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Neurodermitis & Reizdarm: Mastzellen spielen zentrale Rolle

Mastzelle als Schlüsselzelle bei entzündlichen Erkrankungen

Im Darm liegen die Ursachen für Reizdarm und auch Neurodermitis

Im Darm liegen die Ursachen für Reizdarm und auch Neurodermitis
(Quelle: Photocase)

Neueste Untersuchungen zeigen, dass die Krankheitsbilder Reizdarm-Syndrom und Neurodermitis gemeinsame Entstehungsmerkmale haben. In beiden Krankheitsbildern fungieren Mastzellen als Schlüsselzellen. Diese Erkenntnis kann zukünftig zu besseren Therapiemöglichkeiten beider Erkrankungen führen.

In der medizinischen Grundlagenforschung war bisher nicht bekannt, dass die beiden entzündlichen Erkrankungen Reizdarm-Syndrom und Neurodermitis (atopisches Ekzem) gemeinsame Entstehungsmerkmale besitzen. Untersuchungen der vergangenen drei Jahre haben gezeigt, dass die so genannten Mastzellen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung des Reizdarm-Syndroms spielen. Die Erkenntnis, dass diese Zellen bei der Entstehung von Allergien wie Neurodermitis beteiligt sind, gilt seit vielen Jahren als sicher. Mastzellen sind Zellen der körpereigenen Abwehr, die sich im gesamten Körper, vor allem aber in der Haut und in den Schleimhäuten befinden. In ihnen sind Botenstoffe enthalten, die bei Kontakt mit Bakterien oder bei der Entstehung einer Wunde ausgeschüttet werden und eine Entzündungsreaktion auslösen, um Bakterien zu beseitigen und den Körper zu schützen.

Die Untersuchungen könnten erklären, warum Menschen mit atopischem Ekzem häufiger am Reizdarm-Syndrom leiden und warum jene mit Reizdarm-Syndrom häufiger ein atopisches Ekzem entwickeln. Sicher ist, dass sowohl beim Reizdarm-Syndrom als auch beim atopischen Ekzem eine Darmbarrierestörung vorliegt. Denn das atopische Ekzem ist eine Erkrankung, die auch durch Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten ausgelöst werden kann. Der Problemherd befindet sich in diesem Fall, genauso wie beim Reizdarm-Syndrom, im Darm.

Die neuen Untersuchungsergebnisse bieten die Möglichkeit für die Entwicklung innovativer und besserer Therapieansätze für beide Krankheiten. Mit mastzellstabilisierenden Medikamenten, so genannten Mastzellstabilisatoren, wurden bislang beide Krankheitsbilder gleichzeitig und mit gutem Erfolg behandelt. „Mit Mastzellstabilisatoren kann in Form von Probiotika, also gesundheitsfördernden Bakterien, die geschädigte Darmflora wieder normalisiert und die Barrierestörung aufgehoben werden. Die Zellen werden beruhigt, sodass die Entzündungsreaktion abklingt“, erklärt Prof. Dr. Marcus Maurer, Leiter der Forschungsabteilung des Allergie-Centrums-Charité in Berlin und Professor der Stiftung ECARF. Während in Deutschland ca. 19 Prozent der Menschen an einem Reizdarm-Syndrom leiden, sind bis zu 20 Prozent aller Kinder und bis zu drei Prozent aller Erwachsenen von Neurdermitis betroffen.

Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF): Die Mastzelle als Schlüsselzelle bei entzündlichen Erkrankungen. 08.April 2011

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 22.04.2011
 
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