne entdeckt

Wissenschaftler finden Ansatz für neue Therapiemöglichkeiten

Ursache für Epilepsie liegt im Kleinhirn

Ursache für Epilepsie liegt im Kleinhirn
(Quelle: iStockphoto)

Vererbbare Krankheiten wie Epilepsie, Bewegungskoordinationsstörungen und Migräne können durch Veränderungen in Nervenzellen des Kleinhirns hervorgerufen werden, die sich erst nach der Geburt einstellen. Zu diesem Ergebnis kommen Untersuchungen Bochumer Neurowissenschaftler. Erstmalig konnten Wissenschaftler einen Einblick in die Entstehung dieser Krankheiten bekommen und werden jetzt an neuen therapeutischen Ansätzen forschen.

Verschiedene Formen von Epilepsien, Bewegungskoordinationsstörungen (Ataxien) und Migräne werden durch Mutationen im so genannten P/Q-Typ-Kalziumkanal ausgelöst, der den Einstrom von Kalziumionen in die Nervenzellen des Gehirns steuert. Die Hintergründe dieser Funktionsstörung des Kalziumkanals waren bisher aber noch nicht bekannt.

Wissenschaftler um Prof. Dr. Stefan Herlitze vom RUB-Lehrstuhl für Allgemeine Zoologie und Neurobiologie entwickelten jetzt ein Tiermodell (Purky-Maus), in dem dieser Kalziumkanal zu einem beliebigen Zeitpunkt in einer bestimmten Hirnregion abgeschaltet werden konnte. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf bestimmte Zellen im Kleinhirn, die so genannten Purkinje-Zellen. Diese koordinieren die Bewegungen des Körpers.

Eine Woche nach der Geburt schalteten Herlitze und sein Team bei den Mäusen den P/Q-Typ-Kalziumkanal im Kleinhirn ab. Die Folge war, dass die Erregungsleitung zwischen den Nervenzellen beeinträchtigt wurde, was im Erwachsenenalter zu verschiedenen neurologischen Defiziten führte. „Der Kalziumkanal kommt eigentlich im gesamten Gehirn vor“, erklärt Dr. Melanie Mark. „Es ist das erste Mal, dass wir zeigen konnten, dass die Krankheiten nur durch eine gestörte Signalverarbeitung im Kleinhirn ausgelöst werden können.“

Mithilfe des Mausmodells wollen die Forscher nun die molekularen Grundlagen der Krankheiten erforschen, die auf Veränderungen im P/Q-Typ-Kalziumkanal zurückgehen. Ziel ist es, neue therapeutische Ansätze zu entwickeln. In Kooperation mit Kollegen der Uni-Kliniken in Essen und Bonn möchten die Bochumer Wissenschaftler ihre Studien am Mausmodell mit Ergebnissen aus Patientenuntersuchungen vergleichen. „Wir hoffen insbesondere Kindern helfen zu können, die an Absence-Epilepsie leiden, also Epilepsien, die mit einer Bewusstseinsstörung einhergehen“, hofft Herlitze.

Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum: Große Rolle für das Kleinhirn: Epilepsieauslöser entdeckt. 16. März 2011

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 19.03.2011
 
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